Samstag, 5. Oktober 2013

W-O-C-H-E-N-E-N-D-E

Früher sahen unsere Wochenenden so aus, dass wir ausschliefen, dann ausgiebig gefrühstückt haben, um danach lange rumzuliegen und zu überlegen, was wir wohl mit der vielen Zeit anfangen, in der Folge einen Plan zu entwerfen und dann das Wochenende mit Sport, Kino, Film und Buch zu verbringen. Zwischendurch Pläne zu machen, um Freunde einzuladen und sie zu bekochen und irgendein neues, meistens sehr unkompliziertes Rezept durch eigene Kreativität und Mangel an Zutaten zu verunstalten. Ein bisschen Unterrichtsvorbreitung fand auch statt, aber nicht so viel, denn an meiner alten Schule lebte ich den in Deutschland unvorstellbaren Traum eines eigenen Mini-Lehrerzimmers (bei - das sei nicht vergessen - Alptraumbezahlung), das ich mir mit nur einer Kollegin teilte und in dem ich alle meine Vorbereitungen erledigte, um nichts mit nach Hause nehmen zu müssen. 

Heute sehen meine Wochenenden so aus, dass ich weit vor sieben aufstehe, um morgens in aller Ruhe Pläne fürs Wochenende zu schmieden. Die Pläne beziehen sich allerdings heute auf Essen (was muss ich einkaufen, damit wir am Wochenende nicht verhungern und was soll ich kochen, um die Bäuche vollzustopfen), Unterrichtsvorbereitung (wie kann ich so viel wie nötig Unterricht vorbereiten und dennoch so viel wie möglich Zeit mit meinen Männern verbringen) und Kinderunterhaltung (wie schaffen wir es an diesem Wochenende, dass die Jungs sich zu Hause nicht mit Holzspielzeug die Köpfe einschlagen). Um sieben gehe ich einkaufen - heute für Apfelkuchen, Hühnersuppe (erkältete Jungs) und Szegediner Gulasch. Dann ist der Laden leer und die Regale voll. Um acht frühstücken wir, danach wird mit Budapest geskypt und das Essen vorbereitet. Dann gehen die Männer auf den Spielplatz und ich mache weiter Essen oder bereite Unterricht vor. Wenn ich auch ein Büro hätte, würde ich es derzeit nie schaffen, die Arbeit in der Schule zu erledigen. Mittags kommen die Männer zurück, wir essen und dann wird der Mittagsschlaf organisiert und zelebriert. Da pennen die Männer zwei bis drei Stunden und ich powernappe, um dann weiter Unterricht vorzubereiten. Manchmal schlafe ich länger. Dann fühle ich mich frei. Am Nachmittag gehn wir alle raus. Meistens zum Spielplatz. Denn mittlerweile bestellen die Kinder das schon. Die Abende verbringen wir getrennt. Die Jungs in ihrem Zimmer und wir in unserem. Und das ist auch gut so.

Gibt es Unterschiede zwischen den Wochenenden? Natürlich. Sehne ich mich nach mehr Müßiggang? Manchmal. Verunstalte ich noch Rezepte? Ganz sicher. Bekoche ich noch Freunde? Ganz sicher nicht. Gehe ich noch ins Kino? Ganz selten, denn ich würde einschlafen. Träume ich von meinem Mini-Lehrerzimmer? Häufig. Mache ich noch Sport? An dieser Stelle enden die Aufzeichnungen. Es ist gleich sieben Uhr.

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