Mittwoch, 11. Juli 2012

Auch der schönste Urlaub ist irgendwann zu Ende

Noch knapp drei Wochen, dann ist sie vorbei die wunderschöne Zeit, der Geburtsurlaub, wie er hier so schön heißt. Elternzeit ade, es tut schon jetzt ein bisschen weh. Aber nicht genug, um gleich noch ein Kind hinterher zu schieben. Eben lag der erste noch in den Windeln (...liegt er übrigens immernoch, aber inzwischen läuft er ja auch schon), da muss ich über einen Kindergartenplatz nachdenken. Nochmal kurz nachrechnen....nein, Paul ist noch nicht drei. So schnell vergeht die Zeit doch nicht. Aber in Deutschland muss man weit im Voraus planen, wenn man sein Kind betreut haben will.
Im März hab ich zwei Krippenplätze für Paul und Moritz organisiert, vorausschauend, wie ich dachte. Die Krippenchefinnen (ich habe mit keinem einzigen Mann telefoniert in diesem Zusammenhang) dachten anders. Ich komme viel zu spät, wenn ich im gleichen Jahr noch einen Platz wolle. Für September 2013 könnte ich zwei Wartelistenplätze haben, aber für diesen September, da komme ich ja viiiiiel zu spät. Einen Platz auf der Warteliste hätte ich in jeder Krippe bekommen, ein kleines Trostbonbon sozusagen. Wartelistenplätze gibts an jeder Ecke. Ich wollte lieber einen Krippenplatz, stehe ja schon jobtechnisch auf der Warteliste zur Zeit, das reicht. Zu meiner Überraschung sind wir dann doch ganz ohne Warteliste ausgekommen, im richtigen Moment am richtigen Ort hab ich zwei Plätze in einer neu eröffneten Krippe bekommen. Und in knapp drei Wochen geht es los. Da fängt sie an, die Eingewöhnung. "Früher haben die da nicht soviel Trara gemacht", sagt die Oma. "Wir mussten euch abgeben, mit zehn Paar Strumpfhosen und zehn Paar Schlüpfern (für das berühmt-berüchtigte Töpfchentraining) und dann war gut." Heute ist das ein bisschen anders. Als ich neulich in der Krippe war zum Absprechen der Termine, da wurde ich darüber informiert, dass man heute gerne ein bisschen Trara macht. Drei Wochen lang eingewöhnen und dann, naja, dann wäre auch nicht sicher, ob das klappt, sie hätten auch Kinder, die hätten acht Wochen eingewöhnt. Meine Augen wurden immer größer und ich habe bis heute nicht verstanden, was die Dame damit meinte: Soll ich dann acht Wochen lang mit meinen Söhnen in die Krippe gehen? Ich denke das würde doch sogar die Kapazität des Wortes Trara überschreiten. Ich habe lieber nicht nachgefragt.
Paul und Moritz haben sich beim ersten Besuch in der Krippe sehr wohl gefühlt. Jeder Raum hatte mindestens drei Türen genau auf Pauls Höhe und er durfte nach Herzenslust die Türklinken bewegen und alle schauten zu. Moritz hat sich ins Spiegelhäuschen gelegt (ein kleines Häuschen mit ein paar Spiegeln an der Innendecke) und sich von den weiblichen Kommilitoninnen - oder wie heißen die, Krippenpartnerinnen, Kameradinnen, Verbündete - bekucken lassen. Als ich los wollte, machte Paul Theater. Ihm war nicht bewusst, dass er ein modernes Kind ist, das sich mit der Eingewöhnung schwer tun soll. Er hatte sich aus Versehen schon in einer Stunde mit der Einrichtung angefreundet. Und wenn er sich dann so richtig eingewöhnt hat, dann kann er schon mal anfangen sich alles wieder abzugewöhnen, denn dann fängt die Eingewöhnung im Kindergarten an, für die ich im Moment Trostbonbons sammele. Am schlimmsten wird die Eingewöhnung wohl für mich. Die Umstellung von Urlaub auf Arbeit ist immer eine der schwierigsten.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen