Dienstag, 22. Mai 2012

Spazierenstehen mit Paul und Moritz

Spazieren gehen mit zwei Kindern in einem Geschwisterwagen ist anstrengend. Hab ich geschrieben vor einer Weile. Fitnesstraining hab ich das genannt. Ich hatte ja keine Ahnung. Den Kinderwagen, mögen es auch mittlerweile 42 kg sein, durch die Gegend schieben ist ein Kinderspiel gegen das, was wir hier neuerdings machen.
Paul kann inzwischen laufen und sobald Kinder laufen können, wollen sie das auch permanent. Paul ist da zwar im Grunde sehr unkompliziert. Wenn ich ihn schieben will, darf ich ihn schieben, wenn er laufen soll, dann läuft er auch. Ob sein Körper rumliegen oder in Bewegung bleiben soll, das darf meistens ich entscheiden. Und ich entscheide, er soll laufen. Da fängt das Drama an. Wir wohnen hier in einem Viertel, wo es zwar Bürgersteige gibt, es aber keinen Sinn macht, darauf zu laufen, weil die immer an irgendeiner Stelle plötzlich enden oder so uneben werden, dass ich mit dem Wagen da nicht lang komme. Außerdem sind die definitiv zu klein um nebeneinander zu gehen. Paul vor dem Wagen - doofe Idee. Paul hinter dem Wagen - nicht schlecht. Bei Paul wird aber "hinter dem Wagen" zur Zeit innerhalb von Sekunden "vor dem Wagen". Also doch keine richtige Lösung.
Auf der Straße könnte man laufen, mache ich dann auch mit dem Wagen, weil es ein sehr ruhiges Viertel ist und nur ab und zu Autos kommen. So ein Kleinkind sollte aber in der Großstadt vielleicht so schnell wie möglich lernen nicht auf der Straße zu laufen. Nun, einmal losgelassen läuft das so ab: Paul läuft drei Meter nach vorn, ich versuche neben ihm zu bleiben, mit Moritz im Wagen. (Moritz schläft nur, wenn ich immer gleichmäßig in eine Richtung schiebe, zu deutsch: er schläft nicht, wenn Paul spaziert) Dann dreht Paul um, läuft drei Meter in die andere Richtung. Ich verfolge ihn. Ich bitte ihn wieder in die andere Richtung zu laufen, denn so laufen wir ja nur im Kreis. Er hockt sich auf den Boden und findet einen Stein. Der wäre ihm so gar nicht aufgefallen, wenn ich nichts gesagt hätte. Was ein Glück. Dann läuft Paul zum nächstbesten Gartentor. Probiert die Klinke. Ich hinterher. Vorbei an Straßenrandgrün mit dem unheimlich wändigen Geschwisterwagen. Gerade angekommen, Wagen positioniert, Paul dreht um, zurück zur Straße. Rufen bringt zur Zeit nix. Meine Rufe hört er einfach nicht. Die Rufe der Wildnis sind viel lauter.
Gestern schien es so, als ob wir fast von einer Straßenecke bis zur nächsten kommen würden, eine halbe Stunde haben wir mit unserer Zickzacktechnik dafür gebraucht. Kurz vor der Ecke sind wir gescheitert. Paul hat einen Hund entdeckt. So einen von der Sorte, ich quetsche mich durch den Gartenzaun für ein paar Streicheleinheiten. Paul hat sofort den richtigen Draht zu dem Vierbeiner gefunden. Die nächste Viertelstunde verbrachte er damit auf den Hund zu zeigen, "guj-ja" zu sagen und Streicheleinheiten zu verteilen. Als die beiden anfingen Intimitäten auszutauschen - Paul wollte Küsse auf Fell und Schnauze verteilen - beendete ich das Spektakel und auch den Spaziergang.

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