Montag, 10. Februar 2014

Faszination Schleusentor

Ich habe in dieser, meiner jungen Familie ja schon einiges an Wunderlichkeiten erlebt, was die Vorlieben meiner Kinder angeht - bisher vor allem die beiden Jungs. Unser Neuzuwachs verhält sich, was das angeht, noch sehr wie eine Anna-Normalverbraucherin. Zum Beispiel die Geschichte mit der Sardellenpaste, an die erinnere ich mich immer wieder gern. 
Zur Zeit haben wir hier eine neue Vorliebe, die beide Jungen ergriffen hat und die, wenn man es sich so recht überlegt, auch gar nicht so verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass Paul monate- ja beinahe jahrelang fanatisch von Türen fasziniert war. Er hat schon Türen auf und zu gemacht, da lag er noch auf dem Bauch und robbte durch die Gegend. Auch auf Knien hat ihm das immer Spaß gemacht und als er endlich laufen konnte, lief er grundsätzlich nur bis zur nächsten Tür. Irgendwann ging die Faszination auf Schlüssel über und so dauerte es keine drei Wochen, bis man uns im Kindergarten darüber informierte, dass Paul den Generalschlüssel der Erzieherin versteckt hat und man ihn derzeit nicht wiederfände. Irgendwann hat Paul sich wahrscheinlich erbarmt und ihn dann doch wieder aus seinem Versteck geholt, denn eine Rechnung für den Ersatzschlüssel ist seitdem nicht ins Haus geflattert. 
Auch die Schlüsselfaszination hat sich mittlerweile etwas gelegt, denn der Junge hat nun eine ganz neue Dimension von Tür für sich entdeckt: das Schleusentor. Dazu muss man wissen, dass der Papa seit einigen Monaten mit den Jungen im Jogginganhänger laufen geht und regelmäßig an der hiesigen Schleuse vorbeikommt. Irgendwann wollte es der Zufall so, dass gerade ein großer Touridampfer geschleust wurde und ab da war es um die Jungen geschehen. An einer Schleuse kommt man nun nicht mehr vorbei, ohne anzuhalten und wenn ein Schiff am Horizont erscheint, kann sich das Anhalten schon mal eine halbe Stunde hinziehen. Aber das ist erst der Anfang. Mittlerweile dreht sich hier alles ums Schleusentor. Paul baut Schleusentore mit Klappbüchern. Er kuckt Schleusentorvideos auf Youtube: Von den nahezu 10.000 Abrufen des Videos "Ein Tag an der Schleuse Schwabenheim im Zeitraffer" waren wir sicher 1/20 (das sind immerhin 500 für die, denen das Rechnen schwerfällt - ich hab dafür den Taschenrechner gebraucht wegen standby!). Und gegessen wird hier auch nur noch mit Schleusentoren. Dazu werden beide Hände vor den Mund gehalten und wenn Müsli rein soll, muss erst um Öffnung des Schleusentores gebeten werden. Dazu ist es mitunter auch wichtig zu unterscheiden zwischen oberem und unterem Schleusentor. Die Schleuse Schwabenheim ist im Übrigen auch der einzige Weg, Paul aufs Töpfchen zu bewegen (ja wir arbeiten immernoch daran!), aber offenbar sehr erfolgreich. Schleuse im Zeitraffer auf dem Ipad und endlich öffnen sich auch bei dem Jungen alle Schleusentore an der richtigen Stelle. Und weil diese Schleusentornummer immer für ein bisschen Aufmerksamkeit gut ist, macht Moritz einfach mit. Nur die Frauen in dieser Familie sind in dieser Hinsicht etwas zurückhaltender. Und ich persönlich bin schon gespannt, was als nächstes kommt.

Kommentare:

  1. da steckt die Hoffnung drin, dass er kein "Denker und Dichter" wird.

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  2. Naja, den Denker schließt es nicht so richtig aus.

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