Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die Musik und ich

Seit unserer letzten längeren Autofahrt als Familie (drei Kindersitze mit Kindern auf dem Rücksitz - kein Spaß, sage ich euch!) sind die Jungs heiß auf Musik. Zur Erklärung: Wir hören zu Hause selten bis nie Musik. Wie das kommt? Das weiß ich gar nicht so genau und ich finde das auch nicht besonders hervorhebenswert. Aber manche Dinge sind eben so wie sie sind. 

Als junges Mädchen hab ich Querflöte gespielt. Ich war viel tanzen und da ich mit dem Walkman und dann auch Discman groß wurde, habe ich auch viel Musik gehört. Vor allem unterwegs. Zum Beispiel kann ich mich noch an den Sommer 1994 erinnern, als ich auf meiner zweiten Sprachreise Music for the Jilted Generation rauf und runter hörte. Wenn ich dieses Album höre, dann habe ich noch heute den Geschmack des Orangensaftersatzes meiner Gastfamilie auf den Lippen, den Geruch frisch gemähten englischen Rasens in der Nase und den goldenen Sandstrand Margates vor Augen. 

Ich kann mich auch noch genau erinnern, wie ich während meines Austauschjahrs in den USA das erste Mal "In der Halle des Bergkönigs" hörte und völlig überfordert war mit der Herausforderung Teil eines Orchesters zu sein und gleichzeitig völlig geflasht von den gewaltigen Emotionen, die Musik hervorruft, wenn man sie selbst macht.

Durch mein Studium begleitete mich vor allem Coldplay, Wir sind Helden und die ersten nostalgischen 80er CDs. Und dann irgendwann kam ein Bruch. CD's kaufen war out. Downloaden war illegal. Bezahlt downloaden machten nur Honks und im Radio kam für mich gefühlt nur noch Werbung. Da hörte ich auf, Musik zu hören. Eigentlich ne traurige Sache, das. Aber die meiste Zeit fing Musik irgendwann an, mich zu stören. 
Wenn ich zum Beispiel etwas anderes mache und die Musik nebenbei läuft, dann bin ich entweder schnell von der Geräuschkulisse überfordert oder aber die Musik lenkt mich zu sehr ab. Das Problem? Ich mache eigentlich immer was. Der einzige Ort, an dem ich noch regelmäßig Musik höre, ist das Auto. Zur Zeit ist das also eigentlich nur am Wochenende, wenn ich den Wochenendeinkauf erledige oder wenn wir mal wieder auf Reisen sind. (Oder ich auf Wohnungssuche in anderen Städten, aber das ist ja erstmal auf Eis gelegt.)

So wie neulich. Da holte mein Mann im Auto seine Songliste raus und spielte plötzlich das hier:


Und danach dann das:



Alles beides nicht die ganz großen Sterne am Musikhimmel. Auch wenn ich sagen muss, dass es trotz allörtlicher Dauerbeschallung im ersten Anlauf nicht gelungen ist, mir Gangnam Style zu verleiden und das zweite, ein klassisches Kindergeburtstagslied auf ungarisch, das muss man einfach lieben. 

Nun verhält es sich aber so, dass ich seit dieser Autofahrt, bei der drei Kinder auf der Rückbank und zwei Erwachsene auf den Vordersitzen Psy's moves imitierten und das in Dauerschleife so etwa 100 km lang, hier am liebsten zu jeder Tages- und Nachtzeit Gangnam Style laufen lassen soll. Inzwischen ertappe ich Kind P dabei, wie es komische Lieder singt, die ich nicht verstehe und habe die Vermutung, dass er sich im Koreanischen versucht. Beide Jungs können mittlerweile auf dem Globus Korea verorten, aber haben mit Deutschland ihre Schwierigkeiten und tippen immerzu auf die Ukraine oder Russland. Und wenn sie tatsächlich mal ein bisschen Lust auf Abwechslung haben, dann läuft hier Boldog születésnapot von Halász Judit. Dazu muss ich aber glücklicherweise nicht tanzen. Das singen sie selbst und rufen nur immer dazwischen: "Mama du nicht! Mama nicht singen! Das mach ich alleine!"

Ob wir so meinen Musikhörgewohnheiten auf die Sprünge helfen? Ich bin mir nicht sicher.


Kommentare:

  1. sie liegen nicht so falsch. die ukraine und teilweise auch russland waren einmal deutschland. und umgekehrt.

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  2. geht mir hier auch so. es ist so geräuschvoll, da vermeide ich Musik. allerdings habe ich das vorher auch schon so gemacht. Musik weckt Emotionen und meine Seele ist da irgendwie ein Resonanzboden, der zu tief ist.

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  3. Guten Morgen!
    Wir hören nur ab und zu Musik. Mal Radio, mal Kinderlieder. Ich habe Zwillinge (sie sind 26 Monate alt) und da ist der Geräuschpegel teilweise enorm. Aber das brauche ich dir ja nicht zu sagen :o). Silas ist sehr musikalisch und wippt immer mit dem Kopf mit. Er liebt Peter Maffays "Wer liebt". Manchmal müssen wir es in Dauerschleife hören.
    Liebe Grüße, Iris

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