Montag, 14. Mai 2012

Ohne Wurst geht hier gar nichts, zumindest kein Abendbrot

Bei Kleinkindern gibt es eine Zeit lang, so ist meine mittlerweile professionelle Einschätzung, drei verschiedene Esstypen. Die einen sammeln den Belag vom Brot und essen nur das Brot. Die anderen stopfen sich den Belag rein und verzichten auf den Ballast Brot. Und den dritten Typ kenne ich persönlich nicht, aber den gibt es ganz sicher auch. Die bekommen gar keine Brote. Ist ja auch nicht jedermanns Sache, so ne deutsche Stulle.
Paul isst seit kurzem selbstständig sein Brot. Seine Brote. Und zwar drei an der Zahl, jeden Abend. Paul ist eigentlich Esstyp zwei, aber Mama macht ihn meistens dann doch zu Typ vier, dem Allesesser: Er kann mit dem Belag und dem Brot machen was er will, aber satt wird er nur, wenn auch das Brot den Mageneingang passiert.
Meist liegen da also auf dem Teller drei Stullen mit verschiedenen Belägen. Es sei denn Oma und Opa haben das Abendessen vorbereitet, dann gibt es nur Wurst. Denn das Kind mag Wurst. Und das mögen die Großeltern. Denn sie mögen auch Wurst. Wenn schon diese komischen Brote, dann wenigstens was Ordentliches drauf. Und so gibts dann Paul's Favorite zur Zeit: Drei Salamibrote, die sich allein in der Größe unterscheiden. Paul findet das super. Bei mir gibts drei verschiedene Stullen, alles andere finde ich langweilig auf dem Teller. Aber neuerdings muss eine mit Schinken oder Salami dabei sein, sonst kuckt Paul gleich zu Beginn der Mahlzeit frustriert auf den Teller und steht im schlimmsten Fall gleich wieder vom Tisch auf. Von wem er das wohl hat?
Wenn dann die drei Stullen da so liegen, greift Paul zielsicher zur Salami- oder Schinkenstulle. In die andere Hand nimmt er die Käsestulle und reicht sie mir rüber. Ich soll schließlich auch was essen. Das Salamibrot wird mir allerdings nicht angeboten. So weit geht die Liebe nicht. Seit neuestem ist der nächste Schritt beim Essen, dass Paul die Salami vom Brot pult, sich in den Mund stopft und mir die darunter befindliche Stulle schenkt. In der Not schmeckt die Wurst schließlich auch ohne Brot. Meistens stellt er aber schnell fest, dass das zwar gut schmeckt, aber nicht so richtig den Magen füllt und schiebt das Brot dann doch noch hinterher. Wenn nicht, übernehme ich den Schiebevorgang. Wenn er damit fertig ist, verlangt er die Käsestulle von mir zurück und verfährt so wie mit dem ersten Brot. 
Von seiner ersten Stulle wählt Paul bei jeder Mahlzeit ein Salami- oder Schinkenstück zu seinem Begleiter. Dieses Wurststück begleitet ihn dann die ganze Mahlzeit über. Egal was gegessen wird, das Wurststück muss in der Hand, auf dem Teller, auf jeden Fall in Sichtweite sein, wenn er die Käse- und andere Schweinereistullen essen muss. Sein Sicherheitswurststück hilft ihm psychologisch darüber hinweg, dass es bei Mama nicht nur Salamibrote gibt. Einmal hat er mir sein Begleiterwurststück angeboten und ich habe den Fehler gemacht es zu essen. Die Trauer über den Verlust seines treuen fleischigen Begleiters war so groß, dass wir die Mahlzeit beenden mussten. Ihm war der Appetit vergangen. Auch ein neues Wurststück half da nicht mehr. Das Begleiterstück war schließlich schon so schön angewärmt und breitgedrückt. Damit konnte kein neues kühlschrankkühles Wurststück mithalten. 

Kommentare:

  1. Da kann sich Frau Manuela Müller ma' was abgucken bei dir. Beste Bettgehlektüre ever! :)

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  2. ach ja, Frau Manuela Müller...wo der Name Programm ist. :)

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