Donnerstag, 9. Januar 2014

Konsequenz ist wie Arbeit

Heute Morgen gab es wieder eine schöne Lehrstunde in Sachen Konsequenz. Der Papa wirft in diesem Haushalt der Mama immer mal wieder vor, nicht genug konsequent zu sein und er hat vielleicht nicht ganz Unrecht. Aus diesem Grund halten sich Einzelexemplare unserer Söhne tatsächlich lieber an mich. Unter anderem Kind P. Heute Morgen beim Wegbringen aber hatte er keine Chance. Da war ich ganz auf Papas Seite und wie wir später feststellen sollten, waren das auch noch andere, zumindest was die Theorie angeht.

P darf morgens immer, gesetzt den Fall, dass er darum bittet, den Knopf des Autoschlüssels drücken, um Papas Auto zu öffnen. "Kérem szépen a kulcsot", ist alles, was der Papa dazu hören will (Frei übersetzt: "Ich möchte bitte den Schlüssel haben!"). Kind P war noch nie gerne Papagei, aber mittlerweile hat er verstanden, dass er bestimmte Dinge einfach sagen muss, damit sich eigene Wünsche erfüllen. Und so sagt er in 90% der Fälle auch die richtigen Zauberworte. Heute Morgen hat er nichts gesagt. Der Papa wiederum hat nicht gefragt. Er hat einfach das Auto aufgemacht. Damit nahm die pädagogische Übungsstunde ihren Anfang. Kind P wurde hysterisch: "kulcs, kulcs, kulcs" (Schlüssel) rief er weinerlich und der Papa machte das Auto wieder zu, entschuldigte sich für seine Unaufmerksamkeit und wies ihn darauf hin, dass er das Auto aufmachen könnte, wenn er "kérem szépen" sagt (bitte!).
Da gab es aber ein Problem: P war beleidigt, weil das Auto ja schon aufgemacht war. Denn P wollte ja nicht Autoaufmachen üben, er wollte die echte Verantwortung für das Öffnen der Türen haben. Dieses Auto war allerdings für ihn in dem Moment abgefahren, als der Papa den Knopf gedrückt hatte, auch wenn das Auto immernoch dort stand und inzwischen längst wieder zu war. Er jammerte und schluchzte und erhielt noch verschiedene Gelegenheiten den Schlüssel doch noch zu bedienen ("kérem szépen P! Krem szépen!"), aber er wollte nicht mehr und rief stattdessen immer "kulcs,....wähhhhhhhh". Am Kindergarten angekommen erhielt er nochmal die Gelegenheit, um den Schlüssel zu bitten, schlug aber auch dort unter lautem Protest aus.
Im Kindergarten selbst hielt das Drama bis zur kindlichen Übergabe an die Erzieherin an und so musste der Papa sich erklären und die Szene übersetzen. Er erklärte die Situation und die Erzieherin stimmte ihm sofort fachfraulich zu: "Ahhh.....Konsequenz! Das ist wichtig! Das find ich gut!" Sie sagte, dass sie völlig auf seiner Seite wäre und wie wichtig Konsequenz in der Erziehung sei. Sprach's, verabschiedete den Papa und gab P ihr eigenes Schlüsselbund, damit der nicht mehr so traurig sei. Der Papa verabschiedete sich von P, der ihn frech grinsend mit den Worten im Gesicht ansah: "Die versteht mich. Geh du nur!"
Konsequenz, sagt der Papa, der sich ein bisschen veräppelt vorkam, ist eben ein bisschen wie Arbeit. Wunderschöne Sache das. Am schönsten aber wohl offenbar, wenn sich darum andere kümmern.

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