Montag, 14. Mai 2012

Eine Decke und eine kluge Oma

Paul hat seit kurzem eine Decke. Die ganz akute Phase in Sachen plötzlichen Kindstod hat er vielleicht jetzt gerade so überstanden, da dachte ich mir, schenk ich ihm von seinem ersten Kindergeld einfach ne richtige Bettdecke und n richtiges Kopfkissen. Die Omas haben ja auch schon aus allen Richtungen gefeuert, dass er doch endlich eine richtige Decke bräuchte und warum er noch keine hat und das Bett sähe doch so leer aus und da könne man doch auch gar nicht richtig schlafen. Außerdem hat Paul die Schlafsäcke schneller ausgewachsen als die Windelgrößen und auf die nächste Größe hatte ich keinen Bock mehr. Darin hätte selbst ich dann schon Platz gehabt. Und Grund Nummer drei ist die Tatsache, dass Moritz genauso schnell wächst wie Paul und bald Anspruch anmeldet auf die aktuelle Schlafsackgröße von Paul. 
Ist doch auch irgendwie albern, das mit den Schlafsäcken. Aber man kann die eben so schlecht wegstrampeln und das ist ein Totschlagargument gegenüber den wärmsten und kuscheligsten Federbetten. Wenn die einmal weggestrampelt sind, dann liegt der Strampler im Freien. Aus dem Schlafsack rauskommen, das schaffen nur Profis.
Paul hat sich schon nach drei Tagen in seine Decke verliebt. Letzte Woche war es an einem Tag mal wieder so heiß, dass es abends im Schlafzimmer 26 Grad waren und die Aussicht auf ein Absinken der Temperatur in der Nacht gering. Da dachte ich, lege ich ihm mal lieber nur einen Bettbezug hin. Die Decke ist doch viel zu warm. Paul hat - und das macht er schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr - mich zurück ins Zimmer geweint und nach einigem Rätselraten, was wohl sein Problem sei, hab ich ihm seine Decke, die über dem Sessel lag, ins Bett gereicht. Paul kuschelte sich hinein und war zufrieden. Die Oma meinte dazu nur: "Na ist doch klar, dass er da weint! Da bekommt er endlich nach so langer Zeit eine Decke und dann nimmst du ihm die nach drei Tagen wieder weg." Manchmal sind die Omas eben klüger als die Polizei erlaubt.

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