Sonntag, 7. Juni 2015

Aupair, die Zweite

"Ein Aupair - wozu? Die Kinder sind doch im Kindergarten?" - ein Satz, den ich kürzlich in Budapest hörte, als ich erzählte, dass wir nun den zweiten Versuch mit einem Aupair starten. Ab heute Abend.

Aber wozu eigentlich? 
Das ist im Grunde ganz einfach. Ein Aupair ist ein Familienmitglied, das im idealen Fall, verantwortungsbewusst und zuverlässig ist, in jedem Fall aber nur in sehr seltenen Fällen mit Essen rumschmeißt, sich auf den Boden wirft, wenn ihr irgendwas nicht passt, oder barfuß aus dem Haus geht, weil es eben gerade keine Lust hat, Schuhe anzuziehen. Alle Familienmitglieder, die über dieses Stadium hinaus sind, wären theoretisch in der Lage, unser Leben als Familie im Alltag etwas zu erleichtern. Denn das wünsche ich mir. Ein erleichtertes Familienleben. Aber dafür brauche ich Hilfe. Ich könnte die Familienaufgaben natürlich auch alle selbst übernehmen. Das wäre sehr sinnvoll, denn dann wüsste ich zumindest immer, wer was macht. Nämlich ich, alles. Aber das möchte ich nicht. Denn ich schaff das nicht. Und das finde ich auch völlig legitim. Etwas nicht zu schaffen. Ich brauche einfach etwas Hilfe. Wir brauchen etwas Hilfe.
- bei der Betreuung der Kinder (Derzeit kommen sie um 15 Uhr aus dem Kindergarten, wenn ich sie da immer abholen würde, käme ich mit meiner Arbeitszeit nie hin - im Moment 70%, ab September Vollzeit)
- bei den Tätigkeiten im Haushalt (Und hier meine ich die alltäglichen Aufgaben, Kleinigkeiten, die Zeitfresser, wegen denen ich regelmäßig um 4 Uhr aufstehe, wenn ich damit alleine bin)
- bei der Bespaßung der Kinder (Drei Kinder in so einem kurzen Abstand allein zu bespaßen ist wirklich kompliziert. Ich stelle mich vielleicht auch düsig an, wer weiß das schon, mich evaluiert ja nie einer, aber ich finde das kompliziert. Zu zweit geht das einfach viel leichter. Deshalb wünsche ich mir ein Aupair, die mir ab und zu die Bastelschere reicht. Besser noch: Selbst in die Hand nimmt.)
- bei der sprachlichen Entwicklung (Wir sprechen hier Deutsch und Ungarisch und die Kinder sollen beide Sprachen beherrschen. Das ist uns wichtig. Deswegen wollten wir auch unbedingt ein ungarisches Aupair.)

Unser erstes Aupair war vier Wochen bei uns. Wir haben uns sehr gefreut auf sie, eine erfahrene Kleinkindbetreuerin. Die Erwartungen waren hoch, auch deswegen, aber nicht nur. Es bröckelte allerdings ziemlich schnell. Vom ersten Tag spürte ich eine enorme Unsicherheit, die mit jedem Erlebnis, mit jeder Stunde, die sie mit den Kindern verbrachte, größer wurde. Und ich fragte mich relativ zügig, wie ich da helfen kann. Ich nahm ihr die Verantwortung wieder ab, denn sie war damit völlig überfordert. Vielleicht war das falsch, denn damit habe ich ihre Unsicherheit noch gefördert. Ich habe viel auf diesem Thema gedanklich herumgekaut und wollte auch gar nicht darüber schreiben, weil ich bis heute unsicher bin, wie viel von diesem Scheitern an mir/uns liegt und wie viel an ihr. Vielleicht ist das auch gar nicht wichtig, vielleicht hat es einfach nicht gepasst und dann gesteht man sich das ein und beendet das Experiment. Denn so fühlte es sich relativ zügig an, wie ein Experiment. Und das war nicht das, was ich mir gewünscht hatte.

Heute Abend kommt unser neues Aupair. Der Papa bringt sie aus Budapest mit - die Kinder sind nämlich gerade mit ihm für ein verlängertes Wochenende dort - und dann geht sie los, unsere neue Reise. Aus meiner ersten Erfahrung und vielen, vielen Gesprächen mit ehemaligen Aupairs (danke an euch alle übrigens, ihr wisst hoffentlich, dass ich euch meine) nehme ich mit, dass ich klar formuliere, was ich mir wünsche. Dass ich Arbeitszeiten und -aufgaben genau vorgebe und dass ich mich noch mehr kümmere. In diesem Sinne habe ich ein paar Willkommensgeschenke besorgt und erarbeite heute noch einen Plan, wie viel und in welcher Form ich konkrete Aufgaben abgebe. Das ist gar nicht so leicht, wie man denkt. Für mich im Grund der schwierigste Teil. Ich hoffe, ich werde ihn diesmal etwas besser meistern. 

Kommentare:

  1. Noch eine Person mehr, die zwar unterstützen soll, aber auch Zuwendung und Unterstützung braucht - das stelle ich mir wirklich schwierig vor und drücke dir ganz fest die Daumen, dass es dieses Mal klappt.
    LG, Micha

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  2. Ich wünsche euch eine schöne neue Erfahrung mit einem Au Pair in der Familie!! Meine französische Gastfamilie hatte damals, als ich bei ihr unterschlüpfen durfte, ihr erstes Au Pair und seitdem durfte ich fünf weitere dort kennenlernen - alle unterschiedlich in dem, wie sie auf die Familie reagieren, auf die Kleine (auch zweisprachig) und in dem Umfang, in dem sie unter die Arme greifen. Wenn du klar deine Wünsche und Vorstellungen formulierst ist das sicher ein super Anfang. Ich bin gespannt, was du berichtest. :-)

    Lieber Gruß und alles Gute
    Steffi

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  3. Wir sind auch am Überlegen, ob ein Au Pair Sinn macht. Den Platz hätten wir. Unsere Freunde haben auch immer welche und beim letzten Mal hatten sie leider auch Pech und sie war nach 2 Monaten wieder weg. Es muss gut überlegt werden, oft merkt man aber erst, ob die Chemie stimmt und sie die Aufgaben erfüllen kann, wenn sie da ist. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr diesmal Glück habt.
    Liebe Grüße
    Isa

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  4. Au-Pair - etwas, auf dem ich vor/während/nach dem Abi auch rumgedacht habe und es dann zugunsten eines direkten Studienbeginns doch nicht umgesetzt habe. Eine Freundin war als Au-Pair in Schweden - in der ersten Familie lief's nicht wirklich, in der zweiten umso besser. Anlaufschwierigkeiten sind vermutlich auch normal.
    Was ich aus meiner Erfahrung als Babysitter (seit 10 Jahren mittlerweile) sagen kann, auch wenn das ja nun nicht ganz dasselbe ist wie Au-Pair: Wünsche und Vorstellungen und klare Aufgabenbereiche sind auf jeden Fall wichtig. Für mich, als jemand, der neu in die Familie kommt, war vor allem immer sehr wichtig zu wissen, welche Regeln und Routinen es gibt. Was muss auf jeden Fall immer gemacht werden? Was ist ein absolutes No-Go? Was und wie viel darf ich den Kindern durchgehen lassen, was nicht? Bzw. darf ich als Babysitter (oder Au-Pair) "eigene" Regeln aufstellen für die Zeit, die ich mit den Kindern verbringe? Denn nur, wenn man sich in den Punkten sicher ist, kann man das auch mit Überzeugung durchsetzen - und wenn man das nicht kann, ist man verloren - bei 3 Kindern noch viel eher. Das war/ist etwas, was mir immer sehr wichtig ist/war, damit ich auf einer Linie mit den Eltern bin bzw. da Rückendeckung habe.

    Ich drücke die Daumen, dass es dieses Mal mit euch und dem Au-Pair besser klappt. :)
    LG, Hannah

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  5. Hey,
    ich hab auch vor Au Pair zu machen, jedoch weiß ich nicht für welche Agentur ich mich entscheiden soll. Ich habe schon eine gefunden, würde aber gerne von dir wissen, ob der Preis OK ist oder ob es noch billigere gibt. Au-Pair Vermittlung
    Hoffe du kannst mir helfen

    Mit freundlichen Grüßen
    Jenny

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  6. Hey,
    ich hab auch vor Au Pair zu machen, jedoch weiß ich nicht für welche Agentur ich mich entscheiden soll. Ich habe schon eine gefunden, würde aber gerne von dir wissen, ob der Preis OK ist oder ob es noch billigere gibt. Au-Pair Vermittlung
    Hoffe du kannst mir helfen

    Mit freundlichen Grüßen
    Jenny

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