Samstag, 13. Oktober 2012

Eine schwere Übung

Wenn es eine Aufgabe gibt, die mir bei der Betreuung meiner Kinder besonders schwer fällt, dann ist das die Anzieherei bzw. das Auswählen wettergerechter Kleidung. Im Übrigen ist das eine Fähigkeit, die mir auch in Bezug auf mich selbst manchmal abhanden zu kommen scheint, je nach Witterung. Mein Glück dabei ist, dass ich sowohl in meiner Freizeit als auch in meinem Berufsleben auf zahllose Beispiele treffe, die belegen, dass dies tatsächlich die größte Herausforderung für alle Eltern im Herbst ist. Je älter das Kind, desto größer die Herausforderung, denn dann kommt ja noch der verflixte eigene Wille dazu.
Bei mir gibt es sowas zum Glück noch nicht. Was Paul und Moritz anziehen, entscheide ich. Und am Tag entscheiden das ihre beiden Krippenladies. Morgens sind zur Zeit um die 0 Grad. Und ich hab sie jetzt einfach ausgepackt, die dicken Jacken und die dicken Mützen. Wenn ich morgens dann zur Krippe fahre und mir die Finger ohne Handschuhe am Fahrrad abfrieren, sind die Kinder hinten im Anhänger mollig eingepackt und schwitzen sich eins. Dann packt mich jedes Mal das schlechte Gewissen, dass ich die Winterjacken schon ausgepackt hab (was will ich ihnen denn im Winter anziehen) und schaue mich um, wie die anderen Kinder so angezogen sind, um mich am nächsten Tag daran zu orientieren. Aber wenn ich bei der Krippe ankomme, dann habe ich Kinder in Felljacken mit Handschuhen und im Fußsack gesehen, andere Kinder mit dünnen Übergangsjacken und ohne Mütze und wieder andere Kinder eingekuschelt bis zur Hüfte in eine Decke (im Fahrradanhänger) und dann ohne Mütze, Schal und im langärmeligen T-shirt - alles bei 0 Grad. Besser wird die Auswahl noch, wenn ich dann nachmittags nach Hause komme. Da sind zur Zeit knapp 15 Grad und die Kinder haben von kurzen Hosen und T-shirts bis Daunenjacke und Fellmütze einfach alles an. Und daneben spazieren die Eltern, die die 15 Grad entweder als -5 oder als +25 Grad missverstehen. Am besten sind aber die Eltern, die selbst im dünnen T-shirt spazieren und ihre Kinder in Jacke, Mütze, Schal verpacken. Die nehmen den Ratschlag "eine Schicht mehr" so ernst, dass ihnen im Winter nichts anderes übrig bleibt als drinnen zu bleiben. Ich bin übrigens von der Sorte chaotisch. Ich weiß leider nie, welche Temperatur mich erwartet, wenn ich vor die Tür trete. Ich habe Vermutungen, aber diese Vermutungen erweisen sich leider häufig als Irrtum, sobald ich die Wohnung verlassen habe. Und deswegen müssen meine Kinder zur Zeit ab und zu schwitzen. Zum Glück geht es nicht nur ihnen so.

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