Dienstag, 17. März 2015

Nach dem Umzug ist vor dem Umzug

Seit einem Monat nun wohnen wir auf dem Dorf. Da ist es Zeit erste Bilanz zu ziehen. Das Dorfleben meint es gut mit uns. Aber wie vieles gut Gemeinte ist es eben nur bedingt gut. 

Wir haben ein Haus. In Wirklichkeit ist es ein Palast und er ist nahezu nigelnagelneu. Und wir haben ihn auch nicht. Wir mieten ihn. Aber es ist ein schönes Haus. Mit einem sehr großen Garten, in dem zwei Schaukeln stehen, von denen eine sogar an einem Apfelbaum hängt, was wunderbar idyllisch aussieht, selbst jetzt, wo noch nichts grün ist. Es gibt einen Hauswirtschaftsraum, in dem die Waschmaschine und der neue Trockner steht und wenn ich die Wäscheberge nicht sehen will, dann mache ich von diesem Raum einfach die Tür zu und schwups ist alles schön. Wenn es ganz schlimm kommt, kann ich sogar abschließen.


Wir haben einen riesigen ausgebauten Keller, in dem ich mir ein Arbeitszimmer einrichten könnte. Ich habe nur im Moment weder Zeit noch Geld dazu, also steht mein Schreibtisch zwischen Kartons und daneben steht ein kleines Regal. Aber um ehrlich zu sein, arbeite ich eh die meiste Zeit am Rechner auf dem Sofa und korrigieren kann man überall. Man darf den Kram nur nicht liegen lassen, wenn man fertig ist. Diese Kinder....

Das Haus hat eine Lüftungsanlage und Fußbodenheizung in allen Räumen. An der Heizung soll nicht gedreht werden, die reagiert sowieso erst nach Tagen. Wenn ich es Donnerstag warm haben will, sollte ich also Dienstag schon mal hochdrehen. Insbesondere bei so einem großen Haus. In meiner Studentenbude damals von 20qm ging das schneller. Ich bin gespannt auf die ersten Rechnungen. bei Dauer-on. Aber warm ist es jedenfalls. Und richtig gefröstelt hab ich noch nie. Seit einigen Tagen könnte ich aber die Heizung ab Mittag komplett auf Null zurückdrehen, weil sich das Wohnzimmer durch die fünf Riesenfenster derartig aufwärmt, dass ich jeden Nachmittag anfange zu überlegen, in welcher Kiste eigentlich der Bikini steckt.

Wir haben zwei Kinderzimmer, von denen eins zum Schlafen und eins zum Spielen verwendet wird. Halt Stopp. Nochmal von vorn. In einem Zimmer schlafen die Kinder, zu dritt. Das klappt total super. wunderbar. Gut. einigermaßen. Sie gehen um 19 Uhr ins Bett und stehen nacheinander zwischen 5 und 6 Uhr auf. Das andere Zimmer wäre zum Spielen. Aber da spielt im Moment niemand. Gespielt wird im Wohnzimmer. Warum sollte das hier auch anders sein als überall sonst auf der Welt.

Einkaufen gehe ich im Dorfsupermarkt und beim Dorfbäcker. Zum Drogeriemarkt muss ich ins Auto steigen und 15 Minuten fahren, wenn ich nicht auf dem Rückweg von der Schule reinspringe. Und was soll ich sagen? Das nervt mich kolossal. Die Infrastruktur unserer alten Wohnung war (das war mir auch vor dem Umzug bewusst, deswegen habe ich mich so gesträubt) das Paradies. In Fußweite hatte ich: Rewe, Aldi, Lidl, DM, Apotheke, Kinderkrankenhaus, Kinderohrenarzt, Kinderarzt, Spielzeuggeschäft, Buchladen, Bäckereien, Kindergarten, Kinderkrippe, Eisladen, Restaurant, 10 Spielplätze, und das Wichtigste: die Donau. Und ich habe das alles täglich genutzt. Mein Auto stand wochenlang nur rum. 
Zu Fuß kann ich hier: zum Kindergarten, zum Tante-Emma-Laden und zur Post. Für alles andere muss ich ins Auto steigen oder ich verzichte drauf. Meistens ist es derzeit Letzteres. Das klingt gruselig, wenn ich es so aufschreibe, ist aber so.

Was noch?
Die Menschen hier leben in ihren Häusern. Wenn ich mit den Kindern tagsüber durchs Dorf laufe, ist niemand da, weil alle arbeiten und Arbeit ist in der Stadt. Wenn ich Kontakt mit irgendwem haben möchte, muss ich schon klingeln. Die Kinder im Kindergarten werden zum größten Teil von Großeltern abgeholt, das ist neu und ich finde das schön. Aber mit fremden Großeltern komme ich noch weniger ins Gespräch als mit fremden Müttern. Hm.

Die Kinderbetreuung habe ich vorerst geregelt. Ich habe eine Leihoma, die mir hilft und die wir schon das erste Mal so richtig inklusive Familie mit dem Norovirus außer Gefecht gesetzt haben. Sie unterstützt mich, aber leider ist das nicht genug, das merke ich schon nach ein paar Wochen. 
Wir suchen ein aupair. Aber aupairs wollen - genau wie Babysitter, Tagesmütter und Kinderfrauen - lieber weniger als mehr Kinder betreuen und es würde mich nicht wundern, wenn sich auch diese Suche schwierig gestalten würde.

Nach dem Umzug ist also immer noch ein bisschen wie vor dem Umzug. Mit etwas mehr Haus, viel mehr Arbeit und etwas weniger Infrastruktur. Angekommen sind wir noch lange nicht.

Kommentare:

  1. Das kommt mir alles bekannt vor. Bei uns gibt es etwas mehr Einkaufsmöglichkeiten, aber seit der Schleckerpleite müssen wir 8 km zum dm fahren. Wir machen alle paar Wochen dm-Großeinkäufe. Letztes Mal für 150 €. 16 km für ein Päckchen Windeln fahren widerstrebt mir noch immer. Kinderarzt, Kinderklinik etc. ist alles 8 km in die andere Richtung.
    Hier ist es auch so, dass die Leute in ihren Häusern wohnen und die Kinder in den Gärten (die mitunter besser ausgestattet sind, als die Spielplätze) spielen. Auf dem Spielplatz ist man oft allein. Neulich hab ich die Nachbarskinder einfach spontan mitgenommen zum Spielplatz, damit wir nicht wieder allein sind. Allerdings gibt es bei uns noch eine Eisdiele und da trifft man bei schönem Wetter fast immer jemanden. Und wenn nicht, gibt es wenigstens Eis und damit sind die Kinder dann auch beschäftigt.
    Warum will niemand 3 Kinder betreuen? Die sind doch auch nicht anstrengender als eins allein, oder?

    AntwortenLöschen
  2. Wir sind auch erst vor kurzem aufs Land gezogen. Der Umzug selbst hat, dank der Firma AntsTrans, wunderbar geklappt. Aber sich an das Landleben zu gewöhnen fällt uns auch noch ein bisschen schwer. Vor allem mit den Kindern. Wir haben bezüglich dessen leider noch keine gute Lösung gefunden. Aber wir hoffen das kommt noch. Auch wir werden uns auf das Leben auf dem Land einstellen. Alles braucht seine Zeit.

    MfG

    AntwortenLöschen
  3. Wir haben jahrelang in Wien in der inneren Stadt gelebt. Nach 15 Jahren sind wir aufs Land gezogen. Beim Umzug von Wien aufs Land mit einer Umzugsfirma aus Wien wird alles gut gegangen.

    Aber wie Sie ganz gut argumentiert haben, war es für uns auch ein bischen schwierig am Anfang. Man gewöhnt sich an alles in der Zeit :)

    AntwortenLöschen
  4. Ich werde nächten Monat auch aufs Land umziehen und habe den Umzugsportal DerUmzug.com gefunden, damit man Umzugsservice von verschiedenen Umzugsunternehmen österreichweit vergleichen kann.

    Vielen Dank für Ihre Erfahrungsgeschichte ;)

    AntwortenLöschen