Samstag, 22. Juni 2013

Wie schaffst du das?

ist eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt wird, vor allem seit ich wieder arbeite. Wie schaffe ich es, zwei Kinder und Arbeit (Referendariat) unter einen Hut zu bringen. Wie schaffe ich es, den Jungen eine gute Mutter zu sein und trotzdem auf der Arbeit gute Leistungen zu bringen? Und wie schaffe ich es, jetzt auch noch das dritte Kind fröhlich zu erwarten? Auf diese Frage will ich mal etwas detaillierter antworten. 

Erstens und am allerwichtigsten: Ich schaffe es nicht allein.
Um ehrlich zu sein, kann ich gar nicht verstehen, wie jemand auf die Idee kommt, dass ich das alles allein schaffe. Die Vorstellung allein bereitet mir Bauchschmerzen. Ja, ich musste meine Examensarbeit allein schreiben. Ja, ich musste auch alleine zu Prüfungen antreten und ich muss meinen Unterricht allein vorbereiten und halten. Und ja, ich muss allein in die Schule fahren und immer pünktlich sein. Das war's aber auch schon. Den Rest mache ich nicht allein. 
- die Jungs waren in diesem Jahr geschätzte 5 Wochen ohne mich - mit dem Papa bei den Großeltern, damit ich in völliger Abgeschiedenheit Examensarbeiten oder andere Arbeiten erledigen kann. Ich habe deswegen immer ein furchtbar schlechtes Gewissen gehabt, bin aber gleichzeitig sehr dankbar, dass ich einen Mann habe, der dazu stets und nicht nur ohne Murren, sondern mit begeistertem Engagement (wahrscheinlich, um endlich Pause von der schlecht gelaunten, weil gestressten Referendarin zu haben), bereit war.
- die Jungs haben im letzten Jahr an 90% der Abende die Wasch-und Zähneputz-Zeremonie und die anschließende Vorlese- und Zubettgehzeremonie mit dem Papa genossen. Wenn ich vorgelesen habe, dann war entweder gerade eine Prüfung vorbei, eine Hausarbeit abgegeben oder ich habe mir (selten) zwischendurch mal Zeit genommen. Auch deswegen habe ich ein ziemlich schlechtes Gewissen, das Paul mir jeden Tag in Erinnerung ruft, indem er auf Ungarisch "Helikopter landen und starten lässt", auf Deutsch das Flugzeug aber noch ein "Luktui" ist.
- in die Krippe bringen und aus der Krippe abholen. Es gab Phasen, in denen ich das allein gemeistert hab. Aber diese Phasen sind schon so lange her, dass ich auch hier mit Dankbarkeit und Stolz sagen kann: Euer Papa, liebe Jungs, ist eine Wucht. 
- mit den Kindern spielen: als ich meine letzte Prüfung neulich hinter mir hatte, und nach zwei Wochen Krankenstatus (wg. dauerndem Erbrechen) wieder in die Arbeit wollte und deswegen am Wochenende unbedingt viel vorbereiten wollte, hat der Papa das erste Mal - ganz leise - verlauten lassen, wann wir endlich mal wieder zusammen auf den Spielplatz gehen. Im letzten Jahr ist nämlich hier der Papa regelmäßig am Wochenende mit den Jungs allein auf den Spielplatz, während ich zu Hause vorbereitet hab.

Zweitens: Ich gebe viele Dinge auf, die mir früher wichtig waren. 
Das soll man nicht machen, steht in allen Ratgebern, ich weiß. Ich habe es aber trotzdem getan und ich bereue nichts. 
- Um meine Aufgaben zu schaffen, gehe ich früh ins Bett, und stehe früh auf. Wer mich kennt, weiß, welche gruseligen Formen das im letzten Jahr angenommen hat. 
- Ich war in den letzten drei Jahren vielleicht einmal pro Jahr im Kino, weil Kino heute immer auch einen Babysitter kostet und die Wahrscheinlichkeit groß war, dass ich einschlafe (von November 2010 bis Oktober 2012 wegen Stillmüdigkeit, danach wegen Umstellung auf Arbeits-Rhythmus und jetzt wegen Schwangerschaft - ich bin oft müde. Und dann schlafe ich. Punkt.)
- Nächte mache ich durch, wenn einer der Jungs nachts weint (Im Übrigen auch ein Verantwortungsbereich, den mir der Papa nach und nach abgenommen hat, was mir zwar beim Schlaf nicht hilft, weil ich trotzdem mit einem Ohr da bin, aber trotzdem eine enorme Hilfe ist)
- Unser Programm ist häufig nach den Kindern ausgerichtet. Damit die Jungs schnell einen regelmäßigen Schlaf-Rhythmus haben und wir ruhige Nächte, haben wir von Anfang an auf Regelmäßigkeit geachtet, weshalb viele Programmpunkte für uns nicht in Frage kamen. Der Lohn sind zwei Jungen, die in einem Zimmer glücklich zusammen ein-, durch- und ausschlafen und auch beim Mittagsschlaf selten Probleme machen, und außerdem - was meiner Meinung nach auch darauf zurückzuführen ist - sehr ausgeglichen sind. 
- Ich habe wenig Zeit für Freunde, das bereue ich schon manchmal. Aber echte Freunde akzeptieren das und Qualität war mir in dieser Hinsicht eh immer wichtiger als Quantität.

Kommen wir zu
drittens: Ich bin mir gar nicht so sicher, dass ich das schaffe.
- Unsere Wohnung ist nur halb eingerichtet, weil es an Zeit, Energie und auch Geld fehlt
- Häufig kommt es vor, dass ich Essen nicht koche, sondern kaufe. 
- Wenn man mich besucht, muss man sich oft zwischen Wäschebergen durchwühlen. 
- Der Boden bei uns knirscht. Nicht immer. Aber immer öfter. Sandkästen und Matschanlagen sind unsere Freunde geworden.
- Der Kinderwagen ist lange nicht mehr so sauber, wie ich mir das am Anfang mal vorgenommen habe. 
- Ich habe stetig das Gefühl, ich müsste meinen Kindern mehr Programm, mehr Abwechslung bieten.
- Mein Kühlschrank müsste geputzt, das Gefrierfach abgetaut werden. Eine Bügelfrau wäre auch nicht schlecht. Vom ewig türmenden Geschirr und Müsliresten auf Oberflächen ganz zu schweigen. 


Die Liste ist lang, in allen drei Punkten. Vor allem aber Punkt eins liegt mir am Herzen und hat besondere Aktualität, weil auch heute die Jungs wieder zu Haus sind mit dem Papa - das andere zu Hause. Und ich hier bin, um zwei Dinge zu tun - arbeiten und schlafen, damit ich 48h meine Kräfte für Kind Nummer drei, das ich inzwischen unglaublicherweise schon spüren kann (in der 12. Woche !), sammeln kann, denn die erste Arbeitswoche war doch anstrengender als ich dachte. Habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen? Ja. Aber ein gutes Gefühl ist es auch, einen Mann zu haben, der mir das ermöglicht. Wie schaffe ich das also? Gar nicht. Wir schaffen das. 

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