Montag, 5. November 2012

Lángos und Kolbász für Mutter und Sohn

Das waren jetzt mal so richtig schöne Ferien, so wie wir sie lieben und sie endeten am Sonntag mit einem ganz besonderen Höhepunkt: einem Besuch in dem Krankenhaus, in das wir eigentlich "unser Kind nie wieder bringen sollten", warum kann man hier nachlesen. Der Verursacher unserer schönen Ferien: eine Mandelentzündung mit fiesen Grippesymptomen, die schön der Reihe nach alle umgehauen hat, zuerst Moritz, dann mich, dann den Papa und zum Schluss Paul. Paul hat sich am wackersten geschlagen, aber hatte dann plötzlich am Wochenende auch Fieber und vor allem dolle Schluckbeschwerden. Und so sind wir mit ihm gestern zum Bereitschaftsdienst, in der Hoffnung, dass er vielleicht heute wieder in die Krippe gehen kann. Und es kam, wie es kommen musste. Bei der Untersuchung spielte die Tatsache, dass alle in der Familie nacheinander diese Mandelentzündung hatten (wir waren ja auch alle beim Arzt, außer der Papa natürlich, denn Papas brauchen keine Doktoren) und Paul sie offenbar jetzt auch, keine Rolle. (Wer sind wir auch, dass wir die Diagnose selbst mitbringen!). 
Die geschwollenen Lymphknoten am Hals sah Frau Doktor nicht im Zusammenhang mit dem Geschehen im Hals (könnte schon sein, aber wer weiß das schon so genau), sondern mit einer möglicherweise ernsthafteren Erkrankung im Hintergrund, die sofortige Abklärung, bei positivem Blutergebnis (sie wollten natürlich sofort Blut abnehmen) am besten mit längerem Aufenthalt in ihrer wunderschönen mit zahlreichen Betten für Kinder (und Stühlen für Mütter) ausgestatteten Einrichtung erforderlich machen würde. Begründet wurde diese Einschätzung mal wieder womit? "Er ist sooo dünn, der Junge." Nach mehrmaliger Aufforderung, sich bitte die Frau Mama anzuschauen, die mit ihrem Stoffwechselgeheimnis Millionen machen könnte, kam nur der bissige Kommentar: "Wir gratulieren Ihnen zu Ihrem wunderschönen Kind...", der wohl darauf anspielen sollte, dass unser Kind sozusagen dünn gehalten wird. Und die alte Schallplatte, "wenn er wirklich so viel isst, wie sie behaupten....", "wo geht das dann alles hin?", wurde natürlich auch wieder aufgelegt. Am liebsten hätten sie dem Jungen gleich vor Ort ein Lángos und eine Kolbász in die Hand gedrückt und ihn gebeten mit seiner Mutter zu teilen. Zu diesem ungarischen Essfest ist es aber nicht mehr gekommen. Der Papa hat die Zeremonie unterbrochen und wir sind mit einem Antibiotikum nach Haus gefahren (Dort haben wir übrigens Hühnerpaprikasch gegessen. Ja, wir essen wirklich richtiges Essen!) 
Nun haben wir das Personal im berühmten Heim Pál Kinderkrankenhaus Budapest also zum zweiten Mal beleidigt. Bald können wir uns in der Stadt nicht mehr blicken lassen, befürchte ich. Im Übrigen wird Paul in zwei Wochen 2 Jahre alt, ist zur Zeit 93 cm groß und wiegt 14 kg.

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