Freitag, 27. Juli 2012

Kultur fängt schon beim Spielen an

In nicht allzu ferner Zukunft werden Paul und Moritz hauptamtlich die deutschen Spielplätze unsicher machen. Dies ist eine einschneidende Veränderung in unser aller Leben, denn die moderne deutsche Spielplatzkultur unterscheidet sich wesentlich von der ungarischen. So wesentlich, dass ich befürchte meine Kinder müssen für die deutsche Version erst noch ausgerüstet werden. Das ist leider nicht nur eine Befürchtung, sondern nackte Realität. Meine Krippe hat mich verpflichtet Matschhosen zu besorgen.
Spielplätze, die was auf sich halten, haben in Deutschland eine Wassermatschanlage. Diese besteht vor allem aus Wasser und Sand und demzufolge gaaaaaaanz viel Matsch. Wenn die Anlage richtig professionell ist, dann gibt es Schleusen, Pumpen in Kinderhöhe und Matschbecken, in denen man sich bei richtigem Einsatz der Pumpe im Schlamm sühlen kann wie das ein modernes Kind eben macht und für seine gesunde Entwicklung offenbar braucht. Das "elementare Spiel mit Wasser und Sand", so heißt es, wird heute in Deutschland kultiviert durch Wassermatschanlagen, auf denen stundenlang Trinkwasser in Sandgruben fließt, um psychologischen oder körperlichen Schaden bei Tausenden von Stadtkindern zu verhindern, die sonst keine Möglichkeit haben, sich mal so richtig einzusauen. Und damit haben wir sie auch schon festgenagelt, die zwei wesentlichen Unterschiede zur ungarischen Spielplatzkultur: 1. Es gibt keine Matschanlagen. 2. Das Einsauen ist als elementares Bedürfnis wenig anerkannt und findet, falls überhaupt, im Geheimen statt. Paul und Moritz müssen ihn irgendwie schaffen, den Sprung zwischen den beiden Kulturen. Ich hoffe, sie bekommen dabei keinen psychologischen Schaden. 

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