Freitag, 2. August 2013

Pipi und andere Alltäglichkeiten

Am Mittwoch habe ich an dieser Stelle über ein typisches Gespräch mit P gepostet, bei dem es darum ging, dass er lernen soll, bitte zu sagen. Einen Ratschlag bekam ich auch - ich solle alles genauso vorsprechen, wie ich es hören möchte, damit der kleine P das dann nachspricht. Ganz so einfach ist die Sache mit P leider nicht. Er spricht nämlich nur genau die Dinge nach, die für ihn interessant sind. Alles andere hört er gar nicht.
In der Krippe hatte ich gestern Entwicklungsgespräch. Ich fand das eigenartig und fragte mich, was da wohl groß gesagt werden soll, was ich nicht schon weiß. Und vor allem, ob ich direkt eine Einweisung in die Klinik bekomme oder erst noch zum Kinderarzt gehen soll. Aber es kam dann doch anders. Als Basis für unser Gespräch diente ein dreiseitiges Papier mit genauen Ausführungen zur Grob- und Feinmotorik, zum Sozialverhalten, zum Stand bei der Sauberkeitserziehung, zu Koordination etc. Zu allen Punkten wurde mir ausführlich über meinen Sohnemann berichtet. Viel Neues habe ich nicht erfahren, aber einige durchaus nützliche Infos über sein Verhalten bekommen. In einem Bereich waren wir uns mit den Erzieherinnen aber sofort einig: P hört gern selektiv. Das fing bei P schon früh an. Wir waren ja einmal sogar beim Ohrenarzt mit ihm, da war er noch kein Jahr alt. Er hört nicht, war unser Verdacht. Aber körperlich ist alles in Ordnung. Er hört die leisesten Töne und sieht die kleinsten Fussel. Das Problem liegt woanders: Er hört und sieht nur, was er will.
So kommt es auch, dass man mit der Vorsprechstrategie bei P nicht weit kommt. Ein kleines Beispiel von gestern:
Mama: P, du hast jetzt keine Windel um.
P: keine Windel.
Mama: Wenn du Pipi musst, dann sagst du Bescheid, ok?
P: Pipi.
Mama: P, wenn du Pipi musst, dann sagst du "Mama! Pipi!"
P: Nee.
Mama: P, wenn du Pipi musst, dann sagst du "Mama!Pipi!"
P: Nee. Ich! Pipi.

P ist nicht gerne Papagei und schon gar nicht, wenn die Fakten nicht stimmen. Es ging nämlich natürlich um Ps Pipi, das später trotz aller Dialogpraxis in die Hose ging. Was Sauberkeit angeht, ist es auch genau das, was uns im Weg steht - Ps Wille. Er weiß, wo diese Dinge hingehören und genau deswegen kommt der Topf für ihn nicht mehr in Frage. "E-e-e-e-k-l-i-c-h!" Seit einer Weile geht er in der Krippe auf die Toilette und weigert sich deshalb hier aufs Töpfchen zu gehen. Auf die Toilette klettert er allerdings genausowenig, da die ausgefeilten Toilettensitze und Treppchen für unsere Toilette ihm zu wackelig sind. Er klettert gern auf Klettergerüste, in große Höhen. Aber auf der Toilette ist ihm jegliches Adrenalin zuwider. Unter anderem deswegen kaufen wir immernoch Megapacks Windeln und unterhalten uns laufend über Pipi. Jetzt wo ich Ferien habe, kann ich diese Dialoge aber endlich wieder so richtig genießen. Nach einem Jahr mit Tempo 150 rede ich hier gern mal eine Stunde frei von der Leber weg über Pipi und andere Alltäglichkeiten. Wer mich also besuchen will, sei darauf vorbereitet.

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