Montag, 19. Mai 2014

Auf zum nächsten Flussufer - Warum mich schmutzige Kinder nicht mehr schockieren

Auf Twitter postete Marakolumna heute Morgen einen Blogpost mit ihren Zwillingen - der Titel: "Diese Fotos schocken jede Mutter. Oder Vater".(hier geht's zum Post) Ein Titel, der neugierig macht. Während ich normalerweise solche Titel meide wie die Pest, wollte ich mich diesmal einfach mal so richtig schockieren lassen. Und was kam: Bilder von Kindern, die fröhlich an einem Flussufer spielten. Ich verstand nicht. Dann las ich den Text. Ahhhh, ok, es geht um den Dreck, den die Kinder dabei machen. Schockiert war ich dann leider immernoch nicht. Ich reagierte und schrieb ihr "So sehen meine täglich aus." und wollte dies gern untermauern mit einem alten Blogpost, in dem ich davon schrieb, wie ich einmal ein tolles Kompliment für meine Kinder bekam, weil sie "so schön mit Schlamm spielen" (hier). Ich suchte den alten Post, fand ihn und stellte fest: Das passt jetzt aber gar nicht. 
Wie konnte das passieren? An welcher Stelle habe ich mich von der Saubermutter in eine Schlammverfechterin verwandelt. Wie konnte ich nur so abstumpfen gegenüber dem Schmutz meiner und anderer Kinder? Warum zum Deibel war ich nicht schockiert?

Damals
Das Kompliment, das ich damals erhalten habe, war mir unangenehm. Meine Kinder sollten nicht mit Mulch spielen. Ich war eigentlich nicht besonders stolz, dass meine Kinder so schön verschlammt waren. Ich habe auch damals nicht jedem Fleck hinterher gewischt. Wer mich kennt, weiß das. Flecken lasse ich häufig gern verschwinden, indem ich verschwinde. Manchmal hat sie jemand weggemacht, wenn ich wiederkomme. Wenn nicht, hat es meistens noch ein bisschen Zeit. Allerdings war es mir in der damaligen Situation durchaus unangenehm, dass meine Kinder im dreckigen Mulch  spielten und nicht auf dem "sauberen" Klettergerüst kletterten.

Heute
gehen wir mit den Jungs gezielt zu den Pfützen, in den Wald und auf Matschspielplätze. Mit Stöcken, Wasser, Schlamm und Matsch spielen sie am ausgiebigsten und intensivsten. Hinterher haben sie den Dreck unter den Fingernägeln, auf den Hosen, im Gesicht und wenn es richtig intensiv war, in den Haaren. Wir staunen dann immer, wie schmutzig sich so ein kleiner Mensch machen kann, machen die Jungs schon auf dem Flur nackig und stecken sie sofort in eine neue Garnitur, damit der Dreck nicht in der Wohnung verteilt wird. Da ist schließlich schon genug wohnungseigener Schmutz.

Wie ist das passiert? Nun, ich glaube, ich habe mich verändert. Ich mag immernoch saubere Kinder. Aber ein schmutziges Kind schockt mich nicht mehr. Früher hätte ich mich über das Foto der Frau Mierau (hier) von einer Babyhand mit schmutzigen Fingernägeln aufgeregt. Heute sehe ich die bunten Schmetterlinge auf der winzigen Hand und denke, was für ein schönes Bild. Es ist nicht so, dass ich den Schmutz nicht sehe. Aber erstens geht es nicht ohne Schmutz, auch nicht bei einem Baby (das erlebe ich nun schon das dritte Mal) und zweitens sehe ich täglich, dass es manchmal viel schöner ist mit gaaaaaanz viel Schmutz. So zum Beispiel auf den Bildern, die mich heute früh schockieren sollten. Das haben sie nicht. Und ich bin eigentlich ganz froh darüber und denke die ganze Zeit: Auf zum nächsten Flussufer!

PS. Dinkelschnitten find ich immernoch blöd. Was Übermütter sind, weiß ich inzwischen nicht mehr. Auch eine Frage der Entwicklung.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen schönen Artikel!
    Das Thema Schmutz ist in meiner Familie ein großes Thema. Ehemann und ich sind praktisch keimfrei erzogen worden, aber unsere Kinder dürfen spielen und herumschlammen. Und wir machen dieselbe Erfahrung: Am Wasser, am Bach, wo Schlamm ist, Steine und Stöcke, da vergessen sie Raum und Zeit. Und das anschließende Baden finden sie dann auch schön.
    Dennoch merke ich, dass ich innerlich noch nicht so ganz dazu stehe. Sei es meine Erziehung, seien es die Nachbarn, bei denen es immer aufgeräumter und sauberer aussieht als bei uns - mein Selbstbewusstsein muss sich an diesem Punkt noch entwickeln.

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    1. Liebe Mara,
      gerne. So ähnlich geht es mir auch. Nur dass ich eine Tendenz habe, leicht zu vergessen. Deswegen lief das heute Morgen tatsächlich so ab wie beschrieben.
      Aber die Bilder waren wirklich toll! Das muss ein Riesenspaß gewesen sein.

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  2. Mein Sohn schaute mir gerade über die Schulter und meinte: "Ey, das sieht ja aus wie meine Hose!" ;-)

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