Donnerstag, 3. Januar 2013

Fische? Wo sind Fische?

Eigentlich habe ich für den heutigen Blogeintrag noch nicht genügend Abstand vom Geschehenen gewonnen, schon gar nicht genug, um darüber zu lachen, aber ich möchte trotzdem von unserem gestrigen Ausflug berichten.
Alles fing damit an, dass wir uns überlegt haben, dass Paul nun wohl so weit wäre, einen Ausflug in den Zoo genießen zu können. Da es aber schrecklich kalt ist, war unsere kluge Idee, ins Tropicarium zu gehen. Da gibt es zwar hauptsächlich Fische, aber das muss ja kein Nachteil sein. Vor allem aber ist es eben warm und das Wasser leuchtet schön blau.

Paul war irgendwie nicht einverstanden mit unserer Idee. Er boykottierte schon am Auto, weil er nicht auf dem Fahrersitz sitzen durfte, sondern hinten im Kindersitz reisen musste (wenn das jetzt 16 Jahre lang so weiter geht, dann Prost Mahlzeit). Er beruhigte sich nach gefühlten 20 Reiseminuten mit Hilfe von Schlüsseln (die wirken bei ihm zur Zeit wie Valium) und Bananen. Angekommen am Tropicarium, wollte er nicht mit dem Kinderwagen mitfahren (wir haben so ein Teil gekauft, wo er im Stehen mitfahren kann), sondern den Kinderwagen schieben. Das ist aber durch genau dieses Teil physikalisch für ihn gar nicht möglich. Also bat ich Paul doch auf das Trittbrett zu steigen. Paul interessiert sich aber nicht für Physik und mein Vorschlag entsprach zum zweiten Mal an diesem Tag nicht seinen Vorstellungen vom Ablauf und so packte Paul abermals seine Trotzinstrumente aus und brach innerlich wie äußerlich zusammen. Ein Zusammenbruch äußert sich zur Zeit in der Regel mit Auf-den-Boden-Werfen, das Gesicht-in-den-Händen-Vergraben und hysterisch schreien, gepaart mit Immer-wieder-Nachschauen, ob noch jemand kuckt. Macht sich besonders im öffentlichen Raum gut, da ist man dann immer so stolz, dass der eigene Sprößling sich von seiner schönsten Seite zeigt. 
Angekommen im Inneren des Tropicarium, mussten wir feststellen, dass das Interesse bei Paul für die Fische gering war. Der nächste Zusammenbruch erfolgte in Kürze, als er nicht an den Fischernetzen reißen durfte, die dort zur Deko rumhingen und nicht über das Geländer ins Becken klettern durfte. Da legte Paul sich in den Gang und wütete rum, während die ganze russische Reisetruppe, die direkt nach uns reingekommen war, an uns vorbeilief und den Kopf über uns schüttelte.
Kurze Zeit später entdeckte Paul den schönsten Teil des Tropicariums für sich: Eine Treppe mit Rampe. Treppe hoch, Rampe runter, immer im Kreis. "Fische? Wo sind Fische?" Das Ende des Rampenspiels war der Anfang von Zusammenbruch Nummer vier. An dieser Stelle fühlte es sich allerdings schon an, als ob es mittlerweile nahtlose Übergänge gäbe.

Moritz saß während der ganzen Zeit im Kinderwagen und staunte - auf ihn wirkten die Fische wie auf Paul die Schlüssel. Aber als Paul so alt war, hätte das bei ihm auch so funktioniert. Wahrscheinlich ist das die Erklärung. Paul ist offenbar schon zu alt für's Tropicarium.

Kommentare:

  1. Ohje... da weiss ich ja schonmal was mich mal erwartet :)
    Übrigens folge ich deinem Blog, weil ich selbst ungarische Wurzeln habe, aber leider wenig Bezug dazu, ich finde es sehr interessant...

    Viele Grüße

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  2. Das ist ja spannend. Ich hab ja selbst keine, hab nur welche geschaffen. :) Wie kommts bei dir?

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