Montag, 30. Juni 2014

Man muss die Fahrt zum Teil des Urlaubs machen

Wir machen Urlaub. Wer Kinder hat, weiß, das fühlt sich nicht immer wie Urlaub an. 
Fühlt sich mehr so an, wie Dienstreise mit Sonderaufgaben. Das Schönste allerdings, wenn man Kleine Kinder hat, ist die Autofahrt zum Urlaubsort. Es gibt eigentlich nicht viele Dinge im Elternleben, die noch schöner sind, außer vielleicht ein Besuch beim Notarzt, weil das Kind einen Legostein verschluckt hat oder ein Elternabend im Kindergarten.

Wir sind am Samstag 575 km von Bayern in Richtung Norden gefahren. Genauere Spezifizierungen sind eigentlich nur für nicht-bayerische Leser nötig. Für alle anderen: Wir sind im Grunde nach Berlin gefahren. In Wirklichkeit eben in die Uckermark.
575 km. Eigentlich geht das ganz schnell. Bisher sind wir immer nachts gefahren. Das war super: Der Mann fuhr, die Kinder schliefen, ich wechselte Dösen und Aus-dem-Fenster-Starren miteinander ab und wir hielten nur einmal, allerhöchstens.

Diesmal fuhren wir am Tag. 4h vor Abfahrt waren wir nicht fertig mit Packen. Manche sagen, ich sei entspannt. Ich behaupte, das geht gar nicht anders. So halte ich meine Psyche gesund.

Statt um 9 Uhr, fuhren wir 10.45 Uhr los. Kind A war schon vor der Fahrt völlig im Eimer, denn es liefen lauter aufgeregte Hühner durch die Wohnung. Die Jungs immer „OMAAAA, OPAAA!!!" (Denn da fuhren wir hin). Ich immer „Runter vom SOFAAAA, Runter vom SOFAAA!!!"
Richtig unzufrieden wurde sie dann allerdings bei Abfahrt. Die ersten km half nichts. Kein Nuckel, kein Zureden. Kind M und Kind P halfen nicht nur nicht, sie fummelten auf der Rückbank solange an Kind A rum, bis sie den Grad der Unzufriedenheit immer eine Stufe höher stellte.

Bei km 90 mussten wir halten.  Essen. Brei und Stillen für Kind A. Pommes für die Jungs und die Erwachsenen. Weil es schnell gehen sollte. Anderthalb Stunden dauerte unser Schnell.
Bei km 110 km Pipihalt. Kind P trägt keine Windel - erst seit ein paar Wochen - und hat sich einen halben Liter Apfelschorle gegönnt. Nun. Kind A weint. Lieber nochmal stillen. 20 Minuten dauert der Pipihalt.
Danach war eine halbe Stunde Ruhe. Kind M schlief, Kind A schlief, Kind P schaute sich ein Buch an. Das war der friedlichste Teil der Fahrt. Danach ging es bergab. Kind A wurde geweckt. Kind P konnte nicht widerstehen, er musste dauernd mit seiner kleinen Schwester kuscheln. War ihm nicht kuschelig genug mit drei Kindersitzen auf der Rückbank. Wir machten noch zweimal Pipihalt. Kind M fing irgendwann an zu würgen und spuckte seine Brezel wieder aus. Kind P schmiss ein Buch aus dem Fenster, weil die Mama aus Versehen bei einem der Pipistops die Sicherung für die elektrischen Fensterheber ausgestellt hat. Nix passiert außer Buch weg und ne Menge Tränen. Danach war die Stimmung futsch. Und die Kilometerzahl schien zu wachsen. Außerdem ging es nur noch um Körperflüssigkeiten. Milch, Mageninhalt, Pipi. Abwechselnd. Ich trank keinen Schluck, um nicht wegen mir auch noch anhalten zu müssen.

Irgendwie kamen wir an. „Man muss die Fahrt zum Teil der Urlaubsreise machen," sagt der Opa. An der Umsetzung dieser Prämisse sind wir ganz knapp, aber nur ganz knapp vorbeigeschlittert.
Wir nutzen jetzt den Urlaub für zwei Dinge: um uns von der Fahrt zu erholen und um uns auf die bevorstehende Rückfahrt vorzubereiten. 

Kommentare:

  1. Niemand verpackt so lustig Katastrophen wie du! Trotzdem wäre ich momentan lieber ich als du...Ich freu mich trotzdem schon auf den Bericht von der Heimreise. Sonnige Grüße, Rike

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  2. Wir wohnen im Ruhrgebiet meine Schwiegereltern kurz vor der österreichischen Grenze... =800km... Auch wir machten die Fahrt zum Teil der Reise. Wir besorgten ns ein Heftchen von Tank und Rast, in dem die Raststätten mit Spielplätzen oder Spielecken beschrieben waren. Dann suchten wir alle 1-2 Stunden so eine Raststätte auf. Da wurde eine Kleinigkeit gegessen (ein Eis, oder auch mal etwas beim goldenen M, die erstens auch einen Spielplatz dabei haben und zweitens in unserem "Speiseplan" etwas ganz seltenes waren), es wurde gespielt und dann ging es weiter. Für die Fahrt hatten wir auch noch ein neues Spielzeug oder Buch dabei, das es etwa auf der Hälfte der Fahrt gab (spãter durften die Kinder sich auch mal eine Kinderzeitschrift aussuchen...). Alles in allem ein teurer Spaß, den wir in unsere Urlaubskasse einplanen mussten, und ein zeitraubender Spaß, je einen Tag für die Fahrerei. Aber wir kamen ziemlich entspannt an! Unsere Kinder empfanden diese Art der Fahrerei als Abenteuer (neuer Spielplatz, sich etwas aussuchen dürfen, ein kleines, neues Spielzeug...)
    Wir haben nur 2 Kinder, und unsere beiden sind 1 3/4 Jahre auseinander...
    Ansonsten: Viel Glück und starke Nerven für die Rückfahrt (und wenn's gar zu schlimm ist: Lasst Oma und Opa doch zu Euch kommen, irgendwann kommt die Zeit, dann können sie nicht mehr fahren, aber Ihr wieder...)
    LG Saskia

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  3. So langsam steigt das Panikgefühl, 700km mit unserem lautstarken Jüngsten werden sicher kein Spaß. Ich werde dann demnächst mal berichten.
    LG, Micha

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