Samstag, 11. Oktober 2014

Blockiert

Ich bin blockiert. So richtig. Wenn ich eins nicht ausstehen kann, dann ist es, nicht genau zu wissen, wie es weitergeht.

Ich hatte eine Menge Pläne. Davon realisiere ich gerade null. Und sie liegen auch gar nicht mehr an vorderster Stelle auf dem Schreibtisch, weil ich mich gerade nur im Kreis drehe. Das klingt vielleicht ein wenig dramatisch, aber so empfinde ich das. 

Ich hatte eine Idee. Und wollte sie optimistisch angehen und nach kurzer Zeit ist mein Optimismus hinüber. Warum? Weil immer alles gleich klappen muss? Oder weil ich zu ungeduldig bin? Oder zu nervös? Oder zu was weiß ich?
Ja. Das alles. Und noch mehr.

Die Idee war, bis Februar umzuziehen, an den Ort mit der Schule, an der ich im September anfangen sollte. Ich schrieb darüber. Und dann im Februar dort anzufangen. Die Schule würde mich anfordern. Darüber habe ich nichts Schriftliches. Eine mündliche Zusage. Und die Aussage, dass es keine Garantie gäbe, dass ich dort anfangen kann, es aber doch sehr wahrscheinlich ist. Ich war anfangs wahnsinnig optimistisch und habe mich gefreut. Eine Lösung in Sicht und endlich ein Plan! Je länger ich an der Umsetzung arbeite, desto intensiver bröckelt er.

Von allen Seiten höre ich, dass ich mich nicht auf mündliche Zusagen und Versprechen verlassen soll. Dass ich Druck machen soll (nur wie? Und wem? Im Ministerium, sagt man. Genau dort, wo ich gar keinen Druck machen darf. Ich schrieb auch darüber). Dass ich auf keinen Fall umziehen soll, bevor es nicht hundertprozentig sicher ist. (Das ist übrigens Mitte Januar, da kann ich dann gar nicht nicht mehr umziehen. Das ist rein technisch nicht möglich.) Ich finde keinen Wohnraum, der bezahlbar ist und ausreicht für meine drei Kinder. Ich brauche 5 Zimmer. Wenn ich schon umziehen muss, dann doch bitte nicht wieder in drei Zimmer. Ich muss zu Hause arbeiten können und brauche auch dafür eigentlich ein Zimmer. Das habe ich mir schon völlig abgeschminkt und suche nach allem, was irgendwie vier Räume hat. Aber auch davon gibt es nicht viel.

Ich habe auch bisher keine Kitaplätze gefunden. Ein Haus auf dem Land in der Umgebung, das schien die Lösung. Aber davon gibt es nicht viele. Und dann habe ich Angst. Aus Häusern lässt sich der Mieter viel leichter loswerden als aus Wohnungen. Und da ist oft noch mehr gespart worden bei Dämmung und Baumaterialien. Ich wohne derzeit mit Schimmel. Ich träume von einer Wohnung ohne. Es gibt davon nicht viele.
Manche Wohnungen tun so als ob. Bis du dann eingezogen bist. Das will ich nicht.

Dazu kommt, dass ich traurig bin, hier wegzumüssen. Ich bin gerade erst richtig angekommen. Ich habe auch hier kein stabiles soziales Netz, aber ich habe immerhin ein bis zwei Leute, die ich im Notfall anrufen kann. Bisher gab es keinen Notfall, seit ich mit den Kindern allein bin. Aber das war nur Zufall. In zwei Wochen steht hier eine OP ins Haus. Da bin ich gespannt, wie ich das löse. Nach einem Umzug, noch dazu aufs Land, fange ich wieder komplett von vorne an. 
Außerdem kann ich mich mit dem Gedanken in einer Kleinstadt zu wohnen nicht so richtig anfreunden. Auf dem Dorf noch viel weniger. Budapest ist meine Größenordnung. 
Der Mensch ist anpassungsfähig. Aber ich habe Angst. Es sind vielleicht Kleinigkeiten, aber ich gehe immer in den gleichen Supermarkt. Es irritiert mich schon, wenn da die Zwiebeln mal woanders liegen. Ich habe lange gebraucht, um mit den Kinderärzten warm zu werden, die ich hier habe, also um mich nicht jedes Mal nach dem Besuch zu entnerven. Ich weiß inzwischen, wo es guten Döner gibt, und welche Schwimmbäder mit Kleinkindern und auch sonst, einfach unbrauchbar sind. Ich weiß, bei welchem Bäcker die Brötchen auch am nächsten Tag noch schmecken und ich weiß, an welchen Stellen in der Stadt man keinen Parkplatz bekommt. Ich bin wohl ein Gewohnheitstier geworden. Vielleicht ist es auch nur dieses Tier in mir, das sich sträubt. Aber eigentlich glaube ich das nicht. Was da von mir erwartet wird, scheint einfach zuviel. Nur für mich, sagen manche. Denn Mobilität, Flexibilität, das gehört doch heute dazu. Warum stelle ich mich so an? Vielleicht ist es das. Vielleicht stelle ich mich tatsächlich nur an. Das sage ich mir manchmal und dann gehts wieder. Aber ausgeglichen ist anders.

Heute schauen wir ein Haus auf dem Dorf an. Eigentlich will ich das gar nicht richtig sehen.

Kommentare:

  1. Nein, du stellst dich überhaupt nicht an.
    Du trägst Verantwortung für dich und deine Kinder. Und da gibt es meiner Meinung nach nichts wichtigeres als das Zuhause. Ich hatte hier schon Bedenken, weil wir im Ort umgezogen sind. Und hab die auch jetzt noch , weil die Nachbarn über uns jeden Abend bis spät herumtoben.

    Bei dir geht es gerade um wichtige Entscheidungen. Da kann einem zu Recht Angst und Bibberbange werden.

    Aber:Ob eine Wohnung für euch passt, wirst du spüren. Egal wo sie ist. Und das gibt dann unglaublich Aufwind. Weil man sich drauf freut, es sich dort schon zu machen.

    Lass dich nicht unterkriegen. Aber lass dir auch nicht eintrden, dass du dich nicht so anstellen sollst. Die Aufgabe ist groß bereits schaffbar.

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  2. Du stellst dich an? Es gibt tatsächlich Leute, die dir so etwas - ins Gesicht?!? - sagen? Ich bin wieder einmal sprachlos.

    Nein, du stellst dich nicht an! Du hast drei Kinder und willst wieder arbeiten und tust viel, um das zu verwirklichen. Aber zumutbar muss das Ganze schon bleiben, für dich und deine Kinder.

    Ich staune, dass du nicht nur darüber nachdenkst, sondern auch noch aktiv wirst, um nach diesem Strohhalm zu greifen, der dir da hingehalten wurde. Und ich könnte vor Wur platzen über die Arroganz, mit der dir diese Angebote gemacht wurden. Das ist eine bodenlose Unverschämtheit und dass du tatsächlich über einen Umzug nachdenkst, nach Wohnungen und Kita-Plätzen suchst, zeigt doch deinen Willen, dort zu arbeiten. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wie ich mich in einer ähnlichen Situation fühlen würde...

    Ich wünsche dir, dass du heute in ein Haus kommst, das genau für euch passt und geradezu nach euch ruft und dass du dann auch in die Schule kommst, für die du das ganze auf dich nimmst.

    Liebe Grüße,
    Frau Pappelheim

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  3. Ich denke nicht, dass du dich anstellst. Gerade mit Kindern kann man sich nicht mal gerade flexibel umstellen.

    Blöd ist, dass du von der neuen Schule noch nichts weißt. Ich kann mir vorstellen, dass dir das die größte Unsicherheit gibt. Ging mir vor 2 Jahren ähnlich (allerdings ohne Kinder). Für die da oben ist man nur eine Nummer, die hin und her geschoben wird.

    Hatte damals meine Freistellung vom Bundesland bis Ende November, um mich schulscharf bewerben zu können. Doch die Bewerbungsgespräche waren erst Anfang bis Mitte Dezember. Stress ohne Ende.

    Vielleicht gibt es die Möglichkeit eines Übergangsdomizils (ich weiß mit Kindern nicht so einfach) d.h. einen Ort, wo ihr vorübergehend wohnen könnt, bis ihr eine passende Wohnung gefunden habt.

    Gebe meinem Vorredner Recht.Man spürt es einfach, welche die richtige Wohnung/das richtige Haus ist. Wie wohnen jetzt in einer Doppelhaushälfte ohne Schimmel und Dämmprobleme. Ich denke das Schimmelproblem hat man in Häusern weniger. Zumindest das menschenverschuldete.

    Ich wünsche Dir viel Kraft für das, was ist und das, was noch kommen wird.

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  4. Liebe Heike!

    Du stellst Dich nicht an. Meine Güte, drei Kinder und das unter der Woche alles alleine zu machen ist schon Kraftakt genug, aber auch noch eine neue Bleibe zu finden, die einem gefällt, die man aber eigentlich gar nicht will.... Ist doch klar, dass Dir das über den Kopf wächst. Ich kann das so nachvollziehen, was du meinst mit deinem Umfeld. Mir ging es auch so. Ich war in unserer alten Wohnung gerade angekommen, da "mussten" wir wieder umziehen. Wir wohnen jetzt ein Jahr hier und gaaanz langsam komme ich an. Das braucht Zeit.

    Ich weiß auch nicht, was man Dir raten kann oder ob Du überhaupt einen Rat möchtest. Gibt es denn gaaaar keine andere Möglichkeit? Aber eine neue Wohnung muss ja wegen des Schimmels und der wenigen Zimmer wohl her... Ich wünsche Dir, dass sich eine Lösung findet, mit der Du Dich wohl fühlst! Bis dahin, pass auf Dich auf! (( ))

    Liebe Grüße,
    Marisa

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    1. Es gibt eigentlich ganz viele Möglichkeiten. Sie sind nur alle so furchtbar kompliziert und so unsicher. Diese Unsicherheit lähmt mich irgendwie. Danke für die lieben Worte.

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  5. Ich habe mehrmals am eigenen Leib erfahren, wie es ist, am falschen Ort zu wohnen. Das geht voll nach hinten los.

    Der Wohnort ist für eine Familie entscheidend. Die Infrastruktur, das Heim... Wenn es nicht passt, man zu viele Kompromisse auf einmal machen muss, wird das Auswirkungen haben.

    Ich drücke Dir die Daumen für eine gute Lösung!

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    1. So empfinde ich das auch. Bisher waren die Kinder sehr klein und die Möglichkeiten eingeschränkt. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich mich einfach nicht auf alles einlassen kann und soll. Danke!

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  6. Nein, Du stellte Dich nicht an. Es ist einfach eine schlimme Situation. Die ganze Unsicherheit macht einen doch fertig. Ich drücke die Daumen, dass sich bald eine gute Lösung für Euch findet!!!
    Liebe Grüße,
    Steffi

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  7. Ach Mensch, irgendwie klingt das wirklich blockiert. War wenigstens das Haus nicht ein ganz solcher Reinfall wie alle Wohnungen zuvor? Ich wünsche dir und euch, dass ihr irgendwo ankommen könnt, wo sich alle wohlfühlen. Hier ist es aktuell die Kleinstadt, und es geht eigentlich, weil ich eine Nische habe aus anderen "Zugezogenen" und netten "Eingeborenen", gänzlich ohne Schützenverein und Landfrauenbund. Das Gute: die Infrastruktur überfordert nicht und ist innerhalb einer Woche verinnerlicht ;-) ...

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