Mittwoch, 8. Oktober 2014

Auf Wohnungssuche

Kommt der Prophet nicht zum Berg und so weiter. Auf jeden Fall bin ich nun auf Wohnungs- statt auf Stellensuche. Darin bin ich ja schon geübt. Suche ja immerhin schon seit einem Jahr. Jetzt eben woanders. Die viele Übung hilft mir leider scheinbar nicht weiter. 
Ich bekomme viele Tipps: Anzeigenblätter studieren! Bloß keine Makler! Anzeigen aufgeben! Zettel aufhängen! Augen offen halten. Ich beherzige sie alle. Vor allem die mit den Augen. Meine Augen sind so offen. Ich krieg sie mittlerweile nachts kaum zu.

Ja, ich hab Ansprüche an eine Wohnung. Ich habe schon in vielen Wohnungen gewohnt und weiß daher genau, was ich nicht will. Ganz oben auf der Liste steht: Ich möchte keinen Schimmel in meiner Wohnung. Das scheint ein angemessener Wunsch zu sein, ist aber gar nicht so einfach. Denn Wohnungen werden gerade in Ballungsgebieten gerne zügig und billig aus dem Boden gestampft. Da wird an der Dämmung gespart, da planen Leute, deren Kopf voller Visionen und Träume ist, die aber keine Ahnung haben, an welche Stelle Heizkörper in die Wohnung gehören, damit sie gut belüftet werden kann und dass man sich bei großen Fensterfronten über Ecken totheizen kann, bevor es da warm wird. Und dass man Badezimmer, wenn man sie schon ohne Fenster plant, nicht in die letzte Kuschelecke der Wohnung baut, damit auch ja nie frische Luft hineinströmt. Und so wohne ich auch derzeit in einer kuscheligen Wohnung auf 73 qm mit drei Kindern und einem Pilz. Das ist nicht gut, ich weiß das. Bevor mir das jemand sagen will. Der Winter steht bevor und da wird er wieder kommen, unser Mitbewohner. Ich wäre gerne weg, bevor das geschieht. Und seit neuestem habe ich ja auch Termindruck.

Ein weiterer Wunsch für meine Wohnung: Ich hätte gerne Zimmer. Schlafzimmer, Wohnzimmer, Kinderzimmer. Sowas. Gar nicht so einfach. Denn hier kommen wieder die Leute mit den Visionen ins Spiel. Die träumen von großen, offenen Wohnungen. Nun ich bin offen für vieles. In Wirklichkeit bin ich so offen, dass ich inzwischen auf eine Badezimmertür verzichten könnte. Die steht hier eh immer offen rum. Aber ich brauche Zimmer mit Türen. Ich brauche etwas, das sich Flur nennt. Einen Raum, in dem ich die Kinder nach dem Spielplatz in aller Ruhe nackig machen kann, damit der Sandkasten nicht im Wohnzimmer landet. Ich brauche eine Küche, aus der ich nicht immer rausrennen muss, um nach den Kindern zu sehen oder weil ich keine Luft mehr bekomme, weil sie so klein ist. Ich brauche ein Kinderzimmer mit Tür, die ich abends zumachen kann. Damit alle vor allen ein wenig Ruhe haben. 
Und was finde ich? Wohnungen mit Ankleiden so groß wie mein Wohnzimmer und Wohnungen ohne Kinderzimmer, aber mit Wohn-Essbereichen, die so groß sind, dass du dich beim Essen anschreien musst, um dich noch zu hören. 

Ein weiterer Wunsch: Ich brauche ein Bad mit Fenster. Das scheint der wohl komplizierteste Wunsch von allen zu sein. Aber darauf bestehe ich. Und weil ich darauf so bestehe, fallen rund 70 Prozent der Wohnungen raus. Und es sind häufig neu gebaute oder relativ neue, die deshalb rausfallen. Meinetwegen sollen sie fallen. Ich will sie nicht mehr sehen und hören, die verdreckten und abartig lauten Lüftungsapparate, die sich Leute ausdenken, die keine Ahnung haben, wie das ist, wenn du nachts auf den falschen Schalter drückst und dann im Schlafzimmer 20 Minuten die Lüftung rauschen hörst und deswegen nicht mehr einschlafen kannst.

Ach und was ich auch brauche: Menschen. Menschen, die Wohnraum vermitteln. Menschen, das schrieb ich neulich, erkennst du leicht: 

Und was finde ich? Leute, die in Begeisterungsstürme ausbrechen, wenn ich sage, dass ich Lehrerin bin und der Mann Ingenieur und die das Gespräch abbrechen, wenn ich sage, dass ich drei kleine Kinder habe. Makler, die mich trotz mehrmaliger Aufforderung tagelang nicht zurückrufen, weil sie liebe kinderlose Leute vermitteln. Leute, die 150 Quadratmeter Wohnung anbieten mit der Überschrift: Ideal für das Paar. Leute, die Häuser mit der Überschrift "Super für Singles" anbieten. Und noch viele andere....ähm, ich bleibe mal einfach bei Leute. Mit Kindern bist du auf dem Wohnungsmarkt so vermittelbar wie glücklich verheiratet auf der Singlebörse. Ach ne, warte, das soll sogar ganz gut gehen, hab ich gehört. 
Am Wochenende schaue ich mir ein Haus an, auf dem Land. 150 Quadratmeter. 4 Zimmer. Ich kann den Haken bis hierher schaukeln sehen. Der Wohn-Essbereich hat wahrscheinlich 85 qm. Immerhin gibt es im Dorf drei Kitaplätze und einen nahkauf. Die Mitgliedschaft im Schützenverein gibt's wahrscheinlich gratis oben drauf. 

Kommentare:

  1. oh, das kenne ich nur zu gut! wohnungs- oder haussuche ist wirklich ätzend und oftmals fragt man sich, wer die dinger eigentlich kauft bzw mietet. aber es scheinen sich ja immer abnehmer zu finden. wir hatten ja noch "entschärfte" bedingungen, als wir gesucht haben, waren nämlich nur kinderwunschig. somit mussten wir nur raum für den potentiellen nachwuchs einplanen, was schon schwierig genug war. oft gibt es nämlich durchaus kinderzimmer, die dann aber eher abstellkammern gleichen... wie auch immer, wir hatten letztlich glück. beim quasi täglichen check der einschlägigen portale (auch wir hatten zeitdruck) haben wir dann unser haus gefunden, sogar ohne makler. insofern drücke ich euch mal ganz fest die daumen, dass ihr auch glück habt und möglichst schnell etwas passendes findet!!!
    (anekdote am rande: unsere nachbarn, ein älteres ehepaar, wollte auch sein haus verkaufen. ein riesending, mit riesengrundstück. dummerweise verteilen sich die 170qm auf einen riesen wohn-/essbereich mit küchenecke, der das gesamte erdgeschoss einnimmt. im galeriemässigen obergeschoss ist dann schlafzimmer, bad und noch ein zimmer, dass man quasi nicht nutzen kann. das hat nämlich panoramaverglasung... und dann wurden da 6 doppelhaushälften vor gebaut, die alle da rein gucken können. komisch, dass sie keinen käufer gefunden haben... ;) jetzt wohnt der sohn mit seiner frau drin, natürlich kinderlos)

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  2. Ich wünsche Dir viel Glück bei der Suche! Wi haben genau so gewohnt, in der modernen Wohnung, deren halbe Wohnfläche durch das Wohnzimmer eingenommen war, die Küche so klein, dass man, wenn man die Spülmaschine aufmachte, nicht mehr an ihr vorbei gehen konnte, dafür ohne Fenster (wohin hätte man es auch bauen können?), mit dem fensterlosen Bad, im hintersten Winkel der Wohnung, durch dessen Lüftung man die Gespräche der Nachbarn belauschen konnte... Bei Auszug sagte man uns, dass wir nicht richtig gelüftet hätten, und dass die Schränke zur Schimmelvermeidung 12 m (!) von der Wand entfert hätten aufgestellt werden müssen...
    Nun haben wir ein altes Haus gekauft, dessen Heizkosten uns fast um den Verstand bringen, aber es ist schimmelfrei, da nicht luftdicht. Wir wollten halt nicht weiterhin in einer T*pperdose wohnen...
    LG Sabine

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  3. In so etwas haben wir vorher auch gewohnt - riesiger Wohnbereich, fuzzelkleine Kinderzimmer, alles offen, und bis in den hintersten Winkel der Wohnung roch man, was gerade gekocht wird. Architekten haben keine Kinder, oder jedenfalls keine, die Zimmer mit Türen brauchen. Architekten leben offenbar auch nicht in den Häusern, die sie bauen. Vermieter und Makler haben auch keine Kinder, oder jedenfalls keine, die mal gebadet werden müssen. Möglicherweise haben sie Goldfische. Same procedure übrigens, wenn man ein vernünftiges und bezahlbares Auto sucht, in das drei Kindersitze nebeneinander auf die Rückbank passen. "Nein, mit sooooo vielen Kindern müssen Sie schon einen Muttivan kaufen." Mittlerweile wohnen wir in einem Haus aus den 30ern mit Zimmern und Türen (total altmodisch, aber dafür auf unsere anachronistischen Bedürfnisse abgestimmt), fahren ein Auto eines namhaften rumänischen Autoherstellers (über das viele die Nase rümpfen, in das aber alle Kindersitze passen) und pfeifen auf den design-architektonischen Zeitgeist. Viel Erfolg für das Haus auf dem Land. Manchmal geht es auch ohne Schützenverein - vielleicht, wenn man stattdessen bei den Landfrauen ...? *duckundweg*

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