Freitag, 27. Juli 2012

Warten beim deutschen Medizinmann

Heute haben sich Paul und Moritz ihrem neuen Medizinmann in Regensburg vorgestellt. Paul fand ihn unsympathisch, was der Herr Doktor mit einem Plüschdelfin irgendwie retten wollte. Moritz hatte keine besondere Meinung zum Herrn Mediziner und ich, naja ich hatte Schweißausbrüche und wollte nur noch nach Hause.
Als ich ankam, wunderte ich mich schon, warum das Wartezimmer so leer war. Ich hatte zwar einen späten Termin (11.30 Uhr), aber in diesem Wartezimmer langweilte sich das Spielzeug schon eine Weile. Als wir fertig waren, hatte ich verstanden: Hier wurde das Prinzip "Lieber Patient gehen Sie doch bitte schon mal ins Sprechzimmer" angewandt. Das soll ja den Behandlungsvorgang beschleunigen, aber alles was das beschleunigt ist die Entwicklung meiner Wut. Abgesehen davon verlangsamt es die Wartezeit gefühlt um mehrere Stunden, denn man wartet nicht im Wartezimmer auf den Arzt (wo oben erwähntes gelangweiltes Spielzeug ebenfalls auf Kinder wartet), sondern in einem der sage und schreibe 5 Sprechzimmer, die der Arzt im Kreis durchmarschiert. Kinderarzt am Fließband sozusagen. Nur geflossen ist nichts so richtig, außer meinem Schweiß. Im Sprechzimmer musste ich dann nämlich noch genau 40 Minuten warten, sehr sehr lange 40 Minuten. Denn das Sprechzimmer war ganz und gar aufs Sprechen ausgelegt und nicht aufs Warten.
Während Moritz schlechte Laune bekam, weil sich bei ihm der kleine Hunger einstellte, bekam Paul gute Laune und ging auf Entdeckungstour. Er fühlte sich im Sprechzimmer wie bei Oma und Opa und verhielt sich auch so. Schublade auf, Schublade zu, Tür zum Flur auf, Tür zum Flur zu, auf den Stuhl raufklettern, runter vom Stuhl, Mülleimer auf, Mülleimer zu, Bücherregal inspizieren, Medikamentenschrank untersuchen, Computer, Arztsessel, Wasserhahn, ....so ging das immer im Kreis. Nichts davon hab ich ihm erlaubt, aber innerhalb dieser 40 Minuten Wartezeit sollten mir die pädagogischen Erfolge in diesem Zusammenhang versagt bleiben. 
Moritz wechselte immer zwischen Tragewanne und Wickeltisch. Aber als er auf dem Wickeltisch lag, hatte ich immer Panik, dass ich mich einen Meter zu weit weg bewege und genau dann der Arzt reinkommt, der mich anpfeift. Das wäre nicht der Start gewesen, den ich mir für uns gewünscht habe. Also hab ich zwischendurch auch noch Moritz herumgetragen und Paul im Sprechzimmer verfolgt. Versuche ihn auf dem Stuhl ruhig zu halten waren völlig zwecklos. Winden, Kreischen und sonstiges war die Folge. Und noch mehr Schweiß.
Irgendwann kam der Arzt. Er kuckte in Pauls Ohren, machte sich damit sofort unbeliebt, stellte noch zwei Fragen, erwähnte, dass Moritz ein Riesenbaby sei und wünschte mir viel Glück für die Eingewöhnung in Regensburg. Mir war in diesem Moment mehr nach Abgewöhnung. Wenn man über Pauls und Moritz' bisherige medizinische Betreuung vieles sagen kann, aber eins nicht, dass sie von viel Wartezeit geprägt war. Und vor allem nicht von Pseudowartezeit in Pseudowartezimmern. Da wäre daheim die Angst viel zu groß gewesen, dass ich es mir inzwischen anders überlege mit dem Arztbesuch und lieber den Laptop vom Arzttisch mit nach Hause nehme um mir zu Haus meine Krippentauglichkeitsbescheinigung selbst zu drucken, wegen der wir übrigens da waren. Ich will zu meinen Medizinfrauen. Mit oder ohne Arztlaptop.

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