Donnerstag, 12. Juni 2014

Der nächste große Schritt

Die zweite Woche mit den Kindern allein zu Haus endet heute und was soll ich sagen, mir wird ein wenig schwummerig, wenn ich bedenke, dass das nun immer so gehen soll. Mein größtes Problem beim Alleinsein, so schrieb ich gestern Abend an anderer Stelle, wäre zur Zeit vor allem: Wenn ich tagsüber kein Eis kaufe, dann esse ich am Abend auch keins. Einige werden denken, nun ja, dann hat sie wohl keine Probleme. Und denen holpere ich zurück: Das stimmt. Echte Probleme gab's nicht. 

Auch die zweite Woche, in der der Schwierigkeitsgrad etwas durch eine geschlossene Krippe gesteigert wurde (ich hatte Kind A und Kind M zu Haus und Kind P ging in den Kindergarten und wir brachten ihn gemeinsam morgens weg und holten ihn nachmittags ab), verlief eigentlich harmonisch. Bis auf zehnminütliche Streitanfälle zwischen den Jungs. Das soll normal sein, hab ich gelesen. Wir sind normal. Sogar sehr. Aber es war niemand krank, ich musste keine akuten Notfälle lösen, es hat sich niemand verletzt, ich habe kein Kind im Kindergarten vergessen (schwierig) und keins vergessen hinzubringen (leichter) und ich kam auf durchschnittlich 7-8 Stunden Schlaf. Dazu musste ich mich  allerdings um neun ins Bett legen.

Trotzdem wird mir schwummerig. Warum? Ich habe noch genau drei Monate Elternzeit. Dann soll/muss/darf/kann ich wieder arbeiten. Und je näher der Termin rückt, desto mehr Respekt habe ich davor. Mit zwei Kindern ging das gut. Zu zweit ging das gut. Aber mit drei Kindern? Allein? Hm. Geunkt wird von außen sehr viel, darüber, dass das nicht ginge, und ich solle mir das nochmal überlegen und warum ich denn unbedingt wieder arbeiten wolle und ich könne doch weniger arbeiten und ich solle doch bedenken, dass ich dann unter der Woche allein bin mit den Kindern und und und.

Und so denke ich zur Zeit sehr viel daran. Vielleicht, weil von außen so viele Bedenken kommen, vielleicht aber auch, weil ich mal wieder ein paar Pläne schmiede, bei denen ich mir diesmal so gar nicht sicher bin. Ich bin mit dem Ref fertig, es wird meine erste echte Stelle an einer deutschen Schule sein - im vergangenen Herbst hatte ich zwar auch schon eine, aber an der Schule war ich nur zweieinhalb Monate als Vertretung. So schnell lernt man eine Schule ja nicht mal richtig kennen. Und weil mir dieser nächste Schritt in meiner beruflichen Laufbahn so endgültig erscheint - ich bekomme eine Schule zugewiesen und da unterrichte ich dann - schmiede ich neue Pläne und überlege, mich doch noch ans Projekt Dissertation zu wagen. Ich bin 34 und ich denke, das ist meine letzte Chance. 

Was ich habe: eine interessante Idee, Motivation und ganz viel Begeisterung und Interesse. Was ich haben kann: eine Doktormutter und ganz viel Betreuung.
Was ich wenig habe: Zeit. Ich müsste mich über meine Arbeit finanzieren, die - da es sich um ein bildungswissenschaftliches Projekt handeln würde - mit der Doktorarbeit im Zusammenhang stünde, aber ich muss eben auch arbeiten, um Geld zu verdienen.

.....Und da unterbricht mich der Sohn, der aufwacht und bespaßt werden will. Es ist 5.38 Uhr. 

....Jetzt ist es 13.37 Uhr und mein Sohn macht Mittagsschlaf, die Kleine ebenfalls. Ob ich den Text wohl zu Ende bringe? Wo war ich? Ahja, Doktorarbeit.
Ich bin akut vergesslich.
Ich bin akut müde.
Ich bin akut beschäftigt. 
Jeden Tag.
Aber
Ich will schreiben.
Ich will arbeiten.
Ich will lernen.
Ich will, dass mein Kopf raucht.

Und vor allem habe ich eine Idee. Mit der will ich arbeiten.
Ich glaube, ich würde keine Sekunde zögern, hätte ich keine Kinder. Ich finde, ich sollte auch nicht zögern mit Kindern. Ich bin schließlich ich. Aber ich zögere dennoch. 

PS. In der Doktorarbeit soll es darum gehen, wie man es schafft, trotz Kindern zusammenhängende Texte zu produzieren, die man um 5.15 Uhr morgens anfängt und dann um 13.37 Uhr am selben Tag weiterschreibt. Zusammen hängt das vorliegende Exemplar irgendwie, aber der Faden ist sehr dünn, das ist mir klar. 

Kommentare:

  1. Ich schicke dir ein paar Ermutigungen durchs Netz... du kannst so toll formulieren, da wäre es wirklich sehr schade, wenn du keine Doktorarbeit schreiben würdest.
    LG, Micha

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  2. Danke Micha, was für ein schönes Kompliment. Ob es das Formulieren heute noch ausmacht? Dafür kenn ich mich zu wenig aus.

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  3. Das klappt schon wenn Du das wirklich willst! von meinen 5 sind zwar drei schon recht groß und vernünftig, aber Nr 4 und 5 sind noch.sehr zeitaufwändig... Dennoch gehe ich arbeiten und ich genieße es :-)

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  4. Ein toller Post. Mein Tipp: Wenn Dich die Diss unter den Fingernägeln brennt (und das tut sie offenbar), dann ist der Entscheid doch eigentlich schon gefallen... :-) Lass Dich drauf ein, Du packst das!

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