Donnerstag, 30. Oktober 2014

Eine große Welle

Es wird Zeit für ein kleines Update in Sachen beruflicher Wiedereinstieg. Der letzte Stand ist hier nachzulesen. Seitdem hat sich nichts getan, aber eine Menge verändert. Die Blockade habe ich gelöst, indem ich einfach aufgehört habe, mich sinnlos im Kreis zu drehen. Ich lasse nun die Dinge einfach auf mich zurollen und nehme sie so, wie sie kommen. Das habe ich bisher mit vielen Dingen so gemacht und bin eigentlich immer gut damit gefahren. Was heißt das konkret?

In erster Linie heißt es, dass ich vorerst nicht umziehen werde. Man kann mir nicht vorhalten, ich hätte es nicht versucht.
Ich habe wochenlang mit der Wohnungssuche verbracht. 
Habe mir Wohnungen angeschaut, bei denen mir der Vermieter wegen des belastenden Eigentums leidtat.
Ich habe eine Anzeige aufgegeben, auf die niemand reagiert hat.
Ich habe Gespräche mit Immobilienmaklern geführt, bei denen mein Einkommen, mein Privatleben, mein Beruf und der Beruf meines Manns regelmäßig im Detail besprochen und in Frage gestellt wurden. 
Es haben Makler nicht zurückgerufen, aufgelegt oder angefangen Ausreden herumzustammeln, wenn ich gesagt habe, dass ich drei Kinder habe. 
Ich habe die Dollarzeichen in den Augen der Makler sehen können, wenn ich sagte, dass ich Beamtin sei und mein Mann Ingenieur. 
Ich bin während der ganzen Zeit nicht einmal, nicht ein einziges Mal kompetent bei der Wohnungssuche beraten worden, auch wenn jedes Mal ich diejenige sein sollte, die für den Dienst bezahlen sollte.
Ich habe zwei Maklern nach zweitklassiger Behandlung aufgrund der Kinder schriftlich mitgeteilt, dass sie mich mal kreuzweise können und werde nun auf die Zusammenarbeit mit diesen Büros wohl verzichten müssen. 
Ich habe mir Wohnungen mit Kaltmieten von 1300 Euro angeschaut. Meiner Meinung nach völlig jenseits von .... von allem einfach.
Ich habe feststellen müssen, dass der Wohnungsmarkt in der Gegend meiner (ja leider immernoch nur eventuell neuen) Schule genauso angespannt ist, wie da, wo wir jetzt wohnen. Hier suche ich immerhin schon ein Jahr lang. 
Ich habe mit Kitas telefoniert, die statt richtiger leider nur Plätze auf der Warteliste haben. 
Ich habe versucht, mich damit abzufinden, dass ein Umzug zum jetzigen Zeitpunkt 10.000 Euro kosten würde aufgrund der Wohnungssituation und der Dringlichkeit, aber das verursachte mir Bauchschmerzen. Denn ich hab dieses Geld nicht. 
Und ich habe versucht, diese Bauchschmerzen wegzudrücken und mich weiter gekümmert, gekümmert und gekümmert.

Irgendwann auf diesem Weg habe ich gemerkt, dass es keinen Sinn hat. All diese Mühen für eine wahrscheinliche Versetzung. Eine Versetzung, die so unsicher ist wie das Ausbleiben des nächsten Trotzanfalls eines meiner Kinder. All diese Mühen vergeblich, weil sich keine echte Lösung finden ließ, die Sinn macht. Für mich und für meine Familie. Und dann dieses Gefühl, dass ich da gar nicht hin will. Dass ich Heimat schaffen will und dass ich das da nicht schaffen kann. 
Als junge Frau war ich einmal zum Studientag in Hildesheim. Ich lief einen Tag durch die Stadt. Am Abend wusste ich, ich könnte dort nicht leben. Alles in mir sträubte sich dagegen. Trotz des einmaligen Studienangebots. So geht es mir mit dieser Stadt. Ich hab dennoch versucht, mich mit dem Gedanken anzufreunden. Aber ich muss mir eingestehen, dass der Versuch gescheitert ist.

Ich habe nun aufgehört, Wohnungen zu suchen. Ich habe aufgehört, den Umzug zu planen. Und ich habe das Thema einfach vom Tisch gefegt. Verdrängung vielleicht. Aber mir geht es damit gut. Sollte es bei dieser Schule bleiben, werde ich fahren müssen. 80 km einfache Strecke. Bleibt es dabei nicht, muss ich neu nachdenken. Bis dahin genieße ich den Rest meiner Elternzeit und lasse den Rest einfach auf mich zukommen. Auch wenn es eine große Welle ist, die da rollt.

Kommentare:

  1. Ich beglückwünsche Dich, Heike! Und wünsche Dir eine genussvolle Rest-Elternzeit. Das findet sich alles. Sonnige Grüße, Rike

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  2. Manchmal hilft loslassen damit etwas neues entstehen kann. Und mit Kindern haben wir ja auch irgendwie gelernt flexibel zu bleiben.
    Ich glaub ganz fest daran das am Ende alles gut wird!
    Ich drücke euch ganz fest die Daumen!

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  3. Ich drück die Daumen, dass sich alles finden wird!!

    ICH hab ja in Hildesheim studiert und gelebt. Tolle Uni. So schlimm ist es da gar nicht ;-)

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