Mittwoch, 23. Juli 2014

Das ist gefährlich, Mama!

Dies ist der dritte Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.


Frage 3: Waren Sie schon einmal in Lebensgefahr?


Also diese Frage ist ganz einfach. Nein, nicht wirklich. Ich habe als Jugendliche gerne Grenzen ausgetestet, aber ich hatte nie das Gefühl, dass mein Leben ernsthaft in Gefahr gewesen wäre. Die kindliche Phase, in der einem sämtliche Gefahren irgendwie egal sind, die hat bei mir nur etwas länger gedauert. So etwa bis zum 20. Lebensjahr. Glück gehabt. Oder eben einfach ganz normal.
Was Lebensgefahren angeht, bin ich trotzdem eine Expertin geworden. Und zwar am 17.11.2010. An diesem Tag wurde, genau 14 Minuten vor Mitternacht, mein erstes Kind geboren. Man sagt, wird ein Kind geboren, wird auch eine Mutter geboren. Nun, bei mir war das eher so: Mit dem Kind wurde eine Gefahrenexpertin geboren. 

Seit ich Kinder habe, wittere ich überall Gefahren. Ich habe dabei häufig schon fertige Szenarien im Kopf. In etwa so:
- Der Sohn läuft mit der Zahnbürste im Mund herum und fällt hin. Die Zahnbürste kommt hinten aus dem Kopf wieder raus. Das muss weh tun. Und sieht vor allem doof aus. Deshalb: Gefährlich!
- Der Sohn klettert die Rutsche rückwärts hoch und rutscht aus. Zwei Zähne futsch.  Kiefer entstellt. Darum: Gefährlich!
- Der Sohn kuschelt mit der Tochter. Zerquetscht sie. Nicht nur bisschen. Sondern komplett. Ganz gefährlich!
- Die Jungs beißen sich. Es entstehen Fleischwunden. Die Narben bleiben bis zur Pubertät. Aufgrund ihrer Narben werden sie gehänselt. Sie geben mir die Schuld. Sowas ist super gefährlich!
- Die Jungs rutschen in der Wanne aus. Zähne futsch. Überall Blut. Notaufnahme.  Deswegen müssen sie meistens bewegungslos sitzen, weil halt: Gefährlich!
- Meine Kleine isst einen Keks. Er bleibt ihr im Hals stecken und ich muss sie beatmen. Ich schaffe es nur mit Mühe und Not. Sie isst nie wieder Kekse. Und macht mir als Erwachsene Vorwürfe. Voll gefährlich.
- Der Sohn (welcher auch immer) hebt mein Baby aus dem Kinderwagen. Sie wird ihm zu schwer. Alle beide schlagen hin. Wir fahren in die Notaufnahme. Dort nehmen sie mir alle Kinder weg. Ein Beamter fährt mich nach Hause. Gefährlicher geht's nicht.

Ich könnte noch ein paar Beispiele aufzählen, aber ich will mich nicht langweilen. Fakt ist: Ich hab dauernd Angst. Und ich hasse das. Ich möchte gerne die lockere, coole Mutter sein, die mit ihren Jungs herumtobt, bis alle vergessen wo oben und unten ist. Stattdessen steh ich häufig daneben und höre mir zu, wie ich dauernd sage: „Pass auf!", „Das ist gefährlich!", „Vorsichtig!", „Achtung!" Ich sage diese Sätze häufig. So häufig, dass Kind P, der gerne den Erzieher mimt, inzwischen am liebsten Sätze sagt, die mit irgendwas anfangen und mit "....ist gefährlich" aufhören. Am Anfang war es nur die Straße. Und die Autos. Und die Herdplatte. Inzwischen ist es für ihn auch gefährlich, erst den linken und dann den rechten Schuh anzuziehen, die Milch ganz schnell auszutrinken und bei 30 Grad keine Socken anzuziehen. "Das ist gefährlich Mama! Ganz gefährlich!" höre ich dann. Und ich frage mich, woher er das hat.

Kommentare:

  1. Ich bin seit gestern Alleinerziehen. Heute hab ich deine Seite entdeckt. Und obwohl ich seit 24 Stunden nur geheult hab, konnte ich zum ersten Mal richtig lachen. Ich sehe da durchaus ein paar Parallelen. Hab dein Blog gleich gespeichert.

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    1. Das freut mich sehr, wenn ich ein Lachen bewirken konnte. Für alles andere: Alles Gute!
      Danke!

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