Dienstag, 10. September 2013

Hauptsache ein Mädchen

Liebe Anna,

heute ist mein letzter Ferientag vor dem Arbeitsstart an einer neuen Schule und die Ruhe will ich nutzen, um dich persönlich zu begrüßen. Die Welt und vor allem wir freuen uns schon auf dich und über die Tatsache, dass du ein 

bist. Als ich mit Paul schwanger war, da endete die Frage nach dem Geschlecht in 90% der Fälle mit dem Spruch Hauptsache gesund. Denn bekommt man sein erstes Kind, so trauen sich wenige offen eigene Vorstellungen vom männlichen Erstgeborenen oder vom Wunschprinzesschen auszusprechen. Bekommt man dann ein zweites, wie in meinem Fall, da werden die Formulierungen schon offener. Denn das Ideal der meisten Menschen scheint wohl aus einem vernünftigen Geschlechtergleichgewicht in der Familie zu bestehen. Aus diesem Grund erhalte ich häufig Mitleid, im weniger eindeutigen Fall zumindest viel Mitgefühl, weil ich zwei Jungen habe. 
Bei dir, liebe Anna, war mein gesamtes Umfeld schon eindeutiger in seinen Formulierungen. Um genau zu sein: Du bist ein Mädchen und das ist nicht nur gut so, sondern genau so gewünscht. Denn noch ein Junge, da wäre das Geschlechtergleichgewicht in unserer Familie mindestens jenseits der Norm, in den Augen der meisten jedoch völlig aus der Bahn geworfen. Der Papa hat in dieser Hinsicht eine andere Auffassung. Es bräuchte mehr Jungs, um hier Gleichgewicht herzustellen, sagt er immer.  Du siehst also, was hier los ist. Wir freuen uns alle sehr, dass du bald da bist. In welche Richtung sich die Geschlechterwaage dann wirklich neigt, werden wir sehen, wenn du da bist. Bis dahin, fröhliches Wachsen und Gedeihen und schöne Grüße von Paul, der genau Bescheid weiß über das Baby in meinem Bauch, und Moritz, der jetzt deinen Namen sagen kann.

Kommentare:

  1. Anna-Tine, wenn schon.
    Aber großartiges Schreiben.

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  2. deine Babysitterin :-)10. September 2013 um 14:03

    Liebe Anna,
    ich freue mich sehr auf und über dich und finde es toll, dass du ein Mädchen bist - obwohl die Hauptsache selbstverständlich deine Gesundheit ist!

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    1. Wenn Anna Glück hat, dürft ihr viel Zeit miteinander verbringen. :-)

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    2. deine Babysitterin :-)10. September 2013 um 20:05

      Wenn ich Glück habe!!
      Vielleicht zieh ich einfach bei euch ein - einer mehr oder weniger macht da ja auch nix mehr :-)
      Oder ich nehm einfach pro Woche ein Kind mit zu mir :-D

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  3. Ach, liebes Väterchen, du hast eben mehr Verstand als ich. Die Oma war schon traurig.

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  4. Zum Geschlechtergleichgewicht fiel mir folgendes Erlebnis ein, das schon einige Jahre zurückliegt. Ich hielt eine Fortbildung "Methoden der Erwachsenenbildung", in der Teilnehmende aus ganz unterschiedlichen Einrichtungen waren. Es gab eine Austauschrunde, welche Angebote in der jeweiligen Einrichtung die größte Resonanz haben. Eine Mitarbeiterin aus einer Volkshochschule oder Familienbildungsstätte in Bayern meinte, in ihrer Einrichtung kämen am besten die Angebote zum Thema "Wir Bubenmütter" an. (Für Nichtbayern: "Bub" ist der gängige Ausdruck für das männliche Kind).

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