Samstag, 29. September 2012

Drei Kinder passen nicht in einen Fahrradanhänger

Jetzt hab ich die ersten zwei Wochen als berufstätige Mutter hinter mir. Ich schaffe es mittlerweile locker das Haus ohne Kinderspuren auf dem Pulli zu verlassen und ich habe auch die Jungs noch nicht in der Krippe vergessen. Meine Eindrücke der letzten zwei Wochen lassen sich aber trotzdem in einem Satz zusammenfassen: "Lieber noch n drittes Kind, ey." Aber bevor es jetzt hier noch zu Nachfragen kommt, das soll keine Schwangerschaftsverkündung sein.

Referendariat macht man nicht mit Kind hat man mir gesagt. Ich kann das gar nicht bestätigen. Das ist doch perfekt auf Mütter ausgerichtet. Stundenpläne werden so häufig wie möglich variiert für mehr Chaos, denn Mütter sind Chaos ja gewöhnt. Referendare lässt man möglichst viel im Lehrerzimmer warten auf Fachlehreraudienzen - nichts Neues, denn als Mutter kennt man das Warten ja schon aus der Schwangerschaft und auch sonst ist man eigentlich darauf trainiert, seine eigenen Bedürfnisse warten zu lassen. Man legt die Pflichtseminare möglichst in die Mittagspausen, damit die Referendare nicht das gute Schulessen wegessen - Mahlzeitenausfall auf Grund von Arbeit ist auch nichts Neues für Mütter. Außerdem lädt man zu Coachingseminaren in Hotels und Restaurants, denn Mütter schlafen gern mal außerhalb, dann können sie wenigstens mal schlafen. Und man erwartet, dass Unterricht nachts vorbereitet wird. Kein Problem für Mütter von kleinen Kindern - da schlafen die ja eh nicht. Das schönste am Referendarsein - man darf sich nicht beschweren, denn man arbeitet ja noch nicht mal richtig, die paar Stunden. Nicht beschweren, auch eine Sache, die man als Mutter früh übt.

Und so beschwere ich mich auch nicht, sondern versuche, auch weiterhin mit sauberem Pulli in die Schule zu gehen, die Kinder nicht in der Krippe zu vergessen, P morgens die Hausschuhe aus- und die Straßenschuhe anzuziehen (das ist schon einmal schief gegangen), zwischen 12 und 14 Uhr immer an meine Sporteinheit zu denken (nach Hause radeln, Milch pumpen, ins Gefrierfach schleudern und zurückfahren), am Wochenende das Mittagessen für M nicht vergessen vorzukochen (damit er keine gehäxelten Bratkartoffeln und Rührei essen muss) und allen voran die engagierte, aber nicht überforderte Referendarin zu spielen. Mal sehen wie lange mir das gelingt. Drei Kinder passen schließlich nicht mehr in einen Fahrradanhänger.

Kommentare:

  1. Schön geschrieben, zufälligerweise den Beitrag auf der Suche nach einem Kinderanhänger für drei Kinder gefunden (siehe letzter Satz ;) und mit Interesse gelesen.

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    1. Wir haben sie etwas später dann reingequetscht. Das erste Jahr ging das gut.

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  2. Hm, vermutlich handelte es sich dann aber eher für kürzere Strecken im Alltag: da wir analog zur Elternzeitreise vor zwei Jahren ( http://radelgern.blogspot.de/ ) wieder für 4 Monate auf Radreise gehen möchten, wird das Anhänger-Trio bestehend aus einer 3-monatiger Tochter, 2-jährige Tochter und 4-jährigem Sohn vermutlich bei einer täglichen mehrstündige Quetschung lautstark Protest einlegen. Es ist ja auch nicht so, als ob es einen Anhänger für drei Kinder nie gegeben hätte (vgl. z.B. Stichwort transpoly), nur fanden wir bislang kein Modell, das es heute noch - vorzugsweise in Deutschland - zu kaufen gäbe.

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