Freitag, 19. September 2014

Für ein Wunschkind bis nach Indien

Wie weit würdest du gehen für ein Wunschkind? Diese Frage stellt sich Monsoon Baby, ein Film, der  Mittwoch im Ersten lief und den ich mir gestern im Stream angeschaut habe. 

Ein Film, der mich berührt hat, weil die Geschichte berührt. Ein Paar, das alles, was die heutige Reproduktionsmedizin ermöglicht, versucht hat, um eigene Kinder zu bekommen und scheitert. Und deshalb den Weg nach Indien geht, weil es seine letzte Chance in der Leihmutterschaft sieht. Shanti, eine Frau, die ihrem Sohn mit Hilfe des Geldes ein besseres Leben schenken will, soll das Wunschkind gebären, das in Ninas Bauch nicht wachsen will. Alle lassen sich darauf ein, aber es ist ein Kraftakt mit ungewissem Ausgang für alle. 

Den berührendsten Moment hatte der Film für mich als eine andere Leihmutter ein Kind für ein französisches Paar zur Welt bringt. Die Mutter bekommt das Kind. Das Paar freut sich - zugegebenermaßen etwas hölzern, aber vielleicht so gewollt. Die Leihmutter schaut ins Leere. Ich kann nur erahnen, wie sich das anfühlt. In Wirklichkeit kann ich nicht mal das. 

Was ich aber ganz gut kann, ist, mich in die Rolle der Eltern hineinzuversetzen. Drei Jahre hat es gedauert, bis ich das erste Mal schwanger wurde. Schwanger werden war für mich immer ganz einfach in der Theorie. Niemand verhütet und dann wird frau schwanger. So einfach war es für uns dann aber doch nicht. Nach anderthalb Jahren mit dieser Methode saßen wir deshalb in einer Reproduktionsklinik in Budapest und informierten uns. 
"Ein Jahr nicht schwanger werden, das heißt Unfruchtbarkeit.", hallte es in unseren Ohren. "Wir wissen nicht, wo das Problem liegt, aber wir können es herausfinden." Große Teile dieses Gesprächs, das weiß ich noch, nahm ich nicht wahr. Ich hörte nur Problem, unfruchtbar, künstliche Befruchtung, Hormonbehandlung. Diese Wörter klangen für mich hölzern und ich konnte mit ihnen nichts anfangen. Wir verließen die Klinik. Noch im Auto führten der Mann und ich ein langes Gespräch. Wir würden warten. Wir würden hoffen. Wir würden weiter versuchen.
Und wir hatten Glück. Es klappte. Und dann klappte es auf einmal so gut, dass wir plötzlich hier zu fünft sind und gar nicht genau wissen, wie das eigentlich passiert ist. Für dieses Glück bin ich sehr dankbar. Denn ich weiß nicht, welchen Weg wir gegangen wären. Bis nach Indien, soviel weiß ich allerdings, hätte uns der Weg nicht geführt. Auch deshalb war die Geschichte trotz teilweise sehr  hölzerner Schauspielerei sehr berührend. Denn den Wunsch kann ich so sehr nachvollziehen. 

1 Kommentar:

  1. Ich habe den Film auch gesehen.
    Besonders die Darstellung der Mutter, die keine Kinder bekommen kann, empfand ich als sehr echt und überzeugend.

    Das Ende wirkte etwas überladen und eben "worst case", zeigte für mich aber auch auf, was passieren KANN.

    Die Figur der indischen Ärztin war auch sehr spannend und ambivalent.

    Wirklich ein sehenswerter Film!

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