Mittwoch, 19. Juni 2013

Sie sind ja sowieso der Ausnahmefall

Erst heute Morgen über schuldgeplagte Mütter gelesen (hier): Mütter, die sich überall schuldig fühlen -auf der Arbeit, weil sie keine mit Kinderlosen vergleichbaren Leistungen erbringen - und zu Hause, weil sie nicht genug Zeit für die Kinder haben wegen der Arbeit. Sprach mir aus der Seele der Post. 
Genausowenig wie Nicki habe ich Lust mich schuldig zu fühlen, muss es aber immerzu. Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht an irgendeiner Stelle mit der Tatsache konfrontiert werde, dass man allenthalben eine mittelprächtige Mutter ist, wenn man sein Kind so lange fremdbetreuen lässt wie ich. 
Und es vergeht außerdem kein Tag, an dem ich nicht an irgendeiner Stelle auf der Arbeit damit konfrontiert werde, dass meine Leistung gerade deshalb so besonders ist, weil ich im Gegensatz zu den meisten anderen mein Referendariat mit zwei Kindern absolviert habe. In den letzten Wochen ist es mir geglückt, meine Sonderrolle unabsichtlich noch weiter zu verstärken, indem meine Schwangerschaft jetzt noch mit in der Waagschale liegt. Ich gelte nun sozusagen als Frau mit Handicap. Das ist nie böse gemeint, im Gegenteil. Als man mir in den Prüfungen Wasser, Pausen und besonders weiche Stühle anbot, fand ich das sehr nett und aufmerksam. Und ich fühlte mich dadurch auch nicht bevorteilt gegenüber den anderen Prüflingen - was übrigens durchaus von Außenstehenden anders gesehen wurde. Ich fühlte mich allerdings auch nicht benachteiligt durch meine Schwangerschaft. Die Luft war nach diesem Jahr bei mir raus - Schwangerschaft hin oder her. Kind hin oder her. Und wer ein Referendariat hinter sich hat, weiß, das ich in dieser Hinsicht völlig normal bin. Ich dachte auch, dass ich das in allen anderen Hinsichten wäre. Aber das war wohl ein Irrtum. Heute im Lehrerzimmer:
"SIE (Ich) sind (bin) ja sowieso ein Ausnahmefall. Fast drei Kinder und dann ein sehr gutes Examen - das geht ja eigentlich gar nicht." Warum nicht? Kam dann nachgeliefert: "Weil die Mütter das ja meistens nich hinkriegen." Ich hab es nu hingekriegt, frage mich aber immerzu, woran es wohl liegen mag, denn das scheint ja nicht normal zu sein. Liegt also vielleicht doch eher an den weichen Stühlen und Pausenangeboten. Ich würde mir wünschen, dass es einfach normaler wäre. Denn hinter der Ausnahmebewertung steckt die Ansicht, dass Mütter per se nicht so gute Leistungen bringen können wie Nicht-Mütter. Da ich ab jetzt irreversibel Mutter bin, erscheint mir diese Aussicht ein wenig düster und macht Lust, auf einen Pflaumenbaum zu klettern. (Wer den letzten Hinweis nicht versteht, muss hier reinschauen)

Nachtrag: Es sind drei junge Väter bei uns im Seminar. Ich glaube nicht, dass einem von ihnen besonders aus dem Aspekt heraus zu seiner Leistung gratuliert wurde, weil er Vater ist. 

Kommentare:

  1. Ich gratuliere Dir .... zu Deinen drei Kindern, zu Deinem Examen. Bewundernswert wie Du das schaffst.
    Meiner Tochter würde der Post aus der Seele sprechen, so ging es ihr nämlich auch. Ihr jungen Mütter seid toll. Ich wünsche Dir eine schöne Schwangerschaft, viele Nerven und Glück für alles was da kommt!
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

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  2. Liebesväterchen20. Juni 2013 um 10:30

    Jobb száz irigy, mint egy szánakozó.

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  3. Danke Elisabeth. Ich schaff das ja gar nicht allein. Ohne den Papa ginge hier gar nichts.

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