Mittwoch, 12. September 2012

Mütter und ich

Mütter. Ich gebe mir im Allgemeinen sehr viel Mühe, Zusammentreffen mit dieser Spezies, es sei denn, es handelt sich dabei um meine eigene oder andere mit mir verwandte, verschwägerte oder sonst irgendwie befreundete Ausgaben, zu verhindern. Aber manchmal treffe auch ich trotz aller Bemühungen ab und zu auf eine. Zwei dieser Begegnungen hatte ich heute. Und das noch vor zwölf Uhr.
Aber bevor ich davon berichte, vorerst zur Erklärung, warum ich so desinteressiert bin an fröhlicher Müttergemeinschaft: 1. Ich glaube, dass Muttersein nicht automatisch verbindet. Nur weil ich ein Kind habe und du auch ein Kind hast, sind wir doch nicht automatisch Seelenverwandte. 2. Ich unterhalte mich gerne mit Frauen, dabei spielt es für mich keine Rolle, ob sie Mütter sind oder nicht. Es ist allerdings ganz praktisch, wenn sie auch was zu sagen haben. 3. Wenn ich einen Ratschlag zum Thema Windelwechseln, Beikost, Stillen o.ä. wichtigen Themen suche, dann bediene ich die Suchmaschine. Da kann ich mir den Ratschlag aussuchen, der zu mir passt und muss nicht nehmen, was mir angeboten wird. 4. Schwangerschaftsgymnastik, Krabbelgruppen, Rückbildungsyoga...alles Veranstaltungen, bei denen es darum geht, wer vor oder nach der Geburt am schnellsten wieder fit ist und wessen Kind sich am schnellsten und normgerechtesten entwickelt. Vergleichswerte, die mich, wenn sie mich überhaupt beeinflussen, bestenfalls stressen. Cornelia Kister, Autorin und Mutter von vier Kindern hat es, wenn auch etwas überzogen, in einem Artikel für die Süddeutsche treffend formuliert:
Es gibt keine andere Lebensphase, in der man so viele unterschiedliche Frauen kennenlernt wie in den Jahren mit kleinen Kindern, und man glaubt, auf einen Schlag lauter neue Freundinnen gefunden zu haben. Überall treffen Mütter in fröhlicher Gemeinschaft zusammen: beim Babyschwimmen, beim Kinderturnen, bei Kindergarten- und Schulfesten, an schönen Nachmittagen auf Spielplätzen. Doch der Schein der heiteren weiblichen Solidargemeinschaft trügt, hinter der Herzlichkeit und Anteilnahme lauern die Konkurrenz, der Argwohn, der Wettstreit, die Missgunst, der Neid (Cornelia Kister in: SZ-Magazin)
Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen, vor allem, wenn es um Frauen geht, die man ohne Kinder nie getroffen hätte. Und deswegen findet man mich auch nicht bei Müttertreffen, in Krabbelgruppen oder beim Babyschwimmen. Ich gehe genau diesem Konkurrenzkampf ganz bewusst aus dem Weg. Aber manchmal erwischt mich selbiger doch irgendwie auf meinen Ausweichrouten.

So hatte ich heute zwei Mütterbegegnungen, die ganz klar von Wettstreit geprägt waren. Die erste heute Morgen, da schob ich P und M gerade einhändig (in der anderen hatte ich den Regenschirm) im Kinderwagen in voller Regenmontur auf den Krippenkinderwagenparkplatz; da sprach mich eine Mutter an, die gerade ihren zweieinhalbjährigen Sohn abgegeben hatte: "Wie macht man das morgens mit zwei solchen? Ich schaff das ja kaum mit einem!" "Hmmm," hab ich geantwortet "Ich bin nicht ganz so schön geschminkt wie Sie."
Im Nachhinein hab ich überlegt, dass die Bemerkung vielleicht ein bisschen bissig wirkte, aber aus ihr nur genau die gleiche Verwunderung sprach, die auch schon die Eingangsbemerkung ausmachte. Ich war eben verwundert über diese Frage, von einer Mutter kommend, die perfekt gestylt, mit perfekter Maniküre und perfekten Haaren aus ihrem trotz Regen glänzenden (weil frisch gewaschenem) Audi A irgendwas steigt. 'Naja, dachte ich, wie schafft man das wohl. Indem man auf all diese Dinge verzichtet oder eben sehr früh aufsteht.' Das muss ihr doch klar gewesen sein, als sie meinen lose zusammengebundenen Pferdeschwanz, mein ungeschminktes Gesicht und vor allem meine (und das hab ich erst nach dieser Begegnung wirklich schmerzvoll wahrgenommen) ungeputzten Schuhe gesehen hat.

Die zweite Begegnung war beim Arzt. Da kam eine Mutter mit zwei Kindern rein, das große Mädchen war so zweieinhalb und der kleine Junge so drei Monate alt. Sie kamen ins Wartezimmer und das Baby schlief seelenruhig in der Babyschale, während das Mädchen nach kurzer Einweisung still und friedlich in der Ecke in den Kinderbüchern blätterte. Ich war kurz davor zu fragen: "Wie haben sie das denn hingekriegt?", denn ich stellte mir immerzu vor, wie es wäre jetzt mit P und M hier zu sein. Die vielen Sprech-,Wartezimmer-, und sonstigen Türen und M, der alles gerne tut, nur nicht schlafen. Ich wollte wissen, wie sie dieses Mädchen dazu bekommen hat, dass es mucksmäuschenstill dort sitzt und was man tun muss, dass ein Baby beim Abstellen der Babyschale auf dem Boden einfach genüsslich weiterschläft. Ich ertappte mich beim Neid. Die Mama interessierte mich nicht die Bohne. Ich wollte nur teilhaben an ihrer Erziehungsweisheit. Aber bevor ich fragen konnte, bekam die Frau Mama ihre Überweisung, wollte losgehen und das vorher so friedliche Mädchen brach auf dem Boden zusammen, strampelte mit den Füßen und schrie um sein Leben, weil es die Bücherecke verlassen musste. Und was soll ich sagen. Ich hab mich gefreut. Puuuhhh, doch nicht so perfekt. Ich dachte schon, nur mein Junge macht das. Vielleicht doch nicht so schlecht, solche Mütterbegegnungen. Man muss bloß immer dafür sorgen, dass man beim Vergleich gut abschneidet. 

Kommentare:

  1. Ein sehr Interessanter Beitrag :-) Ich lerne dazu!

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  2. Hallo Heike!

    Bin ganz auf deiner Seite, ich halte mich mittlerweile auch von Mütterversammlungen fern. :)

    Liebe Grüße
    Marisa

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  3. Hallo Heike.
    Genau genau genau.
    Muttersein KANN verbinden.
    Muß aber nicht!!
    Liebe Grüße
    Suse

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  4. Müssen offenbar nur die richtigen Versammlungen sein! :-)

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