Sonntag, 1. Juni 2014

Klappe halten und einfach zuhören!

Neulich hat Mama Mia auf ihrem Blog einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie schrieb, warum sie das Kinderhaben manchmal satt habe (hier geht's zum Beitrag). Sie hat dafür neben viel Verständnis - wie nicht anders zu erwarten war - auch ordentlich Feuer bekommen. Von „gelangweilter" Gattin war die Rede und von "Hausfrauenproblemen". Ich habe insbesondere die Diskussion auf Facebook verfolgt und mich zum wiederholten Male gefragt, warum Mütter eigentlich mit der Geburt eines Kindes einen Maulkorb bekommen, was Beschwerden und Kritikpunkte angeht. Und ich habe mich auch zum wiederholten Male gefragt, ob das für Männer eigentlich auch gilt, denn ganz im Gegensatz zu den Müttern haben die scheinbar eine ganz andere Erfahrung: So findet lempi auf ichbindeinvater.de zum Beispiel, dass er ständig jammere und das doch "irgendwie zum guten Ton gehöre" (hier zu seinem Beitrag). Für Mütter, so meine persönliche Erfahrung, ist Jammern jedoch immernoch ein Tabu.


Es ist, als hätte man mit dem Beginn des Mutterdaseins einen Vertrag unterschrieben, in dem Beschwerden über die eigene Lebenssituation und das Leben mit Kindern als vertragswidriges Verhalten festgehalten sind. Kommt es dennoch einmal zu einem solchen Vertragsbruch, ist die Abmahnung nicht mehr weit. Und so bekam Mama Mia beinahe die ganze Palette an Erwiderungen serviert, die in diesem Zusammenhang so gängig ist. Hier mal eine Zusammenstellung, die nur unwesentlich über das hinausgeht, was sie sich anhören durfte:
- Hast es dir ja so ausgesucht.
- Dir ist wohl zu langweilig.
- Spielt dein Mann nicht mit dir?
- Hättest ja keine Kinder bekommen müssen.
- Hättest ja nicht so lange zu Hause bleiben müssen. 
- Musste halt besser planen.
- Wenn du keine anderen Sorgen hast.
- Dir geht's viel zu gut.
- Geh mal auf eine Krebsstation und schau dir Menschen an, denen es wirklich schlecht geht. (meiner Meinung nach das wohl unsinnigste Argument in diesem Zusammenhang)

Ich fand das schlimm. Und ich finde das schlimm. Ich für meinen Teil beschwere mich selten und nur bei ganz ausgewählten Menschen über Alltagsprobleme oder Schwierigkeiten mit den Kindern, genau aus diesem Grund. Ich habe keine Lust auf diese Art befeuert zu werden, dass jeder seines Glückes Schmied ist und ich eben Pech- statt Goldmarie heiße. Aber der Post sprach mir aus dem Herzen und ich freue mich solche Texte lesen zu können und lesen zu dürfen. Ich weiß, dass sie ihre Kinder nicht satt hat, dass sie nur ab und zu mal Dampf ablassen muss, damit sie weitermachen kann. Weil ich selbst Kinder habe und es mir manchmal genauso ergeht. Und ich kann es noch nicht mal kritikwürdig finden, dass sie das im Internet tut. Denn dort hat sie die Möglichkeit ganz viel Zuspruch von Menschen zu bekommen, die in ähnlichen Situationen sind, wie sie. Zum Glück hat sie das auch. 

Das Argument, dass Jammern in den meisten Fällen nicht viel bringt, finde ich durchaus plausibel und verstehe Menschen, die mit einem Hinweis darauf reagieren. Aber man darf nicht vergessen, dass Mütter dazu neigen, sich selbst zu vergessen. Das geht eine Weile gut. Bis es irgendwann eben nicht mehr geht. Die ganze Kacke einmal rauslassen und dann tief durchatmen und weitermachen, ist viel besser, als immer wieder runterzuschlucken. Denn dass es weiter geht und weitergehen muss, weiß man ja meist selbst. Druck ablassen tut trotzdem mal gut.

Und genau deswegen jammere ich heute mal:
Ab morgen bin ich hier allein mit den Kindern. Auf unbestimmte Zeit von Montag bis Freitag. Der Mann treibt sich irgendwo in Deutschland rum und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern. Für mich heißt das morgens zwei Kleinkinder und ein Baby allein versorgen, für die Kita fertig machen, den Haushalt schmeißen und die Nachmittage und Abende ebenso allein gestalten. Ich weiß jetzt schon:
Es wird viel Geschrei geben. 
Es wird nie genug Mama für alle sein.
Es wird chaotisch werden und laut zugehen.
Und deswegen möchte ich an dieser Stelle vorwarnen. Es könnte sein, dass ich in nächster Zeit ab und zu jammere. Denn - und daran sollte man immer denken - ich werde eins ganz sicher nicht tun: Meinem Mann die ohnehin schon schwierige Situation erschweren, indem ich IHM die Ohren volljammere. Vor allem für ihn muss ich mich zusammenreißen und die Jammerei reduzieren. Das wird nicht leicht, denn in den letzten zwei Jahren haben wir uns den Stress elterlich geteilt. Wir konnten jeden Abend zusammen verbringen und wenn uns danach war, gemeinsam ein Jammerbad nehmen. Und genau darin liegt für mich ein wichtiger Punkt zum Thema Jammerei:

Wenn ihr das nächste Mal eine Mutter beim Jammern ertappt, fragt euch erstmal, warum sie sich vielleicht gerade euch anvertraut: Entweder fühlt sie sich nämlich bei euch besonders wohl oder sie versucht jemand anderen, der oder die ihr wichtig ist, zu verschonen. In beiden Fällen bietet sich an: Klappe halten und einfach zuhören.

Danke fürs Zulesen.

Kommentare:

  1. Ehrlich gesagt freue ich mich immer, wenn ich mal eine andere Mama jammern höre oder lese. Denn das ist doch letztlich viel realistischer und ehrlicher als dieses: "Ich schaffe das alles mit links", "Es ist immer so schön mit den Kleinen" oder "Es hat mir so richtig Spaß gemacht, das ganze Haus zu putzen". Also lasst Dampf ab Mamas, dann geht es euch besser und die anderen, die sich immer fragen, wie ihr das schafft, sind auch erleichtert.
    LG und gute Nerven für die nächsten Tage, Micha

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    1. Ja, das ist ja nicht nur bei Mamas so. Ich bin mal irgendwann über eine Glücksstudie gestolpert, die gezeigt hat, dass Glück insbesondere im Vergleich entsteht. Wenn ich nur 5 Stunden die Nacht schlafe, dann hilft es durchaus ein bisschen (ein ganz kleines bisschen), wenn jemand anderes nur 4 hatte. Ganz schlimm fühlt es sich aber an, wenn alle anderen erzählen, dass sie jede Nacht 8 Stunden (durch)schlafen.

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  2. Ge-Nau! Jammern muss sein. Es ist nicht gut, seinen Frust immer nur für sich selbst zu behalten. Das geht irgendwann nach hinten los. Man braucht ein paar Leute, die den Kopf tätscheln und die anderen auch, die einem "konstruktiv" (!) in den Hintern treten. Also, ich höre Dir gerne zu beim Jammern :) Ist ja wirklich nicht leicht, alleine mit drei Kindern... Ich war gerade eine Woche mit meinen zwei Jungs alleine und es war echt eine - nun ja - Herausforderung. Ich wünsche Dir viel Kraft und vor allem Geduld und Ruhe.

    Liebe Grüße,
    Marisa

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