Freitag, 9. November 2012

Wer erzieht jetzt eigentlich unsere Kinder?

Heute in der Schule unterhielten sich zwei Kolleginnen über Aufsätze (Erörterndes Schreiben, Thema: Frauenquote) von jungen männlichen Schüleropfern, die sich in ihren Texten vehement gegen die Frauenquote aussprachen mit der Begründung, dass dann ja niemand mehr die Kinder erziehen würde. Da hab ich mich schnell eingemischt und die armen Schülerchen verteidigt: Das Talent der meisten Väter liege durchaus eher bei den Legotürmen als bei der Erziehung, auch wenn ich dazu sagen muss, dass unser Papa durchaus in der Lage ist, diese beiden zu kombinieren. Trotzdem kann ich das Problem der jungen Herren aus der Bildungsanstalt durchaus verstehen, denn seit ich wieder voll arbeite, frage ich mich auch manchmal, wer jetzt eigentlich unsere Kinder erzieht. Da ich sie seit Beginn des Referendariats, ähnlich wie der Papa, regelmäßig höchstens vier Stunden am Tag sehe (3 abends, eine morgens), weil sie den größten Teil des Tages in der Krippe verbringen, ertappe ich mich inzwischen auch dabei in der kurzen Zeit lieber noch einen Legoturm zu bauen und noch einen Lichtschalter gemeinsam an- und auszuschalten (die Lichtschalter sind die neuen Türen im Hause Paul) als mich mit weinenden Kindern abzumühen. Und so spielt Paul beim Essen mit seinem Matchbox-Auto, lässt sich immernoch regelmäßig den Belag ohne Brot schmecken und wirft sich hysterisch auf den Boden, wenn die falsche Tür zugemacht wird. Moritz weint, wenn ich den Raum verlasse oder zu weit weg gehe, ohne ihn mitzunehmen. Und was mache ich? Ich gebe Paul den Käse pur (der Junge muss doch essen!) und Moritz trage ich mit mir rum, wenn der feine Herr mal wieder zu faul ist zum Robben. Wenn das so weitergeht mit meiner Erziehung, kann ich nur noch auf die genetische Veranlagung hoffen.

Kommentare:

  1. richtig erziehen tun die ärzte, zum beispiel. herzlichen glückwunsch zum tollen neuen design :)

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  2. Danke lieberväterchen. Aber die erziehen ja meistens mehr die Eltern.

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