Montag, 3. November 2014

Was zählt, ist die Bewegung

In unserer Familie wird Sport groß geschrieben. Im Rest des Landes auch. Der Duden schreibt das ja so vor. Aber hier meinen wir das eben auch im übertragenen Sinne. Bildungsbürger eben. Vielleicht fehlte mir aber auch einfach die passende Einleitung. 

Auf jeden Fall bedeutet Sport groß schreiben bei uns weniger andere dabei zu beobachten, wie sie Sport machen, als vielmehr selbst aktiv zu werden. Ich bin dabei am liebsten mit meinem großen Mund aktiv. Denn ich habe Sport am liebsten gemacht. Liegt er noch vor mir, greife ich sehr gern auf ein prall gefülltes Vermeidungsstrategiearchiv zurück. Einige Beispiele hier:
- ich habe Kopfschmerzen
- mein Rücken tut weh
- ich bekomme meine Tage
- ich glaube, ich bekomme meine Tage
- ich habe meine Tage
- ich hatte meine Tage usw. (das ist einfach ein schönes Argument)
- ich habe noch zu tun
- ich muss die Küche noch aufräumen
- es ist zu kalt
- es ist zu warm
- ich muss noch korrigieren (das ist meine Lieblingsausrede für alles, aber leider seit nunmehr einem Jahr angestaubt)
- ich habe so einen komischen Husten
- dieser Schnupfen...., dieser furchtbare Schnupfen
- mein Hals, der kratzt...nicht dass ich krank werde
- ich habe zuviel gegessen
- ich habe zu wenig gegessen
- ich habe gerade Kaffee getrunken
- ich hab noch keinen Kaffee getrunken
- ich muss noch abwaschen

Ich denke der Beispiele waren jetzt genug (zuviele). Ich habe Sport eben gerne hinter mir anstatt vor mir. Das Gefühl hinterher ist einfach viel besser. Vorher ist da nur dieses diffuse "ich habe schon lange nicht mehr auf unserer Couch gesessen"- Gefühl.

Aus diesem Grund bin ich auch sehr froh, dass ich einen Mann geheiratet habe, der keine, aber auch keine einzige der oben genannten Ausreden für voll nimmt. Den ich nicht veräppeln kann. Der bei jedem einzelnen meiner Versuche bereit ist, die ganze Liste mit mir durchzugehen, um mich dann doch um den Block zu jagen. Das ist meistens ok, manchmal fies, ganz oft sogar unerträglich, aber eben nur vorher. Hinterher bin ich in 99% der Fälle froh. Und das eine Prozent ist nur der klägliche Rest meines inneren Schweinehundes, den ich selbst nicht leiden kann. Warum ich den ganzen Quatsch erzähle? Weil sich Geschichte wiederholt.


Gestern saßen wir hier alle auf dem Sofa und schauten unserer kleinen A dabei zu, wie sie ihre ersten, aber wirklich allerersten Fortbewegungsversuche nach vorne machte (bisher hat sie sich nur hin- und hergerollt) Sie ist in zwei Wochen 10 Monate alt und ist, nun, sagen wir es mal so, noch gemütlicher als ihre beiden Brüder. Dieses Kind ist ein Sonnenschein ohnegleichen. Sie lacht und strahlt und ist zufrieden, sobald einer der beiden in der Gegend ist oder sie einfach die Nähe ihrer Familie spürt. Dem ganzen Kind ist anzumerken, wie zufrieden sie mit der Gesamtsituation bisher war. Alle sind da. Wozu da bewegen?
Nun, es war auch hier der Papa, der dem ganzen gestern ein Ende setzte und ihren inneren Schweinehund herausforderte. Ein kleines Holzbrett, drei Zuschauer auf dem Sofa und fertig war die open training session. Das Ergebnis: Kind A robbt sich jetzt nach vorn. Ob sie selbst einfach keine Ausrede mehr hatte oder ob der Einfluss des Familientrainers eine Rolle gespielt hat, wir werden es wohl nie erfahren. Das ist aber auch nicht wichtig. Was zählt, ist die Bewegung.


1 Kommentar:

  1. :-) Diese Ausreden kenne ich nur zu gut...Bei uns ist es ganz ähnlich. Ich habe meinem Mann sogar den offiziellen Auftrag erteilt, mir einmal die Woche in den Arsch zu treten (wir haben jetzt ein Fitnessstudio im Haus, der "Aufwand" hält sich also in Grenzen und meine Ausreden werden immer unglaubwürdiger :-p ). Meine Kinder kommen da auch ganz nach mir: Lieber unter die Decke kuscheln und ein Buch lesen als rausgehen (vor allem, wenn die Sonne nicht scheint). Wenn ich sie nötige, auf den Spielplatz zu gehen, gefällt es ihnen natürlich immer doch, sobald wir erstmal dort sind. Manchmal habe ich das Gefühl, der Schweinehund wächst mit uns und je älter die Kinder werden, umso schwieriger wird es auch, ihn zu bekämpfen ;-). Ich drück' dir auf jeden Fall die Daumen, dass sich eure Kleine weiterhin so leicht aus der Reserve locken lässt ;-)...

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