Dienstag, 22. Mai 2012

Achtung! Fliegende Hörnchen

Bei uns im Hause muss man sich neuerdings ducken. Denn Kind P hat Wut. Ich hab es erst nicht glauben wollen, aber nun flogen am Wochenende die Brote durch die Gegend. Da war mir alles klar: Kind P trotzt wahrscheinlich. Und das am liebsten beim Essen. Außerdem ist er noch wütend auf Türen, die nicht richtig auf oder zu gemacht werden können, auf Deckel, die schwierig auf Flaschen zu schrauben sind, auf Bananen, die keine Kekse sind und auf alles andere, was nicht so ist, wie er es sich vorgestellt hat. Der arme kleine Kerl. Er wird wohl noch öfter in diese Situation kommen. 
Auch wenn ich vor kurzem geschrieben habe, dass Kind P spricht und ich verstehe, so ist das doch noch eher die Ausnahmesituation. Meistens wird viel gesprochen und weniger verstanden. Und da kommt es eben auf Kind Ps Seite zur Trotzreaktion.
Trotz ist definiert als "hartnäckiger (eigensinniger) Widerstand gegen eine Autorität aus dem Gefühl heraus im Recht zu sein" (Quelle: Duden). Kind P fühlt sich der Definition nach derzeit häufiger im Recht. Sein hartnäckiger (eigensinniger) Widerstand äußert sich in Wutaus- und Nervenzusammenbrüchen. Oder eben in fliegenden Hörnchen.
Am Wochenende war die Situation beim Frühstück eindeutig für Kind P und deshalb flogen die Brote, bzw. Hörnchen durch die Gegend. Kind P hatte sich in seinem Schädel ein schönes Salamibrötchen zum Frühstück vorgestellt. Er sah dafür alle Zutaten auf dem Tisch liegen und war voller Zuversicht. Dann schmierte die Mama ein Hörnchen. 'Oh', dachte Kind P, 'das ist auch nett'. Er aß ein paar Häppchen vom Honighörnchen, aber dachte nebenbei: 'Naja, ganz nett. Aber wann kommt jetzt die Salami?' Ich dachte nur: 'Hmm, lecker Honighörnchen. Schmeckt dem Kind bestimmt gut.' Klarer Fall von Missverständnis.
Nach drei, vier Happen fühlte sich der Junge wohl veräppelt, er sah seine Chancen auf Salamibrötchen schwinden und schob das Hörnchen weg, um mir klar zu kommunizieren, dass er nicht mehr möchte. Ich dachte nur: 'Drei Happen Hörnchen? Er kann ja nicht schon satt sein. Was ist denn jetzt los?', und bot ihm das Hörnchen immer wieder an, indem ich es ihm zurückschob. Und so schoben wir das Hörnchen eine Weile auf seinem Tisch hin und her, bis er das Gefühl hatte, er muss deutlicher werden. Da flog das Hörnchen. Danach spielten wir dasselbe Spiel mit einem Nutellahörnchen, nur dass er davon nur einmal abbiss, bevor es flog. (Er mag kein Nutella!?!?) Nach dem zweiten Hörnchen hatte ich eigentlich keine Lust mehr auf Flugtraining und wollte die Mahlzeit beenden.
Kind P war jetzt schon kurz vor dem Zusammenbruch, weil er nicht verstand, warum ich nicht verstand. Die Lösung lag doch auf der Hand, bzw. auf dem Tisch. Er warf sich gegen den Stuhl, quetschte Tränen raus und verzog die Mundwinkel, alles in der Hoffnung je Drama desto Verständnis. Dann kam sie mir doch noch, die Erleuchtung. SALAMI. Der Junge will herzhaft frühstücken. Und ich komm mit Süßkram. Das Abendessen geht nicht ohne Wurst, warum sollte das Frühstück ohne gehen? Und tatsächlich: das Salamibrötchen flog keinen Centimeter. Warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen? Es hätte mir zwei fliegende Hörnchen und eine Menge hartnäckigen (eigensinnigen) Widerstand erspart.

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