Mittwoch, 10. September 2014

Ich bin dann mal in der Küche

Nächste Woche beginnt hier die Schule. Ohne mich. Was für ein Gefühl das ist, bin ich gefragt worden. Ob ich eher traurig oder doch ein bisschen froh bin. Nun, von beidem ein bisschen.

Traurig bin ich, 
denn ich hätte gerne gearbeitet. Verdammt gern. An einer Schule, die mich braucht. Mit Schülern, die mich brauchen. Es scheint, als wäre ich dafür zur falschen Zeit am falschen Ort. Leider kann ich mit drei kleinen Kindern aber auch nicht mal eben an den nächsten Ort springen. Und so warte ich auf Februar, in der Hoffnung, dass es dann eine machbarere Stelle für mich gibt als diese hier.

Traurig bin ich auch, 
weil ich den Schulanfang mag. Die Ferien gehen zu Ende und ich habe mich trotz meiner drei Kinder (man höre und staune) gut erholt. Nicht körperlich, da möchte ich nicht lügen. Ich habe durchwachte Nächte, ich stille, ich habe wenig Zeit für Sport und schlafe wenig. Ständig. Aber seelisch. Und das ist schon mehr als die halbe Miete, jedenfalls für mein Gefühl. Ich habe auftanken können, mein Gleichgewicht wieder gefunden, habe endlich verarbeitet, dass wir hier nun fünf sind und dass ich wahnsinnig wenig bis überhaupt keine Zeit für mich haben werde in nächster Zeit und komm damit klar. Und wenn ich sie mal brauche, die Zeit für mich, dann nehme ich sie mir einfach, völlig ohne schlechtes Gewissen. Daher wäre so ein Schulanfang ein schönes Geschenk. Auch Arbeit verstehe ich als Zeit für mich. Ich liebe meine Arbeit.

Traurig bin ich auch, 
dass ich viele neue Kollegen_innen nicht kennen lernen werde. Und viele Schüler_innen ebensowenig.

Und ich bin traurig
dass mir nun niemand seine Ferienerlebnisse erzählen wird und dass ich sie nicht sehen werde, diese vielen ordentlich gepackten Schultaschen voll mit frischem, unbeschriebenem Papier, ebensowenig wie die vielen Schülergestalten, die so aufgeregt sind, dass wieder Schule ist, dass sie sich gar nicht auf den Unterricht konzentrieren können (das hält an bis kurz vor den nächsten Ferien

Ich bin traurig
dass ich nicht im Lehrerzimmer schnacken werde, dass ich  mich nicht an ebenselber Stelle über die neuen Bildungsreformen aufregen werde und auch keine Schüler_innen durch den Kakao ziehen werde - (sowas macht man nicht Mama!!)

Aber ich bin auch froh.
Ich bin nach dem ersten Schock nun doch auch froh, 
dass ich noch ein bisschen zu Hause bleiben kann. Im Gegensatz zu meiner ersten Elternzeit ist es diesmal so, dass Langeweile einfach nicht aufkommen will. Liegt vielleicht an der Masse der Kinder, die hier mittlerweile rumschwirrt.

Ich bin auch froh
dass ich noch nicht jeden Morgen die Kinder antreiben muss, weil ich in die Schule muss. Denn zur Zeit dauert es bis halb neun, bis ich fertig bin und wir stehen trotzdem um sechs auf und trödeln nicht wirklich. Drei Kinder unter vier brauchen einfach an jeder Ecke Unterstützung und sie fordern sie auch ein. Ob ich will oder nicht.

Auch bin ich froh
dass ich viel Zeit haben werde, ein bisschen Ordnung ins Chaos hier zu bringen, das in den letzten Monaten aufgelaufen ist. 

Und ich bin froh
dass ich die Zeit, in der alle Kinder in Betreuungseinrichtungen untergebracht sein werden, für mich nutzen kann. Ich werde Sport machen, lesen und ein paar Bildungslücken schließen. Eine Menge.

Mein Sohn ist übrigens auch froh, 
dass ich noch nicht wieder arbeite. Als ich ihm erzählte, dass er mit seinem Bruder bald zusammen im Kindergarten wäre und seine kleine Schwester in der Krippe, sagte er:

"Dann bist du ganz allein zu Haus, Mama! Dann kannst du Kuchen backen!"

Ich bin dann mal in der Küche.













1 Kommentar:

  1. Dieses Gefühl kenne ich gut. Besonders im ersten Lebensjahr meiner Kinder dachte ich immer mit einem weinenden und einem lachenden Auge an meine Kollegen, an meine Arbeit, an die Herausforderungen, die ich so sehr vermisste.
    Vermutlich hätte es dieses weinende neben dem lachenden Auge auch gegeben, wäre ich gleich wieder in den Beruf eingestiegen. Zurückblickend bin ich froh über meine Entscheidung.
    Ich wünsche dir, dass du bald diese Stelle bekommst, die mit deiner Familiensituation vereinbar ist.
    Liebe Grüße
    Paula

    AntwortenLöschen