Samstag, 11. Mai 2013

Mutter - Vater - Eltern - Tag

Spoiler-Alarm: In diesem Text wird über Frauen, Männer, Mütter, Eltern, Väter, Bayern, Ostdeutsche und Christen hergezogen. Allein die Kinder bleiben verschont. 

Gerade habe ich wieder festgestellt, dass ich völlig hinterher bin, was die Ausbildung meiner eigenen politischen Korrektheit angeht. Es fing an mit einem Gespräch in der Schule am Mittwoch. "Wir feiern in unserer Kita keinen Muttertag, sondern politisch korrekten Elterntag." Wie das immer so ist bei politisch korrekten Begrifflichkeiten, man schluckt erstmal und denkt, ist das jetzt ernst oder ein Scherz und kann sich gar nicht so schnell eine Meinung bilden, wie man reagieren muss. 
Weiter ging das Ganze mit einer Ermahnung in der chillout-zone unseres Lehrerzimmers, dass der Herrentag kein Herrentag wäre, sondern ein Tag des Herrn, des himmlischen Vaters und dass das doch auf keinen Fall zu verwechseln wäre. Muttertag ist am Sonntag. Vatertag is nich. Nach dieser Ermahnung hab ich kurz gedacht, dann lieber Elterntag. Dann wird keiner bevorzugt und keiner benachteiligt und den himmlischen Vater kann jeder feiern, der möchte. 
Am nächsten Tag rief ich meinen Vater an und gratulierte ihm zum Vatertag. Der wies mich aber darauf hin, dass das ja nicht mit dem Muttertag zu vergleichen wäre und nicht so wichtig sei. "Heb dir die Ehrungen für deine Mutter auf", hörte ich da heraus. Hängt wohl auch damit zusammen, dass Vatertag im hohen Nordosten wiederum nix mit Vatersein zu tun hat, sondern mit Mannsein. Denn dort haben die "Herren" sich den Tag einfach genommen, um sich selbst zu feiern. Irgendwie auch verständlich, wenn sie schon keiner feiert, dann müssen sie das eben selbst übernehmen. Bis nach Bayern ist diese Tradition offenbar nicht gerutscht. Hier sieht man keine tourenden, grölenden Männergruppen am Herrentag. Und darauf sind wir auch stolz hier, wir Bayern. (Man beachte das Personalpronomen!). 
Quintessenz: Väter werden also nicht gefeiert und Männer erst recht nicht. Und so komme ich am Mittwoch, dem letzten Krippentag vor Mutter- und wer-auch-immer-Tag aus der Krippe mit zwei Geschenken meiner Söhne zum Muttertag. Der Papa geht leer aus. Hat ihn nicht sehr getroffen, glaube ich, aber irgendwie hab ich seit Donnerstag ein schales Gefühl dabei. Am Abend hab ich erstmal einen Kasten Bier für meine Eltern bei gourmondo bestellt. Die sollen einfach zusammen, wenn der ganze Mutter- und Vatertagskram vorüber ist, ein gepflegtes Bierchen heben (aber bitte nicht saufen, das gehört sich nicht). Ob meine Mama die Blumen vermissen wird? Sie war ja schon letzten Sonntag traurig, dass ich den Muttertag vergessen hatte. 
Heute Morgen jedenfalls habe ich gelesen, dass Uta Hirschleder im letzten Jahr die Umbenennung des Muttertags in den Elterntag vorgeschlagen hat. Schon im letzten Jahr! Und dass sogar die Bildzeitung darüber geschrieben hat. Vor einem Jahr!! An mir ist das mal wieder völlig vorbeigegangen und ich latsche von einem Fettnäpfchen ins nächste. Nächstes Jahr gibts für niemanden Geschenke. So einfach kann politisch korrektes Verhalten sein.

Kommentare:

  1. Nein, Mama wird die Blumen nicht vermissen und mit Papa ein gepflegtes Bierchen trinken ;-)
    Danke, Mama

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  2. LiebesVäterchen14. Mai 2013 um 09:18

    Ich denke aber, dass die Väterchen sich auch hier im Bayern schön besoffen, wenn es um Vatertag geht. Sogar Dult wurde für sie an dem Tag eröffnet...

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  3. Ich wurde inzwischen auch eines besseren belehrt, was das angeht.

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