Dienstag, 27. November 2012

Der deutsche Medizinmann Teil 2

Also jetzt muss ich aber mal eins klarstellen. Ich bin ja - und das nicht zuletzt auch häufig an dieser Stelle - immer gern über unsere ungarischen Medizinfrauen hergezogen, um genauer zu sein, über Pauls und Moritz' ungarische Kinderärztin. Irgendwann zog ich nicht mehr über sie her, weil wir nach Bayern zogen und sich der Kontakt dadurch immer schwieriger aufrecht erhalten ließ. Und so muss ich mir inzwischen anderes Medizinpersonal suchen, zum Drüberherziehen. Das ist übrigens denkbar leicht. 
Denn hier in Deutschland sind zwar die Zäune aus Salami (eine ungarische Redensart), aber die Medizinmänner hier, die sind zum großen Teil wenig bis völlig ungenießbar. 
Mit Paul war ich letzte Woche bei einem dieser Ökonomen, die sich Doktoren schimpfen, bei der U-Untersuchung. Er war noch völlig mit durch von seiner Magen-Darm-Infektion (Paul, nicht der Arzt), aber der Herr Doktor meinte: "Impfen? Kein Problem! Nur hohes Fieber ist ein Hinderungsgrund und das hat er ja nicht" - Nun, ich widersprach, denn Paul gings echt nicht rosig. Der Herr Doktor war beleidigt, akzeptierte aber. Im Nachhinein (denn vorher hatte er mich nicht informiert, was er überhaupt impfen wollte und eine Impfung war auch überhaupt nicht abgesprochen) fand ich dann einen Eintrag in Pauls Impfpass, dass er an diesem Tag die MMR-Impfung erhalten habe (wozu es ja nicht gekommen ist, weil ich sie verhindert habe, ich Rabenmutter. Der Eintrag war aber nicht verhindert worden). Meine erste Reaktion war Empörung: Wie können die das da reinpinseln, wo doch darüber noch gar nicht gesprochen worden war? Meine zweite Reaktion hingegen war Entsetzen: MMR? Das steht doch zwei Zeilen drüber. Kann der nicht lesen oder will er nicht? Selbst wenn er die Zweifachimpfung vorzieht, hätte er sich doch zumindest informieren können (im einfachsten Fall durch Fragen an mich), ob eine zweite MMR-Impfung in Ungarn überhaupt vorgesehen war (ist sie erst im 11. Lebensjahr!) Was uns nicht umbringt, macht uns härter, seine Devise. Oder doppelt hält besser. Oder je mehr impf desto geld. Ich werde es wohl nie erfahren. Denn da geh ich wohl nun erstmal nicht mehr hin, zumindest schreit mein Instinkt danach.
Wenn man sich dann aber umhört, nach Empfehlungen für Kinderärzte, dann stellt man fest, man hat die Auswahl zwischen den folgenden Kategorien (oder Kombi-Varianten selbiger)
- Medizinern, die regelmäßig plötzliche Urlaubswochen an Quartalsenden einlegen
- Kollegen, die Privatpatienten höflich hereinbitten und Kassenpatienten vertrösten auf in zwei Monaten
- Ärzten, die Sprechzeiten von 9-11 und 15-17 Uhr haben und deren Telefon in dieser Zeit dauerbesetzt ist.
- Medizinern, die am Telefon höflich formulieren, sie hätten Patientenstopp und würden keine neuen Patienten mehr aufnehmen
und bei allen diesen Ärzten muss man mit zwei kleinen Kindern damit rechnen, mindestens zwei Stunden in irgendeinem Sprech-, Warte-, oder Flurzimmer warm gehalten zu werden. Ich will zurück zu meinen Medizinfrauen. Schon wieder. (Und nicht weil es Frauen sind. Ich hab nichts gegen Männer.)


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