Freitag, 5. September 2014

Babyfüße oder die Frage, ob wir komplett sind

In weniger als fünf Monaten wird unser drittes Baby zum Kleinkind. Und ich schaue meiner kleinen Tochter schon jetzt manchmal ganz wehmütig auf die kleinen Füße und auf ihr Babynäschen und denke: Wirst du mein letztes eigenes Baby sein?


Ich nehme sie fester in den Arm, ich kuschele länger mit ihr, ich bleibe ganz oft einfach liegen, weil nichts so wichtig sein kann, wie mit dem eigenen Baby rumzukuscheln. Ich schaue sie verliebt an, knabbere an ihren Minifüßchen und entscheide sehr häufig am Tag, dass die einzig wirklich wichtige Entscheidung im gegebenen Augenblick die sein sollte, ob ich sie nun ordentlich durchkitzele oder lieber abknutsche. 

Komisch ist das. Ganz oft überlege ich, ob dieses Gefühl darauf basiert, dass ich spüre, dass sie mein letztes Baby sein wird. Dass ich schon jetzt wehmütig bin, weil eine Mutter den Wunsch nach einem Baby doch nie ganz verliert. Und weil aus allen Babys dennoch - ziemlich schnell sogar - Kinder werden. Und aus Kindern Erwachsene. Die Sehnsucht aber bleibt. Und die Erinnerung. Auch wenn die Babys plötzlich Abitur machen oder ihren Führerschein. Das spüre ich jetzt schon, obwohl ich noch mittendrin bin im Babyalltag. Ich habe durchwachte Nächte, ein weinerliches Baby, das Zähne bekommt und immer mal schmerzende Nippel, weil daran herumgekaut wird. Trotzdem genieß ich die Augenblicke, in denen ich mit meiner Tochter bin, als bestünde jeden Augenblick die Gefahr, ich müsste sie irgendwie abgeben. 

Rückblickend habe ich nun deshalb natürlich ein schlechtes Gewissen, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich das bei den beiden Jungs auch so empfunden habe. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass es tatsächlich drei Babys brauchte, um aus mir eine richtige Babyliebhaberin zu machen. Es gibt so einen dämlichen Spruch, dass man dem ersten Baby zu viel, dem zweiten zu wenig und dem dritten genau die richtige Menge an Aufmerksamkeit zukommen lässt. Ich empfinde das eher, als drehte ich das um. Genau richtig, zu wenig, zuviel. Vielleicht ist das ein Zeichen. Ich weiß nur noch nicht wofür.

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