Dienstag, 16. Dezember 2014

Recht und Unrecht

In letzter Zeit denke ich viel über Recht und Unrecht nach. Vielleicht schaue ich zu viele Folgen von "The Good Wife". Ich will gar nicht abstreiten, dass es Zeit wird, dass ich wieder arbeiten gehe. Dennoch. Recht, Unrecht, Gerechtigkeit, das sind Themen, die mir immer wichtig waren und auch heute wichtig sind. Vielleicht sauge ich deshalb diese Serie auf, trotzdem sie eigentlich von Wiederholungen nur so strotzt und ich die Floskel "This is a fishing expedition" und die Worte "sustained" und "overruled" (ich schaue im Original) langsam nicht mehr hören kann. Es geht in der Serie vor allem um Recht und Unrecht. Und die Frage, ob Anwälte und Richter darüber entscheiden oder ob sie in Wirklichkeit eben auch nur so tun als ob. Weil das so wichtig ist und ich gerade erst wieder mit einer Bekannten darüber gesprochen habe, möchte ich von einem persönlichen Rechtsstreit erzählen, der schon eine Weile her ist. Es tut ganz gut, darüber informiert zu sein. Es geht um Schlüsseldienste.

Vor nun etwas mehr als zwei Jahren kam ich mit dem Mann und zwei Kindern mit einem vollgepackten Auto aus Budapest zurück. Der Schlüssel zu unserer Wohnung war uns in Budapest gestohlen worden und wir machten deshalb noch aus Budapest einen Termin für eine Türöffnung bei einem Schlüsseldienst, für kurz nach unserer Ankunft, so gegen 15 Uhr. 
Der Schlüsseldienst kam in Form eines jungen Mannes in einem großen (seeeeeehr großen) Auto und öffnete die Tür innerhalb von weniger als 15 Minuten. Er verlangte für diese Leistung einen Betrag in Höhe von 224,91 Euro. In Bar. Ich hatte kein Bargeld dabei. Er versuchte mich dazu zu nötigen, zur Bank zu fahren, um das Geld abzuheben. Ich war mit zwei kleinen Kindern vor der Tür, die eine Reise von sieben Stunden hinter sich hatten. Und selbst alleinstehend mit Lust auf Abenteuer wäre ich nicht mit diesem Mann zur Bank gefahren. Danach brachte er mich dazu, ein Formular zu unterschreiben, das die Rechnung sein sollte. Erst später las ich dort im Kleingedruckten Interessantes (und zwar dass ich den Rechnungsbetrag für "angemessen" halte).
Der junge Mann fuhr ab. Wir gingen in die Wohnung mit der offenen Wohnungstür. Das Schloss habe ich nicht von ihm austauschen lassen, er hatte mich wohlwollend darüber informiert, dass dies die Rechnung auf 380 Euro hinauftreiben würde. Die Tür war auf, wir waren drin. Und was blieb? Ein großes Gefühl der Ungerechtigkeit. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es rechtens sei, einen solchen Betrag für eine solche Arbeitsleistung von einem Menschen in Not zu verlangen. Und was soll ich sagen? Ich bekam Recht. Denn es ist nicht rechtens. 

Ich schrieb in den folgenden Tagen dem Schlüsseldienst:

Sehr geehrte Damen und Herren, 
ich bedanke mich hiermit nochmals für das Öffnen der Tür unserer Wohnung in.... . Leider habe ich im Ergebnis verschiedener Konsultationen feststellen müssen, dass das für die angefallenen 15 Minuten Arbeit berechnete Honorar in Höhe von 224,91 Euro völlig unangemessen ist. Meine Recherchen haben ergeben, dass das übliche Honorar für das Öffnen einer Außentür ohne Einbau eines neuen Schlosses und ohne Materialeinsatz nicht mehr als 60 Euro betragen sollte. Ich überweise Ihnen auch aus Dankbarkeit für die prompte Hilfeleistung 25% mehr und somit insgesamt einen Betrag von 75 Euro. Meine Meinung ist, dass damit die von Ihnen in nicht mehr als 15 Minuten erbrachten Leistungen mehr als angemessen honoriert sind. Hoffentlich nicht bis zum nächsten Mal verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.
Ihre....

Kurze Zeit später kam der Mahnbescheid. Dann die Klage. Es kam die Stellungnahme vom Schlüsseldienst per Rechtsanwalt. Es kam die Vorladung zum Amtsgericht. Und dann kam der Tag, an dem es zur Verhandlung kommen sollte. Ich hatte mir schon mein Kostüm zurecht gelegt und war aufgeregt. Ich las von Zugangskontrollen im Gerichtsgebäude und von Prozessbevollmächtigten und ging morgens noch schnell zum Postkasten. Und was fand ich da: Post vom RA: "...nehme ich hiermit names und im Auftrage des Klägers die Klage zurück." Der Schlüsseldienst hatte ein Drohgebäude aufgebaut. Aber er wollte nicht wirklich kämpfen. Schade eigentlich. Hübsch machte ich mich an diesem Tag trotzdem noch. Um den Sieg der Gerechtigkeit zu feiern. Das ist ein Sieg, wie er süßer nicht sein könnte. Vielleicht deswegen gefällt mir "The Good Wife" so gut. Und vielleicht deswegen denke ich manchmal, ich hätte vielleicht doch Rechtswissenschaften studieren sollen. Das macht mir einfach so viel Spaß.

Und hier nun mein Rat an euch im Zusammenhang mit Schlüsseldiensten:
- Bezahlt nie bar vor Ort. Dazu seid ihr nicht verpflichtet. 
- Legt euch eine Telefonnummer eines seriösen Schlüsseldienstes ins Portemonnaie. Die gibt es. Sie stehen nicht am Anfang der Gelben Seiten unter A.A.A.
- Ihr müsst nichts unterschreiben. Also unterschreibt auch nichts. Ich habe die mir ausgehändigte Rechnung vor Ort unterschrieben. Darauf stand im Kleingedruckten, dass ich den Rechnungsbetrag als angemessen betrachte. Die Unterschrift ist unwirksam, weil rechtswidrig. In der Notsituation bin ich überhaupt nicht in der Lage, diese Dinge einzuschätzen. Schlüsseldienste lassen das gern unterschreiben, weil es bei vielen Menschen reicht, um sie dazu zu bringen, die unangemessenen Beträge doch zu bezahlen.
- Eine Türöffnung unter den oben genannten Bedingungen am Tag, in der Woche, kostet nicht mehr als 60 Euro. Alle Beträge, die über das doppelte hinausgehen sind unangemessen bis hin zum Wucher. Bei der IHK kann man sich darüber informieren. Eine Beratung bei einem seriösen Schlüsseldienst gibt darüber auch Infos.
- Und mein allerletzter Tipp: Nehmt immer einen Schlüssel mit! 
Und schaut ne Runde "The Good Wife". Was die Alicia immer für schöne Kleider hat!

1 Kommentar:

  1. Danke.
    Ich hatte bisher immer gedacht, diese Beträge über 200€ muß man einfach zahlen.
    Jetzt weiß ich es besser.
    Und: Nicht nur Goodwife bildet. Auch Bloglesen!
    Liebe Grüße
    Suse

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