Freitag, 11. November 2016

Abschalten.

Stell dir vor, du bist im Internet. Und schreibst da ab und zu was rein. An verschiedenen Stellen. Weil es Spaß macht. Weil du Langeweile hast. Oder weil du Lust aufs Schreiben hast. Weil es dir gut tut, was rauszulassen, einen Gedanken zu teilen. Oder du das Gefühl hast, da liest jemand mit und das ist ja fast wie Zuhören. Und das tut gut. Stell dir vor, du schreibst und schreibst und die Menschen lesen und lesen und schreiben auch. Und reagieren. Und kommentieren. Und das ist nicht immer positiv, aber das ist auch nicht so schlimm. Das gehört dazu. Und wenn es zuviel wird, dann schaltest du eben einfach ab. Kein Problem.

Stell dir vor, du fährst an fremde Orte und lernst einige dieser Menschen persönlich kennen. Du erzählst deinen Menschen offline nicht viel darüber, weil sie nicht wissen, warum du das eigentlich tust. Manche dieser Menschen haben schließlich so komische online-Namen. Und dann belächeln dich Menschen, die sich online so gar nicht aufhalten. Und das willst du nicht. Du verstehst auch nicht, warum so viele in schwarz und weiß, in on- und offline denken. Ist doch alles eins. Und du findest diese Menschen da spannend. Du fährst. Triffst diese Menschen. Du lernst sie kennen. Du fängst an, sie zu mögen. Erzählst ihnen aus deinem Leben. Sie dir aus ihrem. Ihr teilt ein Stück Leben miteinander. Ist doch nett. Offline. Online. Ein heilloses Durcheinander. Ihr teilt Momente. Alles vermischt sich. Ein einziger großer Momentesmoothie.

Stell dir vor, diese Erlebnisse häufen sich. Du fährst immer öfter an fremde Orte und lernst immer mehr Menschen kennen. Die Jahre vergehen. Diese Menschen lernen deine Kinder kennen und du ihre. Du teilst dein Leben und sie teilen ihres. Du triffst so viele Menschen, mit denen du dich sofort verstehst, obwohl du sie gar nicht kennst. Aber du liest sie. Und sie lesen dich. Und ihr habt gemeinsame Gedanken. Interessante Gedanken. Witzige, beflügelnde, kritische. Stell dir vor, dir macht das soviel Spaß, dass du mit immer mehr Menschen Momente teilst. Und du teilst die Momente dieser Menschen mit anderen Menschen. Online, offline, da gibt es keine Unterschiede mehr. Es ist alles ein großes Gewurschtel. Es macht dir Vergnügen, dieses Gewurschtel. Du magst diese Menschen und hast so gern an ihren Momenten teil und teilst gern deine eigenen Momente mit ihnen. Manchmal verschwimmen die Momente, weil es so viele sind. Du kannst nicht alles richtig einordnen, aber das gehört doch dazu? Das passiert doch jedem einmal?

Stell dir vor, du denkst sehr viel an diese Menschen. Sehr oft. Es sind gute Gedanken. Sie beflügeln dich, inspirieren dich, machen Spaß. Und so beschäftigst du dich sehr viel damit. Innerlich und äußerlich. Du schreibst, teilst, lässt Menschen rein, lässt Menschen raus.  Immerzu gehen Türen auf und zu. Aber insgesamt kommen mehr rein als rausgehen. Immer mehr Menschen. Immer mehr Momente. Und immer mehr Gedanken. 

Und dann gibt es da diesen einen Moment, da ist was komisch.
Da willst du abschalten und dann geht das plötzlich nicht mehr.
Dann willst du auf dein Zimmer und die Tür hinter dir zuknallen und merkst: 
Damit kommste wohl auch nicht weiter. Tut aber trotzdem manchmal ganz gut.



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