Samstag, 16. November 2013

Langsam gebe ich auf

Jetzt fange ich langsam an zu zweifeln. In den letzten drei Jahren waren wir mit beiden Jungs (mit Paul natürlich schon öfter) ein paar Mal zum Friseur. Ich selbst gehe inzwischen selten zum Friseur, weil ich in den meisten Fällen enttäuscht war und mit dem Ergebnis unzufrieden. Mein Friseurproblem habe ich so gelöst, dass ich mir zweimal im Jahr großzügig die Spitzen abschneiden lasse und ansonsten meine Haare selbst wasche und föhne. Seit ich zwei Jungs habe, habe ich allerdings wieder ein Friseurproblem. 
Am Anfang hab ich bei ihnen nur den Pony nachgeschnitten. Das allein hat solche Dramen verursacht, dass ich auch das sehr selten gemacht habe. Mit dem Ergebnis, dass es Phasen gab, in denen man die Jungs nur aus ganz besonderen Winkeln fotografieren durfte, weil sie sonst furchtbar komisch aussahen. Mit der Zeit ließen die Dramen etwas nach und wir trauten uns zum Friseur. Das heißt der Papa. Ergebnis: Es wurde mit der Maschine an den Seiten und hinten ausrasiert und oben alles auf eine Länge/Kürze geschnitten. Ich hab mich so vor meinem Sohn erschreckt, dass ich beschloss, in Zukunft wieder selbst zu schneiden, bzw. die Aufgabe nicht dem Papa zu überlassen. Danach ging es nur noch bergab. 
Wir gingen zum Haarschneiden in Budapest und Mama erklärte: "Bloß nicht so kurz und mit Maschine, nur überall ein bisschen was ab und eine schöne Form." Ergebnis: Überall war ein bisschen was ab, aber unterschiedlich viel und an unterschiedlich sinnvollen Stellen. Der Pony sah aus wie abgefressen und die Jungs bekamen beide einen missglückten Stufenschnitt, der sich (nicht) gewaschen hatte. 
Heute wollte ich es mal wieder wagen, denn der missglückte Stufenschnitt vom Sommer sah immer gruseliger aus und ich plane meinen Sohn an seinem morgigen Geburtstag mal wieder zu fotografieren. Also ging ich hier zu einer Friseurin um die Ecke, die ganz selbstbewusst davon erzählte, wie gut sie mit Kindern könnte und dass sie sowieso nie mit Maschine schneiden würde, als ich ihr von meinen bisherigen Dramen berichtete. Ich warnte sie vor, dass es nicht ganz einfach sei, aber sie belächelte mich nur. Da traute ich mich. Ergebnis: Das Geburtstagskind fotografiere ich morgen lieber in seiner neuen Mütze und seinen kleinen Bruder, den fotografiere ich nur von hinten, da kam die Friseurin nämlich nicht mehr hin. Paul war beim Schneiden die Ruhe in Person, er saß geduldig auf dem Stuhl und es gab eigentlich keinen Grund ihm so eine komische Frisur zu verpassen, aber die Dame hat es trotzdem getan. 
Voller Stolz und Selbstbewusstsein über ihre Leistung (immerhin hatte sie keine Maschine verwendet und überall was abgeschnitten) bot sie mir an, mit Moritz gleich weiterzumachen. Ich riet ihr und uns dazu, das zu verschieben, aber sie meinte nur: "Schauen Sie doch, er klettert doch schon auf den Stuhl." Das tat er aber nur, weil er mal kucken wollte, wie die Aussicht von da oben ist. Nach gefühlten zwanzig Sekunden wollte er wieder runter, vor allem weil ihm das mit der Schere unheimlich auf den Geist ging. Er fing an laut zu protestieren, nach der Schere zu schlagen, um sich dann auf dem Stuhl so zu winden, dass Schneiden unmöglich war, wenn man ihm nicht die Ohren mit absäbeln wollte. Danach kletterte er einfach runter und die Friseurin hatte die glorreiche Idee im Stehen weiterzuschneiden. Mein letztes Vertrauen in die Dame war in diesem Moment verschwunden. Moritz stand keine zwei Sekunden auf der Stelle. Die Dame verließ ihr Optimismus trotzdem nicht und sie schlug Moritz doch tatsächlich vor, eine Art "Fangen-Haareschneiden-Spiel" zu spielen. Er lief durch den Saal und sie hinterher. Kam er an eine Wand schnitt sie schnell was ab. Nach zwei Spielrunden hatte mein Sohnemann genug vom Spiel und fing an die Friseurin anzuschreien. Die Stimmung kippte. Mein Sohn auch. Er fing jetzt mit seinem zur Zeit üblichen Programm an, wenn ihm was nicht passt: Auf den Boden werfen, mit den Armen strampeln, laut schreien und zwischendurch immer mal ein Stellungswechsel, damit es nicht langweilig wird. Zwei neue, im Gegensatz zu uns sehr harmlose Kunden betraten den Salon und bestaunten die Show. "Wenigstens vorne ist ja was ab," kommentierte die Dame und wir beschlossen, für heute aufzuhören. Moritz schrie durch den ganzen Aufsteh-, Anzieh- und Kinderwageneinsteigevorgang und sorgte dafür, dass ich jetzt wieder ein halbes Jahr warte, bis ich mich mal wieder in einen Friseursalon traue. Ich selbst werde wohl dort auch nicht wieder hingehen. Zuviel Angst, dass ich mit der Friseurin Fangen spielen muss. Ich sitze ja lieber beim Haarschneiden, da bin ich eigen.

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