Freitag, 4. Oktober 2013

Welcome back to Schwangerschaft

Liebe Mama, hiermit heiße ich dich willkommen in der Schwangerschaft - eine Zeit, in der die ganze Welt nicht nur besser weiß, was für dich gut ist, sondern dir ihre Meinung auch immerzu und ständig ungefragt auf's Brötchen schmiert. So geschehen heute im Lehrerzimmer und zwar eigentlich wörtlich gesehen. Welcome back to Schwangerschaft. It doesn't get any better.

Ich aß in der zweiten Pause in aller Ruhe ein Salamibrötchen aus dem Pausenverkauf, weil mein eigenes Brotpaket schon in der ersten Pause alle war (der Nachteil, wenn man um viertel nach vier aufsteht - da muss man bis 12 Uhr dreimal frühstücken! Manche sehen darin auch einen Vorteil...) und trank dazu einen leckeren Kaffee.
Nebenbei unterhielt ich mich locker und angeregt mit meiner Tischnachbarin über die Freuden des Lehrerdaseins - die Korrekturen, da ich seit heute Morgen 48 Jahrgangsstufentests in Deutsch mein (korrektur)eigen nennen darf. Meine Freude darüber hielt sich in Grenzen. Das Salamibrötchen half mir über den ersten Schock sehr gut hinweg. Vor allem stillte es aber wunderbar mein zweites Hüngerchen an diesem Vormittag. Da platzte es plötzlich von der Seite und von eigentlich unbekannt mitten in mein Gespräch: "Na, du bist ja mutig!"
Ich verstand nicht gleich und die Dame war offenbar der Auffassung, ich müsste sofort wissen, aus welchem Anlass sie mein Gespräch unterbrach und warum ich so voll des Mutes sei. Da keine Erklärung kam, war ich so nett und fragte einfach nach: "Warum?"-"Na wegen dem Salamibrötchen. Du bist doch schwanger!" Leider half auch das mir nicht gleich weiter, denn die Gefahren der gemeinen Salami waren mir gar nicht bekannt.
Aber ich wurde dann schnell aufgeklärt, dass diese so gefährlich sei, weil sie roh wäre und ihr Genuss in der Schwangerschaft nicht wirklich mit "Mut", wie die Kollegin es zuvor aus Sympathiegründen und sicherlich auch aus Respekt für meine Privatsphäre formuliert hatte, sondern vielmehr mit Fahrlässigkeit gleichzusetzen wäre.
In Wirklichkeit wollte sie nämlich nicht sagen: "Du bist aber mutig, dass du ein Salamibrötchen während der Schwangerschaft isst!", sondern vielmehr fragen: "Sag mal, bist du total bescheuert, dass du dir das rohe Fleisch reinziehst? Willst du dein Kind umbringen?" Ihre Kultiviertheit hat sie davon abgehalten. Ich bin nicht kultiviert. Deswegen schreie ich jetzt ganz laut in die Welt hinaus: "JA - ich zieh mir manchmal Salami rein. Und das schmeckt verdammt gut." 

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen