Montag, 25. November 2013

Spielen beim Arzt - U7a

Wir waren heute beim Arzt, ein bisschen spielen. Ich hatte große Sorge, was diesen Spieletermin angeht, denn mir war in etwa klar, was erwartet wird und wie Paul in etwa mit den Erwartungen umgehen würde. Paul spielt gern. Die Regeln legt allerdings er fest. Oder wie mein Kinderarzt nach unserer Spielerunde grinsend resümierte: Regeln sind was für Verlierer.
Bei der U7a-Untersuchung muss man einen Ball fangen können, über A4-Blätter springen können, Tiere, Begriffe benennen können und Formen nachbauen, hatte ich gehört. Ich war nervös, dass Paul stattdessen lieber den Ball in die Tasche steckt, das A4-Blatt nimmt und zerreißt und die Formen abbaut, statt nachzubauen. Zu deutsch, ich hatte Sorgen, wir fliegen durch den Test, mit Pauken und Trompeten. Terminlich war das Glück nicht auf unserer Seite. Wir waren heute in Katerstimmung. Hier war nämlich gestern große Geburtstagsparty für Paul und die Nacht endete danach um fünf Uhr morgens. Offenbar waren die Jungs so aufgeregt wegen der Luftballons im Wohnzimmer, dass sie mitten in der Nacht kucken mussten, ob die wohl noch hängen. Sie hingen. Um 9 Uhr - als unser Termin war - war Paul schon das erste Mal müde. Aber er hat sich wacker geschlagen und sich von seiner besten Seite gezeigt. Die Hälfte der lustigen Spiele mit der Arzthelferin hat er mitgemacht und bei der anderen Hälfte hat er einfach ein neues Spiel erfunden.

Das erste Spiel spielt Paul mit: Vier gelbe Bausteine, vier grüne Bausteine. 
AH: Welche Farbe ist das? 
P: grün.
AH: Und das?
P: gelb.
AH: Welche gefällt dir besser? 
P: grün.
Das zweite Spiel verstand er, bekundete aber schon Missfallen.
AH: Ich lege jetzt etwas mit den Bausteinen und du legst das mit deinen Bausteinen nach, ok?
P: Nein.
AH: Wir fangen an. (legt drei gelbe Bausteine nebeneinander) Kannst du das mit deinen Bausteinen auch?
P: Nein. (legt drei grüne Bausteine nebeneinander)
An dieser Stelle steigt Paul aus. Er spielt ab sofort nach seinen eigenen Regeln.
AH: Gut gemacht Paul. Jetzt weiter. (legt zwei Bausteine nebeneinander mit einer Lücke und einen drüber als Brücke) Kannst du das auch?
P: (nimmt den oberen Baustein der AH und zerstört die Brücke.)
AH: Noch mal von vorn, Paul. Ich baue eine Brücke mit meinen Steinen. Kannst du das auch?
P: Nein. (baut die Brücke mit zwei gelben und einem grünen, statt wie vorgesehen mit drei grünen Bausteinen.)
Ab jetzt spielt Paul nicht nur nach eigenen Regeln. Er spielt ein komplett anderes Spiel.
AH: Schau mal Paul. Jetzt baue ich eine Schlange mit meinen Bausteinen. (nimmt Paul einen grünen Baustein weg und legt einen gelben, einen grünen und einen gelben Baustein nebeneinander.) Kannst du sie weiterbauen?
P: (holt sich den grünen Baustein zurück. das war schließlich seiner)
AH: Das versuchen wir nochmal. (zeigt nochmal, was sie will und fängt an die Schlange zu bauen.)
P: (nimmt die gelben Bausteine, legt sie alle vier nebeneinander, nimmt dann die grünen Bausteine und legt sie auf die gelben Bausteine.) Es entsteht ein farbtechnisch wunderschön geordneter Bausteinzweireiher. Paul hält viel von Ordnung. 
AH: Ok, vielleicht spielen wir dann was anderes. (kuckt ernst und macht Kreuze.)
P: Nein. (Das sagt er gern.)
Zu diesem Zeitpunkt verliert Paul die Lust am Spielen, weil er merkt, dass hier irgendwas von ihm erwartet wird und er nicht die richtigen Ergebnisse produziert. Er rutscht auf dem Stuhl hin und her und ist genervt. 
AH: Schau mal Paul, kannst du einen Strich zeichnen? (gibt ihm einen Stift und ein Blatt mit zwei Kästchen. In einem ist ein Strich, in das andere soll er einen ähnlichen Strich zeichnen.)
P: (zeichnet den Strich in das nicht dafür vorgesehene Kästchen, das schon den anderen Strich beinhaltet.) An dieser Stelle bin ich mal wieder froh, dass ich keine Zensuren geben muss.
Die Arzthelferin gibt nicht auf. Sie hat noch ein Spiel auf Lager.
AH: Gut. Spielen wir noch was. Ich zeige dir jetzt eine Karte. Was ist das?
P: Apfel.
AH: Und das? (zeigt eine andere Karte.)
P: Katze.
AH: Gut gemacht. Jetzt zeige ich dir noch mehr Karten und du sagst mir, wo die besser hinpassen, ok?
P: Nein.
AH: (zeigt einen Hund).
P: (nimmt die Karte und legt sie zwischen Apfel und Katze. 
AH: Nein, Paul. Wohin gehört die Karte?
P: (nimmt die Karte, legt sie auf die Katze.)
AH: Gut Paul. 
Da hat sie sich zu früh gefreut, weil sie offenbar eine unverbesserliche Optimistin ist.
P: (nimmt die Katzenkarte, die Hundekarte und die Apfelkarte und beendet das Spiel.)
AH: Nein, Paul, wir spielen noch weiter. (Legt die Karten wieder hin - so wie sie liegen sollen - und gibt ihm eine Bananenkarte.)
P: (nimmt die Bananenkarte und alle anderen Karten und sammelt sie in seiner Hand. Seine Botschaft: Die nächste Karte bitte.)
AH: (macht noch einen Versuch mit einem Schwein, das Paul benennt und anschließend zu den anderen Karten in seine Hand legt.) Das Spiel ist hiermit beendet. 

Danach machen wir noch einen Sehtest, bei dem er endgültig schlechte Laune bekommt. Wir machen dann Dinge, die wir gern tun, wie wiegen und messen und beenden die Untersuchung. Die Untersuchungsbescheinigung sagt unauffällig mit auffälligem Hang zum Dickkopf. 

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