Mittwoch, 14. November 2012

Ich habe Mittelohr

Bisher hab ich immer gedacht, ich hab einen echt kinderfreundlichen Beruf gewählt. An vielen Schulen gibt es immernoch traditionell Vormittagsunterricht, die Unterrichtsvorbereitungszeit kann ich mir frei einteilen, also wann und wo ich will vorbereiten und ich arbeite in einem Umfeld, in dem es von Kindern nur so wimmelt, das heißt ich kann vermutlich mit kinderfreundlichem Arbeitgeberverhalten rechnen. Nun, dann will ich mal erzählen:
Kind M hat Mittelohr (in Fachkreisen auch Mittelohrentzündung genannt, aber wir sind hier heimliche Hape-Fans. Wir haben keine Krankheiten, nur Körperteile). Nachdem er vor drei Wochen Hals hatte, hat er jetzt also Ohr. Für ihn heißt das Antibiotika, für mich heißt das zu Haus bleiben, zumindest heute. Als Referendarin, so steht es ja auch auf meiner wunderschönen Ernennungsurkunde, die gerahmt über meinem bisher nicht vorhandenen Schreibtisch hängt, ist man Beamtin. Und als Beamtin des bayerischen Staates darf man in einem Kalenderjahr ganze vier Tage zu Hause bleiben, um ein krankes Kind zu pflegen. Hat man ein Kind, sind das vier Tage für ein Kind, hat man zwei, dann zwei für jedes usw. Wenn man fünf Kinder hat, dann muss man die Bruchrechnung beherrschen oder die Kinder müssen bitte alle gleichzeitig krank sein. Aber das soll hier nicht weiter bemängelt werden, denn wer hat denn heute bitte fünf Kinder? Sowas macht man nicht.

Weiter mit meinen zwei. Ich darf also jeweils zwei Tage zwei kranke Kinder pflegen und dafür Sonderurlaub beantragen, um eine Dienstbefreiung zu bekommen. Warum vier Tage und nicht die üblichen zehn? Nun, die schönste Erklärung, die ich dafür gefunden habe, ist die, dass Lehrer ja soviel unterrichtsfreie Zeit haben und da benötigen sie keine Dienstbefreiung. Kinder von Lehrern müssen also immer in den Ferien krank werden. Also, lieber P und lieber M, in den Herbstferien habt ihr das ja schon ganz gut hinbekommen. Aber zur Zeit, mein kleiner M, sind keine Ferien. Und deswegen musste ich heute in der Schule anrufen.

Das Gespräch lief ungefähr so: "Sagen Sie, wie läuft denn das mit den Krankschreibungen, also wann und wo muss ich denn die Krankschreibung abgeben?" - "Ja, also das ist so: Sie dürfen drei Tage ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Wenn Ihr Kind krank ist, dürfen Sie aber nur insgesamt drei Tage im Jahr (gesetzlich eigentlich vier, aber vielleicht hat er mir schon einen abgezogen?) zu Hause bleiben." "Hm.", sage ich. "Und danach? Was mach ich danach?" - "Nun. SIE dürfen drei Tage ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Sie verstehen doch was ich meine? (Oder soll ich buchstabieren?)". Ich stand ein wenig auf der Leitung, aber ich verstand dann schon. Eine andere Lösung - ich hatte das bisher immer für eine ungarische Praxis gehalten. Für die, die auf der Leitung stehen: Ich habe jetzt also Mittelohr.

1 Kommentar:

  1. Ja, das ist schon sehr ungerecht. Ich kann da auch ein Liedchen von singen, obwohl ich mich mit meinen 10 Tagen im Vergleich zu Dir nicht beschweren kann, aber die sind auch jetzt (3 Monate vor Jahresende) aufgebraucht. Mein Mann hat keinen Anspruch auf Kinderkrankentage, also kann er auch keine auf mich übertragen. Blöde Krankenkassenkonstellation! Wie kann es meiner Tochter auch einfallen, erst Noro-Virus, dann Stomatitis und dann unzählige weitere Infekte zu haben, die eine Betreuung bei der Tagesmutter unmöglich machen? Wie gut, dass ich Teilzeit arbeite und die 10 Tage pro Jahr nur an den Arbeitstagen abgezogen werden. So bedeuteten 10 Tage für mich 2 Monate zu Hause bleiben. Wenn ich jeden Tag arbeiten ginge, wären sie in 2 Wochen aufgebraucht und ich hätte vermutlich 6 Wochen unbezahlten Urlaub gehabt, um mein krankes Kind zu betreuen.
    Meine Kleine darf jetzt also auch nur am Wochenende bzw. dienstags oder donnerstags krank werden. Hoffentlich hält sie sich dran.
    Ich wünsche Dir gute Besserung! ;-)

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