Sonntag, 30. Dezember 2012

Heute spielen wir Mittagsschlaf


Seit wir in Budapest sind und die Jungs wegen der schlechteren Abdunkelungsmöglichkeiten mittags Probleme haben, einzuschlafen, ist die Organisation und Durchsetzung der Mittagsruhe in unserer Familie ein Schauspiel, zu dem wir getrost Gäste einladen könnten. Während ich das schreibe, höre ich Paul aus seinem Bett laut erzählen und hoffe dabei sehr, dass sich die Vorstellung von gestern nicht wiederholt:
29.12., Samstag
12.30 Uhr: Beide Jungs werden in ihr jeweiliges Bett gelegt, Paul im Schlafanzug mit Decke und Moritz im Schlafsack ohne Decke. Beide haben jeweils eine Wasserflasche und zwei bis drei Kuscheltiere im Bett.
12.31 Uhr: Die Tür schließt sich. Kurzes Beschweren, dann gefühltes Aufatmen bei den Kindern ("Endlich sind sie raus!") und gefühlte Hoffnung ("Endlich Ruhe!") bei uns. Wir legen uns im Schlafzimmer nieder, in der Hoffnung auf eigene Mittagsruhe.
12.45 Uhr: Paul und Moritz unterhalten sich lautstark miteinander. Da-da aus dem einen Bett, Na-Na aus dem anderen. Ein erster Verdacht kommt auf, dass die Jungs vielleicht Probleme mit dem Einschlafen haben werden.
12.50 Uhr: Ein krachendes Geräusch kommt aus dem Kinderzimmer. Dann noch ein zweites gleich hinterher. 
12.51 Uhr: Ich zum Papa: "Geh mal rein! Mach mal Ordnung da drin!" Der Papa daraufhin: "Geh du lieber, ich kann doch da nicht ernst bleiben." Daraufhin schicke ich ihn mit einem "Das schaffst du schon!" doch hinein. 
12.52 Uhr: Papa schafft es nicht. Mein Mann öffnet die Kinderzimmertür und fängt sofort mit Kichern an (diese unterdrückte Variante, wo man das versucht runterzuschlucken und am Ende meistens irgendwie losprustet). Nach kurzer Zeit steigen die Jungs mit ein und alle lachen feste. Paul hatte alles aus seinem Bett hinausbefördert, was er für überflüssig befand (Decke, Kuscheltiere, Kissen) und gegen 5 Bücher getauscht, die er sich vom Regal gehangelt hatte, um dann in aller Ruhe die Schutzumschläge zu entfernen. Gekracht hatte die Wasserflasche auf dem Parkettboden. Moritz hatte ebenso alle lästigen Kuscheltiere aus dem Bett entfernt und stand am Bettrand, um eben das Fensterbrett leer zu räumen. 
12.55 Uhr: Papa ist fertig, kommt raus. Kichert weiter. Erzählt alles kichernd und schaltet das Babyphon aus: 'Jetzt werden sie schon schlafen', denkt er, sagt er und irrt er.
13.15 Uhr: Immernoch laute Gespräche, Gekreische und Gekicher aus dem Kinderzimmer, ab und zu ein komisches Geräusch. Keine schlafenden Kinder in Sicht.
13.30 Uhr: Babyphon an oder aus, die Kinder hört man im Nachbarhaus. "Wo gehst du hin?", fragt mein Mann. "Jetzt mach ich da Ordnung. Du kannst das ja nicht." Also, ich ganz ernst, streng und pflichtbewusst. Aber dann stand ich im Zimmer: Paul hatte seine Pyjamahose und einen Socken ausgezogen und eine Kiste mit Autos vom Regal geangelt und versuchte die Autos vom Boden ins Bett zu befördern. Moritz hatte es geschafft seinen Schlafsack loszuwerden, saß in Body und Socken und versuchte eben Sonnenstrahlen mit der Hand einzufangen. Alle beide hatten wunderbare Laune und waren hocherfreut, dass ich zum Spielen gekommen war.
13.31 Uhr: Ich wieder raus, zum Papa. "Komm mit. Wir zeigen denen jetzt wie das geht." - "Hä, was?". - "Ja, komm, wir legen uns zu ihnen ins Zimmer und machen da unseren Mittagsschlaf, dann sehen die das und schlafen auch." Schöne Idee.
13.32 Uhr: Plan wird umgesetzt. Mama und Papa legen sich auf den Teppich im Kinderzimmer mit Decke, Kissen und aus den Kinderbetten geflogenen Kuscheltieren. Paul und Moritz kucken kurz doof, spielen dann aber einfach weiter.
13.40 Uhr: Paul versucht dem Papa die Decke wegzuziehen und amüsiert sich königlich. Moritz fängt weiter Sonnenstrahlen. 
13.50 Uhr: Papa gibt sich wirklich Mühe, den Schlaf zu demonstrieren, unter anderem deshalb, weil er echt Mittagsschlaf will. Paul unterhält sich mit Moritz über seine bekloppten Eltern. Moritz fängt an sich die Socken auszuziehen. Paul feuert ihn an. 
14.00 Uhr: Die Vorstellung endet, indem Mama den Mittagsschlaf für beendet erklärt: "Genug geschlafen! Raus hier, alle!"
Während dieses Blogeintrages ist im Kinderzimmer Ruhe eingekehrt. Ob die Kinder schlafen oder Sonnenstrahlen fangen, das weiß ich allerdings nicht.

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