Mittwoch, 27. März 2013

Ein Telefongespräch

Gestern haben wir mit Freunden telefoniert und plötzlich war er da, dieser Moment, den alle Nicht-Eltern und auch sonst alle vernünftigen Menschen hassen: Von einem Augenblick auf den anderen hast du nicht den erwachsenen Gesprächspartner an der Strippe, sondern das zweijährige Kind. Und wer zweijährige Kinder kennt, weiß, wie einseitig diese Gespräche sind. In Zeiten von Skype und Facetime kann man wenigstens noch das Kind anstarren und Grimassen machen, wenn das Gespräch abebbt, aber am Telefon kommst du dir nach dem dritten "Hallo - Na wie geht's dir?" ohne Antwort einfach albern vor. 
Kein Wunder also, dass mein Mann kurz nach Luft schnappte, als er gestern plötzlich den kleinen Oliver, den Paul aus Babytagen von gemeinsamen Rumliegeabenteuern im Laufgitter und auf der heimischen Wiese kennt, am anderen Ende hatte. Er atmete kurz ein und beim Ausatmen sprang seine Stimmlage um eine Oktave nach oben und er fragte: "Na, was machst du?" Und von unserem eigenen zweijährigen (28-monatigen!) ausgehend war vor allem mit vermehrten Atemgeräuschen und im guten Fall einem "hallo" zu rechnen. Aber es kam anders. Oliver spielte das Musterbeispiel aus den Sprachentwicklungsbüchern, vor dem wir uns so grausen: "Ich zeichne." Daraufhin: "Und was zeichnest du?" "Ich zeichne einen Strich", bzw. "Vonalat húzok.", denn das Kind spricht Ungarisch. Und das Gespräch ging weiter: "Was für einen Strich, einen geraden oder einen krummen", woraufhin das Kind Entscheidungsschwierigkeiten bekam und erst mit "gerade" antwortete, um danach noch ein "krumm" hinterher zu schieben. 
Nachdem das gesamte Gespräch mit Erwachsenen und Kleinkindern beendet war, erzählte mein Mann ganz aufgeregt und mit Schnappatmung: Er hat "Vonalat húzok" gesagt. Nachdem Paul gestern mal wieder den halben Tag damit verbracht hat, seine Eltern im Quietscheton in Form von "äh, äh, äh" auf Dinge aufmerksam zu machen, war er auf abendfüllende Konversation über Fortschritte beim Zeichnen einfach nicht vorbereitet. 
Denn Paul ist, abgesehen von einfach Imperativen ("Mach zu", "Csukd be(=mach zu)" und "nyi-ki(=mach auf)) noch weit von ganzen Sätzen entfernt, weil er den ganzen Tag damit zu tun hat, Wörter zu lernen. Was an der einen Stelle Tür ist, ist an der anderen ajtó, was hier bitte heißt, heißt dort kérem. Und sein Gehirn arbeitet. Man kann das ganz oft sogar sehen. Ein Telefongespäch mit unserem Sohn allerdings - das muss man auch echt wollen.

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