Montag, 8. Oktober 2012

Mehr Autos als Kinder

Seit einer Weile gibt es hier Streit im Haus. Die ersten paar Monate hat sich Moritz vieles gefallen lassen und eigentlich selten widersprochen oder überhaupt seinen eigenen Willen gezeigt. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Jetzt widerspricht er nicht nur, er greift auch von ganz allein an. Und Paul lässt sich ebensowenig die Butter vom Brot nehmen.
Das Streitobjekt: ein Polizeiauto, so ein ganz kleines, womit schon Generationen gespielt haben, und von deren Sorte der Papa eine ganze Kiste auf dem Dachboden hat, die er aber noch nicht rausholt für seine Söhne. Und ich habe von diesen Autos keine kaufen wollen, weil Papa ja die große Kiste hat und ich mir beim Kaufen auch vorkomme, als würde ich eine Straftat begehen, weil meine Kinder ja noch unter drei sind. Außerdem wollten wir Teilen groß schreiben in unserer Familie. Also haben wir seit längerem dieses eine Auto, die Jungs streiten sich und alle üben sich in Toleranz. Hat Moritz das Auto, dann wird das von Paul nur sekundenlang toleriert. Danach wird die Abnahme durch Paul von Moritz überhaupt nicht toleriert - er schreit. Paul zeigt sich meistens sehr tolerant was Moritz' Geschrei angeht. Ich weniger, sodass ich manchmal eingreife, Moritz das Auto gebe und dann fängt die Toleranzübung wieder von vorne an. Der Papa sagt: Dat sollen die unter sich ausmachen.
Am Wochenende war die Oma da und hat einfach skrupellos ein weiteres Polizeiauto und ein Feuerwehrauto gesponsort. Jetzt gibts hier mehr Autos als Kinder, aber ich bin mir sicher, die Toleranzübungen werden deshalb nicht seltener. Ich befürchte immer, dass der Streit irgendwann eskaliert und der Papa die Autos schnappt, um sie in seine Kiste zu räumen. Der war sowieso ganz traurig, dass für ihn kein Auto abgefallen ist.

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