Donnerstag, 18. April 2013

Der Preis

Gestern hatte ich meine zweite Lehrprobe und habe damit endlich mehr Punkte von meiner Prüfungsliste abgehakt als noch vor mir liegen. Zwei Lehrproben sind erledigt, eine Pädagogik-Psychologie-Prüfung ist durch und die Examensarbeit ist auch längst abgegeben. Jetzt liegen nur noch, und das nur noch ist nicht halb so entspannend, wie es auf den ersten Eindruck klingt, eine Lehrprobe und die Examensabschlussprüfung vor mir und dann bin ich Lehrerin und darf endlich auch ganz offiziell als solche arbeiten und nicht nur zu Hause. 
Der Preis für diese Errungenschaften, das stelle ich nun immer wieder fest, ist ganz schön hoch. Mein Großer (wird sind kurz vor dem Meter-Durchbruch) spricht inzwischen fast nur noch Ungarisch. Eine lange Weile hat er ja gar nicht gesprochen. Er scheint lange überlegt zu haben, für welche Sprache er sich entscheiden soll. Nun, es ist Ungarisch geworden. Denn auf Ungarisch gelingen ihm nun alle möglichen Vokabeln, er kennt Farbschattierungen, Buchstaben und Zahlen und macht immerzu mit Worten statt mit Taten (das tut er allerdings auch noch gern) Türen zu. Er kann Possessivanhänger, "das ist Moritz' Zahnbürste" ('und ich möchte lieber damit meine Zähne putzen') und er hat keine Schwierigkeiten mit "der Lampe des Autos" - "auto lámpaja". Ich könnte mich beruhigen mit dem Gedanken, dass Deutsch einfach die schwierigere Sprache ist, und er deswegen schon so versiert auf Ungarisch ist. Aber das glaubt mir kein Mensch. Der Grund ist vielmehr: Ungarisch ist anwesend. Und Mama ist abwesend. Aber ich bin stolz auf ihn. Wenn er so weiter macht, kann er bald besser Ungarisch als ich und das sollte das Ziel der täglichen Vokabelübungen in der Badewanne sein. Ein ungarisches Wort gibt es allerdings, das Paul nicht so richtig verstanden hat: finom (lecker). Denn jedes Mal, wenn ihm etwas gar nicht schmeckt, dann verzieht er ein bisschen das Gesicht, sagt weinerlich "minom" und bietet dir den jeweiligen Schmackhappen an. 
Weitere Ereignisse in meiner ständigen Abwesenheit: 
Moritz hat auf einmal vier Zähne oben und vier Zähne unten gebastelt, war deswegen zeitweise etwas unleidlich, ist aber dafür endlich bereit auch Dinge zu essen, die man nicht lutschen kann. 
Er läuft inzwischen an der Hand, ein paar Schritte allein und die Treppe zur Krippe steigt er mit Hilfe des Geländers alleine hoch. Endlich nicht mehr schleppen!!! 
Wenn ich mit den letzten beiden Prüfungsleistungen durch bin, schreiben die Kinder wahrscheinlich ungarische Gedichte und fahren Fahrrad. 


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