Donnerstag, 2. Juli 2015

Fertig sein

Nur einmal fertig sein. Nicht mit den Nerven. Oder völlig. Oder total. Sondern fertig mit den Aufgaben des Tages. Das wäre doch schön. Abends ins Bett gehen und nicht denken....

ich hätte noch eine Maschine waschen müssen...
ich hätte die Arbeiten der 10g noch korrigieren müssen...
ich hätte noch schnell den Geschirrspüler einräumen müssen...
ich hätte ihn auch noch anstellen müssen...
ich hätte noch das Buch zu Ende lesen müssen...
ich hätte die Stunde noch besser vorbereiten müssen...
ich hätte das Wohnzimmer noch aufräumen sollen....
ich hätte endlich die Packung Windeln ins Kinderzimmer räumen sollen, die da schon ewig im Flur liegt....
ich hätte den Esstisch noch abwischen sollen....
ich hätte die zwei Rechnungen vom Buchladen noch bezahlen sollen...
ich hätte dem Aupair das Geld überweisen sollen...
diese eine E-Mail, die hätte ich noch schreiben sollen...
und es wäre auch nicht schlecht gewesen, hätte ich noch das alte Brot weggeworfen, statt das neue einfach dazu zu legen....
ein sauberes Bad hätte ich auch gern mal wieder....
und ich habe mal wieder keinen Sport gemacht, dabei ist der doch so wichtig....
ich hätte die Unterlagen für den Termin im Steuerbüro am Montag noch sortieren sollen....
dann müsste ich das nicht am Sonntag machen...
ich könnte doch mal wieder was kochen oder backen, dann hätten meine Kinder das Gefühl, ich wäre eine richtige Mutter...
und ich hätte die Mülltonne rausstellen sollen...
ich hätte nicht so viel Zeit verquatschen sollen, dann hätte ich auch mehr geschafft...

ich hätte dies, das, jenes, welches, so vieles, das Ganze und überhaupt alles andere noch machen sollen. Dann läge ich jetzt nicht hier und müsste mir Gedanken darüber machen, was ich alles hätte machen sollen, weil ich alles fertig habe. Weil ich fertig bin. Nicht völlig. Nicht total. Sondern einfach fertig mit den Aufgaben des Tages. Das wäre doch schön.

Kommentare:

  1. Ist doch ganz logisch, dass man das mit drei kleinen Kindern nicht alles schaffen kann. Verstehe dann nicht, warum du im neuen Schuljahr nochmal aufstocken willst. Diese Zeit kommt nie wieder. Du erscheinst ja nur noch gehetzt und getrieben. Wozu das Alles?

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    1. Der Text beschreibt ein temporäres Gefühl. Gefühle ändern sich. Gefühle täuschen. Gefühle sind wandelbar wie das Wetter.
      Ich finde den Kommentar leicht anmaßend. Wozu das?

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  2. Och Mönsch, Du, das tut mir fast ein bisschen weh beim Lesen. Ich übe schon etwas länger diese Nie-fertig-Rolle, mein Großer ist 13. Besonders schmerzhaft, dieses Gefühl, keine "richtige Mutter" zu sein. Das wird einem von außen oft suggeriert. Aber weißte, wenn ich mal etwas ruhiger von oben auf das zu schauen vermag, was ich so täglich treibe - und Du, und wir Mütter alle - dann kommt ein kleines Fünkchen Glauben durch, dass wir die richtigsten Mütter der Welt sind. Jede auf ihre Art.
    Und weißt du, ich glaube, würde ich mal fertig sein, dann würde sich das falsch anfühlen:) --- So wie heute, da saßen wir mit den Kindern im Garten, unterm Wasserschlauch, kein Termin den ganzen Nachmittag lang, und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich hätte bestimmt was vergessen.
    Vielleicht ist nicht-fertig-sein mein verinnerlichtes Lebensprinzip, und deines auch, vielleicht ist die Aufgabe nur, Ja dazu zu sagen.
    Ich gruße dich herzlich, Lehrermutter-am-Limit zu Lehrermutter-am-Limit,
    Uta

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