Freitag, 13. März 2015

Back to Rücken

Back to work, das werden viele vielleicht nicht wissen, heißt ja für Lehrer in Deutschland in den meisten Fällen auch back to Rücken. Für Schüler übrigens auch. Aber das geht mich an dieser Stelle nichts an. Der Rücken, das behaupte ich hier ganz frech und pauschalisierend für alle, ist das wohl am intensivsten belastete Körperteil für Lehrer und nachdem ich nun ein paar Wochen in meiner neuen Schule gearbeitet habe, kann ich auch schon wieder sagen, warum. 

Lehrer zu sein hat viele Vorteile. Du kannst zum Beispiel home office machen. Und was noch viel besser ist: Wenn du mal nicht dazu kommst, schleppst du dein home office einfach mit.  Wozu es immer dann kommt, wenn du Unterricht hast. Zur Zeit schleppe ich in meiner Schultasche deshalb das mit rum:

- ein Federmäppchen mit Rotstift, Bleistift, Blaustift, Folienstift in permanent und non-permanent, am besten in dreifacher Ausstattung, weil doch immer fünf zu wenig da sind und damit Celine-Jessica in der fünften Reihe sich nicht rausreden kann, dass sie nicht arbeiten kann, weil sie keinen Folienstift hat.
- einen laptop, weil es in manchen Schulen in besonders schwer aufzufindenden Ecken Räume gibt, in denen ein Beamer steht, an den man selbigen anschließen kann, um Schülern vorzugaukeln, man würde modernen Unterricht machen und mit der Zeit gehen. Und weil man jeden Tag mit der Illusion in die Schule geht, man könne in den Freistunden im Lehrerzimmer eventuell etwas Unterricht vorbereiten. 
- eine BoomBox, mit der ich in all den Klassenzimmern, die nicht zu den schwer aufzufindenden Räumen gehören, Sounddateien wahlweise über Kabel oder Bluetooth mit dem Handy oder laptop abspielen kann. Die Alternative sind tragbare Ghettoblaster, die in der Schule kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Aber dafür bräuchte ich CD's und ich weiß nicht, wo man sowas bekommt.
- für jede Klasse ein Buch. Das Deutschbuch ist von Cornelsen, das ist ziemlich schwör. Hat ja auch den ganzen G9-Inhalt jetzt auf viel weniger Seiten gequetscht, jammert es im Lehrerzimmer.
- für jede Klasse eine Mappe, mit Notenblättern, Notizen, Arbeitsblättern, Entschuldigungen und alles, was ich sonst so ansammle.
- eine Brotdose, weil ich manchmal auch was esse.
- Ladekabel, falls die vielen Endgeräte nicht durchhalten.
- eine Schachtel mit Kreide. In diesem Schuljahr habe ich Glück. Oder Pech, wie man's nimmt. Auf jeden Fall brauche ich nur Kreide und keine zusätzliche Packung mit Whiteboard-Markern. Denn die Klassenzimmer, in denen ich so verkehre haben alle Schiefertafeln. 

Das Ergebnis: Meine Tasche wiegt. Sie wiegt mitunter mehr als mein kleinstes Kind. Nur das Kind krabbelt jetzt. Die Tasche schlepp icke. Und wenn ich mich dazu öffentlich, halb-öffentlich, privat, halb-privat oder sonst irgendwie äußere, dann gibt es sehr, sehr viele kluge Ratschläge wie: Nimm doch einen Trolley! Kauf dir doch so einen rückenschonenden Rucksack! 
Selten hinterfragt diesen Blödsinn mal jemand von der eigentlichen zu hinterfragenden Seite. 

PS. In einem fernen Land habe ich einmal in einer Schule gearbeitet, in der ich mir ein Fachbereichsbüro mit zwei Kolleginnen teilte. Ich hatte einen Computer, ein Bücherregal, einen Drucker und eine Kaffeemaschine und ließ am späten Nachmittag die Arbeit dort, wo sie hingehört: In der Schule. Schlecht war das nicht unbedingt.


Kommentare:

  1. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Und gerne balanciert man noch eine Tasse Tee oder eine Falsche Wasser, falls die Stimme am Ende des Vormittags schn fast im Eimer ist.

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  2. Ich pflichte dir bei.
    Bei uns kommt noch hinzu: Die Tafeln hängen alle viel zu weit hoch.
    Ich habe Rücken und Nacken. Jeden Tag.

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