Dienstag, 3. Juni 2014

Alleinbetreuend für Anfänger

Der erste Tag ohne Papa fing um 4.30 Uhr mit einem Alptraum und einem schreienden Kind an, das erstmal aufs Klo musste. Darüber freuen wir uns hier. Nicht den Alptraum. Mehr das aufs-Klo-wollen. Der Papa verließ dann um 5.20 Uhr das Haus und bis um sieben schliefen die Jungs aus. Das Erlebnis selbst war mindestens so schön wie der Reim eben.
Meine größte Sorge war am Morgen, dass Kind P und Kind M nach drei Wochen Nutella-Marmelade-Honig-Frühstück kein Müsli mehr essen würden. Ich wollte sie, das war meine Mission, wenn ich schon alleine war, endlich wieder ordentlich mit Obst und Getreide vollstopfen. Die Sorge war jedoch völlig unbegründet. Haferflocken mit Erdbeeren und Bananen, ein bisschen Honig. Sie aßen nicht, sie fraßen. Oder wie man in Bekanntenkreisen manchmal sagt: Sie haben gefresst.

Die Laune war herrlich. Sie fragten viel nach dem Papa, aber mindestens genausoviel nach Oma und Opa, denn da waren wir ja jetzt drei Wochen. Traurig wirkten sie dennoch nicht. 
Der Morgen verlief sehr harmonisch. Es gab keinen Streit. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Im Kindergarten gab es ein paar Tränen, in der Krippe nur ein kurzes Winken. Nach meinem Termin in der Schule, machte Kind A ein Schläfchen auf der Terrasse. Der Kuckuck half beim Einschlafen.


Den Tag verbrachte ich mit Kind A zu Haus. Aß ratz-fatz vom Sonntag und besorgte mir ein Stück Dresdner Apfelkuchen. Ganz für mich allein. Die Kleine kuckt mir das ja noch nicht weg. Wird aber wohl nicht mehr lange dauern.


Am Nachmittag dann Abholen. Mit Kinderwagen. Meine zweite Herausforderung.
Erst nur eins.

Dann zwei.

Dann drei.


Einer muss immer mitfahren. Wenn die zwei in verschiedene Himmelsrichtungen abdüsen, während ich den Kinderwagen schiebe, dann bekomme ich einen Herzinfarkt. Das soll vermieden werden. Vielleicht bin ich überängstlich. Aber dann ist das halt so.

Kind P kam mit der selben Hose heim, die er morgens anhatte. Und ist den ganzen Tag allein aufs Klo gerannt. Endlich ham wir's.


Am Abend gab's dann deutsche Lieblingsbücher. Die ungarischen liest immer der Papa. 
Eins davon ist: Die Wörterfabrik. Ein ganz zauberhaftes Buch. Wenn meine beiden die Wörter Kirsche, Staub und Stuhl ganz sacht und zärtlich auf die Reise zu Marie schicken, dann weiß ich, das sind eben echte Jungs.

Danach haben wir noch einen Kinderbuchklassiker aus meiner Kindheit gelesen: Das Rübchen. Und eine ganze Weile darüber gesprochen, wer aus unserer Familie welches Rübchen ist. Der Papa ist ganz oben das dritte Rübchen von rechts. Nur, dass ihr Bescheid wisst.


Am Abend gab es dann, wie zu erwarten war, mehr die lauten Töne. Die Jungs schlafen ja in einem Zimmer, aber Kind A schläft noch bei uns im Schlafzimmer, genauer bei uns im Bett. So musste ich mich nach dem Essen und Baden dann doch irgendwie zerteilen. Die Kleine war nämlich leider nicht als erste eingeschlafen, sondern verlangte nach dem Vorlesen auch nochmal nach mir. Und so sprang ich immer zwischen erzieherischen Maßnahmen im Kinderzimmer und beruhigenden Maßnahmen im Schlafzimmer hin und her. Es war die wahre Freude. Aber wir müssen uns eben erst einspielen. Bisher haben wir uns immer aufgeteilt. Der Papa war für die Jungs zuständig und ich für die Kleine. Jetzt müssen alle erst üben, mit der neuen Situation umzugehen. Der erste Übungstag war anstrengend, trotz Kindergartens und Krippe. Um 20.30 Uhr kuschelte ich mich zu meiner Tochter und alle schliefen durch bis 7 Uhr. (Zwei- oder dreimal stillten wir, aber daran habe ich keine echte  Erinnerung.) Es war ein Traum. Heute ist ein neuer Tag. Er beginnt mit einer Diagnose. Ich hab wohl Hand und Fuß und Mund. Vor allem Mund. Und ganz viel Kopf dazu. Aber ich will mich bessern.

1 Kommentar:

  1. Hoffentlich ist die Woche so gut weiter gegangen!
    LG, Micha

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